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Der Israelit · 1890-06-19 · Heft 48 (19.6.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 48 (19.6.1890)
Date
1890-06-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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•••••‘WK.WfIRW WWf» 862 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Minister für Cultus und Unterricht hat die an der Universitäts-Bibliothek in Wien erledigte Amanuensis-Stelle dem Praktikanten daselbst, Dr. S a 1 o m o n Frankfurter, verliehen. Wien. In Durchführung des Gesetzes vom 21. März 1890, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft, wurden die Vertretungen der gegenwärtig bestehenden israelitischen Cultusgemeinden, sowie jener staatlich zugelassenen Verbände, die in Gemäßheit ihres Zweckes thatsächlich einer Cultusgemeinde gleichstehen, Seitens der betreffenden Landesregierungen aufgefordert, den zuständigen k. k. Bezirkshauptmannschaften als Cultusbehörden erster Instanz die Grenzen ihres Gebietsumfanges anzugeben und gleichzeitig Anträge rücksichtlich der künftigen Gestaltung des betreffenden Gemeindesprengels zu stellen. Innerhalb der hiefür vorgeschriebenen Frist werden auch die in Ortschaften außerhalb der zur Zeit der Kundmachung des erwähnten Gesetzes bestehenden Cultusgemeinden und Cultusverbände in größerer Anzahl ansässigen Israeliten der zuständigen k. k. Bezirkshauptmannschaft die Erklärung abzugeben haben, ob sie sich zu einer selbstständigen Cultusgemeinde conftituiren oder einer bereits bestehenden einverleibt werden wollen. Prag, 8. Juni. Am 2. d. M. traf unser neuer Oberrabbiner, Herr Dr. Nathan Ehrenfeld aus Gnesen hier ein und wurde noch am selben Tage in dem Sitzungssaale des isr. Rathhauses in sein Amt etngeführt. Am 7. Juni nach dem Vormittagsgottesdienste fand in der Klaussynagoge die Festfeier anläßlich der Antrittsrede des Herrn Oberrabbiners statt. Das Gotteshaus, bekanntlich die größte der Synagogen Prags, war in allen seinen Räumen überfüllt, es hatte ein Festgewand angelegt. Während die inneren Räume des Gotteshauses mit blauen Draperien und das Emporium mit exotischen Pflanzen geschmückt waren, trugen die Wände des Vestibüls weiße Mousselinverkleidung, von der das herrliche Grün der Palmen und anderer Pflanzcngattungen wohlthuend abstach. Die Festfeier wurde mit der Absingung des Halleluja eröffnet; nachdem noch der Chor den Psalm 44 zum Vortrag brachte, bestieg der Oberrabbiner die Kanzel. Anknüpfend an den Text der Haftarah: „So spricht der Herr der Heerscharen: Wenn Du in meinen Wegen wandelst, meinen Dienst beobachtest, meinem Hause treulich vorstehst und meinen Hof in Ehren halst, so gebe ich einst Zutritt Dir unter denen, die hier stehen," entwickelte der Oberrabbiner das Programm seiner Amtsthätigkeit. Er bezeichnete als Pflichten eines Seelsorgers: Behutsamkeit in der Beurtheilung, Erhaltung des Gemeindesinnes, Sorge für die religiöse Erziehung der Jugend, Wahrung der überkommenen heiligen Gotteslehre. Die Predigt, welcher das Gebet für Se. Maj. den Kaiser und das Allerhöchste Kaiserhaus folgte, war von dem Geiste wahrer Religiosität, dem Hauche echter Friedensliebe, der Glut der höchsten Gottesbegeisterung durchweht und wirkte in geradezu überwältigender Weise. Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld beherrscht die Sprache mit voller Meisterschaft und drückt seine Gedanken mit größter Klarheit und höchster Eleganz aus. Den anwesenden Mitgliedern der Repräsentanz wurde am Schluffe des Vortrages von den vornehmsten und einflußreichsten Gemeindemitgliedern der wärmste Dank für die getroffene Wahl zu Theil. Der Statthalterei-Vicepräsident, der in Vertretung Sr. Exc. des Statthalters der ganzen Feierlichkeit beiwohnte, beglückwünschte den Herrn Oberrabbiner zu dessem „großen Erfolge", den Präses und Präses-Stellvertreter der Repräsentanz zu der glücklichen Wahl, welche dieselbe getroffen hat. Frankreich. Paris, im Mai. Seit Beginn dieses Monats erscheint in Oran (Algier) unter dem Titel „Die israelitische Jugend" in französischer und arabischer Sprache ein neues jüdisches Blatt. Rußland. Petersburg. Fürst Meschtschesky ließ im „Grashdanin" vor Kurzem seinen flammenden Groll über die Juden beim Militär aus und fügte falsche Ziffern an, welche der „Nied. Kr. Woschod" richtig stellt und dann hervorhebt, wie in dem letzten russisch-türkischen Kriege die jüdischen Soldaten — laut den amtlichen Rapporten — durch Muth und Unerschrockenheit sich überall auszeichneten und mehrere derselben (die Namen werden angeführt) die Bewunderung ihrer Vorgesetzten erlangten. So lautet z. B. „der Rapport" des General Czermajew über einen gewissen G o l d st e i n: „Vom Anfang bis zu Ende, seitdem er zu mir kam, war er im Feuer der Schlachten. Am ll. August, beim Ueberfall der Türken auf die Schumaler Redoute, lenkte Goldstein durch seinen besonderen Muth und seine Kaltblütigkeit meine Aufmerksamkeit auf sich.

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