Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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861 Daß der Vater der Wittwen und Waisen den verlassenen Hinterbliebenen den Trost und den Muth gewähren möge ihren schweren Verlust zu ertragen, ist der innige Wunsch, dem unzählige Aeußerungen aufrichtiger Theilnahme von Juden und Christen in ergreifender Weise Ausdruck gaben. Mit ihm mögen auch diese Zeilen schließen 11122 'n ds? \t npb 'm pj '1 Wir wollen, selbst gebeugt von dem tiefen Weh, das ini Busen wühlt über dem 'n, nicht das im '*7 vergessen und Gott aus tiefster Seele dafür danken, daß er uns den Engel in Menschengestalt gesandt hat, dessen segensreiches, edles Wirken zu innig durch tausende von Fäden mit dem Leben seiner Familie, seiner Gemeinde und der großen Gesammtheit verknüpft ist, als daß sein Andenken vergessen werden könnte, auch wenn er nicht mehr unter uns wandelt. Sein bloßes Gedächtnis; wird alle, die ihn zu kennen das Glück hatten, ansporncn, ihm ähnlich zu leben und zu wirken und so für die Wahrheit des Wortes zeugen: P'M! IM Trier 16. Juni. Trotz der häufigen Spaltungen jüdischer Gemeinden in den letzten zwei Jahrzehnten, haben doch wenige Vorgänge die allgemeine Aufmerksamkeit in dem Maße in Anspruch genommen, wie diejenigen in Trier, zur Zeit, da sich eine große Anzahl Mitglieder von der alten Synagogen- Gemeinde loslöste, indem sie die „Israelitische Religionsgesellschaft" bildeten. Die Bildung letztgenannter Gemeinde hat das allgemeine Interesse dadurch erregt, weil deren Mitglieder die ersten waren, welche einzig und allein deßwegen aus der Muttergcmeinde austraten, weil ein Rabbiner der Breslauer Schule gewählt worden war. Der „Israelit" hat seiner Zeit ausführliche Berichte über diese Trennung gebracht. Der Austritt erfolgte im Juli 1879, nachdem Herr Dr. Kroner gewählt worden war. Die Regierung versagte ihrerseits die Genehmigung und nun wurde Herr Dr. Holländer berufen, ein Rabbiner, der zur gesetzestrenen Richtung zählte. Allerdings erfolgte die Wahl erst, nachdem der Austritt geschehen und die Jsr. Religionsgesellschaft constituirt war. Herr Dr. Holländer starb nach 15-monatlicher Wirksamkeit und hiernach berief die Trierer Synagogen-Gemeinde Herrn Dr. Zuckermantel. Letzterer hat vor ca. 3 Wochen Trier verlassen und die Rabbinats-Stelle in Pleschen angenommen. Die Rabbinats-Stelle der Trierer Synagogen-Gemeinde ist also vacant. Während der Trennung hatte die Jsr. Religions-Gesellschaft Herrn Dr. Ehrmann zum Rabbiner gewählt. Derselbe verließ Trier im Jahre 1885 und ist seitdem Bezirksrabbiner in Baden (Schweiz). DieRabbinats-Stelle der Jsr. Religions-Gesellschaft ist also ebenfalls vacant. Vorstand und Repräsentanz der Synagogen- Gemeinde werden in der nächsten Zeit einen neuen Rabbiner engagiren. Wählen sie einen Rabbiner der Hildesheimer Schule, so steht einer Wiedervereinigung wohl nichts mehr im Wege. Soviel wir über die Stimmung in der isr. Religions-Gesellschaft orientirt sind, hegen wir keinen Zweifel, daß deren Mitglieder sich dann wieder der Mutter-Gemeinde anschließen werden. Jetzt also wäre der geeignete Zeitpunkt zur Wiedervereinigung. Ein persönlicher Haß besteht in Trier durchaus nicht zwischen den einzelnen Mitgliedern der beiden Gemeinden. Ein Beweis ist wohl die jüdische Gesellschaft „Erholung." Dieser Verein bezweckt die Geselligkeit unter den Juden Trier's und gehören zu demselben fast sämmtliche Familien der beiden Gemeinden. Der Präsident dieses Vereins ist auch Vorsitzender des Repräsentanten - Collegiums der Synagogen - Gemeinde und der Vicepräsident ist erster Vorsitzender der isr. Religions-Gesellschaft. Eine persönliche Feindschaft besteht also nicht. Zum Schluffe wollen wir noch einer finanziellen Angelegenheit gedenken, welche ebenfalls für eine Wiedervereinigung spricht. Die Trierer Gemeinde hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten durch Zuzug vom Lande derart vergrößert, so daß in der alten Synagoge entschieden zu wenig Platz vorhanden ist. Es muß also entweder eine neue Synagoge gebaut oder die alte muß bedeutend vergrößert werden. Beides ist mit großen Kosten verbunden. In der Synagoge der Jsr. Religions-Gesellschaft ist dagegen noch viel Raum vorhanden, da diese Synagoge sehr geräumig ist. Beide Synagogen könnten also unter einem Rabbiner beibehalten werden und wären damit große Kosten erspart. L. Hamburg, 16. Juni. John Warburg, der Seniorches der bekannten hiesigen Weltfirma R. D. Marburg u. Co., der durch seine immense Wohlthätigkeit besonders angesehen war, ist im Alter von 82 Jahren in Zürich plötzlich verstorben.