Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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860 Im Namen der Verwaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft und des Schulraths ergriff sodann deren Präses, Herr Emanuel Schwarzschild, das Wort, um in tief empfundener Weise dem scheidenden Collegen den Dank der Gemeinde auszusprechen. Wenige sind in der Lage, die Wirksamkeit und Arbeitskraft des Verblichenen so voll und ganz zu würdigen, wie der Redner, der 32 Jahre lang gemeinsam mit ihm derselben Sache seine hingebende Thätigkeit widmete. Derselbe schilderte denn auch in ergreifender Weise die Größe des bescheidenen Mannes, wie man seinen Einfluß vermissen werde und wie unsäglich schwer für diesen Arbeiter ein Ersatz zu finden sei. Die Bescheidenheit des Heimgegangenen sei der Grundzug seines Characters gewesen, was er gethan und was er unterlassen, habe der Sache in ihrer heiligen Bedeutsamkeit, niemals aber irgend einer Nebenabsicht gegolten, am wenigsten aber seiner eigenen Persönlichkeit. Alle nur möglichen Aemter innerhalb der Gemeindeverwaltung habe der Verblichene bekleidet mit Ausnahme eines einzigen, das er wiederholt abgelehnt habe, das eines Synagogenvorstehers. Obwohl er von allen Mitgliedern der Verwaltung am regelmäßigsten früh und spät die Synagoge besuchte und deshalb gerade der Geeignetste für diese Würde gewesen wäre, hat er sie doch stets beharrlich ausgeschlagen, weil sie die einzige ist, die mit einigen Auszeichnungen und Ehrenbezeugung verbunden ist. Nach dieser Rede rief der Schwiegersohn des Verblichenen, Herr Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz), Namens der Familie dem scheidenden Haupte derselben einen letzten Gruß nach und sprach der zahlreichen Trauerversammlung den Dank für die erwiesene Theilnahme aus. Redner könne durch keine Worte den Gesinnungsadel des entrissenen Vaters mehr veranschaulichen, als es durch die bloße Thatsache geschieht, daß er unter den Kindern des Verblichenen an dessen Bahre stehe. Sein theuerstes Kleinod habe er ihm übergeben und ihn damit zu seinem Sohne erhoben, mit dieser Thatsache hat er seiner Liebe zur Thora in einer Weise bekundet, die kein Wort beredter feiern könnte. So herrlich auch Herr Dr. Breuer den Verklärten geschildert habe, herrlicher als seine Reden sei der Redner selber. Herr R e ch t s a n w a l t D r. H i r s ch, ebenfalls ein Schwager des Verblichenen, zeichnete dann in formvollendeter Darstellung die edlen Eigenschaften des entschlafenen Bruders, wie sich aus den Principien der rmüKi hnt .“PHn ergaben, welche dem Verklärten die Leitsterne seines reichen, gottgesegneten Lebens waren. Sodann wurde die irdische Hülle ins Grab auf dem Friedhof der Israel. Religionsgesellschaft gesenkt, der s. Z. ebenfalls auf den Namen des Verblichenen gekauft wurde. Im Trauerhause sprach während der Trauerwoche zunächst Herr Julius Hirsch, ebenfalls ein Schwager des Verblichenen. Derselbe schilderte in eigenartig geistvoller Weise das Ideal eines jüdischen Parneß, und wie dasselbe in dem verblichenen Bruder seine Verkörperung gefunden habe. Der Verstorbene hatte den Boden bearbeitet, ihn wie ein Ackerstter durchpflügt, und so für die Geistessaat empfänglich gemacht, welche Rabbiner Hirsch ausgestreuet hatte. Er war ein ns im Dienste Gottes und stand dadurch als hochachtendes Panier der ganzen Gemeinde, als ein dj da, um welche sich alle Gleichgesinnten schaarten, er war ein Dins in des Wortes vollster Bedeutung. Die vier Buchstaben dieses Wortes deuten auch die vier Hanptverdienste des Verklärten an. Er war der Wortführer der Gemeinde; die Wahrheit, die ihm tief im Herzen lebte, vertrat er auch durch das Wort, sein Mund — .ns — stand im Dienste der Gesammtheit, deren geistiges Haupt — an — er war, für die er mit Hintansetzung seiner eigenen Interessen dachte und sorgte. Aber den Fischen glich — pj — die in unergründlicher Wassertiefe ihr Leben leben, drängte auch er sich nicht an die Oberfläche, und in dieser selbstlosen Zurückgezogenheit war er der Helfer und die Stütze — ivv — für alles was der Hilfe und Stütze bedurfte. Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda knüpfte seine herrlichen Gedanken an die herrlichen 8 Verse des 119. Psalmes und zeigte in wie vielfacher Bedeutung das ganze Leben und Wirken des Heimgegangenen, die ihn unter den inn 'v'vn par excellence begreifen läßt. Der durch seine verschiedenen Schriften in weiteren Kreisen bekannte Gelehrte Herr Salomon Thein entwarf an der Hand zahlreicher Stellen unseres heiligen Schriftthums ein herrliches Lebensbild des Verstorbenen und gab der trostvollen Ueberzeugung Ausdruck, daß der Geist des Entschlafenen in seiner Familie weiter lebe. Den würdigen Schluß bildete der Vortrag des Herrn Dr. Sulzbach, der auf Grund langjährigen persönlichen Verkehrs an der Hand überaus sinnig erklärter agadischer Aussprüche das Bild des theuren Entschlafenen noch einmal in einer Treue und Frische allen Zuhörern vorführte, daß seine trefflichen Worte in der Thal tröstenden und lindernden Balsam in die verwundeten Herzen träufelten.