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Der Israelit · 1890-06-19 · Heft 48 (19.6.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 48 (19.6.1890)
Date
1890-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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859 Orach Chajim die folgende Bemerkung zu machen: „Sehet, welche unendliche Aufmerksamkeit schenken wir allen unseren Bewegungen, wie peinlich reguliren wir unsere Umgangsformen, wenn wir uns in Gesellschaft einer hochgestellten Person befinden, o möchten wir doch auch auf uns achten, wenn wir Gott gegenüber stehen! Jetzt wird uns der Zusatz, den Rabbi Jochanan ben Beroka zu seinem Spruche machte, verständlich: .DBM *?lVrU TTD3 inw JJJUBO Wie sehr sind wir empört, wenn auf unseren Namen irgend ein Makel fällt, ob mit, ob ohne unsere Schuld, und wir sollten uns einer Entweihung des göttlichen Namens schuldig machend (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 17. Juni. Gestern früh starb dahier Frau Li fette Oppenheimer, die Gattin des im Jahre 1870 in Würzburg verstorbenen Simon H. Oppenh eim er, nach mehrmonatlichem, schmerzlichen Krankenlager im Alter von 72 Jahren. Wenn irgend eine Frau es verdient, daß ihr im „Israelit" ein Nachruf gewidmet werde, so ist es bei der Dahingeschiedenen der Fall. Sie war der Besten und Edelsten eine, sie vereinigte in sich alle Tugenden einer jwn. Wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit gepaart mit innigem Gottvertrauen, das sie in allen Lagen des Lebens aufrecht erhielt, bildeten die Grundzüge ihres Charakters; sie verstand es, ihr Haus zu einem wahren Tempel ehelichen Glücks zu gestalten. Ihrem Gatten war sie in dem 34jährigen Zusammenleben eine treue und liebevolle Gefährtin, ihren Kindern eine zärtliche Mutter, deren Erziehung und Wohl die Ziele ihres unausgesetzten Denkens und Strebens waren. Dahier lebte sie seit 1884 und zählte zu den treuesten Anhängern der isr. Religionsgesellschaft. In ihrem, in an ihre Kinder gerichteten Briefen niedergelegten letzten Willen drückte sie die dringende Bitte aus, daß dieselben immer religiös leben und auch ihre Kinder in diesem Sinne zu treuen Anhängern der jüdischen Religion und zu guten, braven Menschen erziehen möchten. Die Krone ihrer Tugenden aber war ihr mitfühlendes Herz, ihr wohlthätiger, von wahrer Menschenliebe erfüllter Smn, der sich durch reichliche Unterstützung der Armen und Wohlthätigkeitsanstalten, namentlich auch der in der heiligen Stadt bethätigte. Was Wunder daher, daß sie sich bei Allen, die sie näher kannten, einer ungetheilten Liebe und voller Achtung erfreute. Ihrem Wunsche zufolge wurde sie auf dem mspn ri'2 zu Laudenbach bei Karlstadt a. M. begraben, wo auch ihr Gatte und ihre tut Tode ihr vorangegangenen Kinder ruhen. .ra"!un Im Trauerhause schilderte Herr Rabbiner Dr. B o n d i in beredten Worten die vielen guten Eigenschaften der Verstorbenen und gab dem großen Schmerz und der tiefen Trauer der Verwandten und Freunde um dieselbe gebührenden Ausdruck. Frankfurt a. M., 11. Juni. (Schluß aus vor. Donnst.-Nr.) Die Reden an der Bahre des Hrn. Benjamin Ro os^'m begannen mit derjenigen des Herrn Rabbiner D r. B r e n e r. Derselbe ist ein Schwager des Verstorbenen und entledigte sich seiner Aufgabe, den Heimgegangenen Bruder in seiner Vielseitigkeit zu schildern, mit einer Meisterschaft, die alle Zuhörer mächtig ergriff. Der Redner knüpfte seine Betrachtungen an die Worte des Moses-Segens an: '131 'n tv iox , welcher Benjamin als den Liebling Gottes feiert, bei dem alles Göttliche sicher geborgen war und das Heiligste selbst seine Stätte hatte. Daß das Tempelheiligthum gerade in dem Landesantheil Benjamins seine Stätte fand, leitet der Midrasch aus dem Umstand her, daß Benjamin, als der jüngste unter seinen Brüdern, dem greisen Vater am nächsten stand, am innigsten mit ihm verkehrte, dem Vater als Stütze diente und so am meisten Gelegenheit hatte, die hohen väterlichen Tugenden sich anzueignen. So sei auch der Verkehr zwischen dem Verblichenen und seinem unvergeßlichen Schwiegervater, dem verstorbenen Rabbiner, gewesen. Wie der Schwiegersohn den greisen Schwiegervater körperlich gehegt und gepflegt, geführt und gestützt habe, so sei er auch der wirkliche Stützpunkt, der Träger und Vollzieher dessen in der Familie und Gemeinde gewesen, was der große Führer gedacht und erstrebt habe. Er sei in seiner Frömmigkeit, Bescheidenheit, Liebenswürdigkeit und Mildthätigkeit, Benjamin, der Liebling Gottes gewesen, bei welchem alle göttlichen Anliegen ihren treuen Vertreter hatten und sicher geborgen waren. Der Redner ging nun auf die einzelnen Details aus dem reichen, so jäh abgeschlossenen Leben ein und klagte, wie er selber für seine eigene Wirksamkeit gehofft habe, daß der Verblichene ihm zur Seit? stehen, seine rechte Hand sein und ihm zum Ben-jamin werde, er, der nun sein Ben-oni, sein tiesster Schmerz geworden sei. Es sei bei einem so herben Verlust dringend gebotene Pflicht, daß Alle sich vereinigten, um die Lücke auszufüllen, die der Unersetzliche zurückgelaffen.

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