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Der Israelit · 1890-06-16 · Heft 47 (16.6.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 47 (16.6.1890)
Date
1890-06-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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851 Berlin, 6. Juni. Nach einer Meldung des „Verl. Tagbl." aus Halle ist die Wahl des Prof. Dr. Julius Bernstein zum Rektor der dortigen Universität nicht bestätigt worden. Herr Bernstein ist Jude. Die „Nat.-Ztg." erklärt die Nachricht von der Nichtbestätigung für unbegründet. 8. Frankfurt a. M., 9. Juni. Heute hielt die „Frere Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" hier unter dem Vorsitze des Herrn Emanuel Schwarzschild ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende ertheilte nach einigen einleitenden Worten, in denen der schmerzlichen Verluste, welche die „Vereinigung" durch den Hintritt der HerrenRabbiner Hirsch undvr. Lehmann und des Herrn B e n j a m i n R o o s erlitten, gedacht wurde, dem Schriftführer Herrn vr. jur. Napht. Hirsch das Wort zur Berichterstattung. Demselben ist zu entnehmen, daß die Vereinigung bis jetzt trotz der verhältnißmätzig noch geringen Mittel eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet hat. Sie konnte nicht nur im allgemeinen die Interessen des Judenthums wahren und für dieselben fördernd eintreten, als sie auch in Einzelfällen eine Reihe von Gesuchen befriedigen konnte, die allerdings in erster Linie einzelnen Kreisen oder Personen, in ihrer Wirkung jedoch der Gesammtheit zu gute kommen. Wir rechnen hierzu die Stipendien, die solchen, welche sich für den Lehrberuf vorbereiten, gegeben werden. An 104 Stipendiaten wurden bis jetzt M. 5375 als Stipendien vergeben und zwar an Hörer des Berliner Rabbinerseminars, der Seminare zu Köln, Würzburg, Hannover, der Präparandenschnlen zu Höchberg, Burgpreppach und Schwabach. Unterstützt wurden 43 Gemeinden, zur Herstellung von Gemeindeinstitutionen, Beihilfe von Schulen und Anstellung von Lehrern. Auch wurden einigen Gemeinden, in denen keine Vereine für koschere Beköstigung jüdischer Soldaten bestehen, Subventionen zusammen im Betrage von M. 980 bewilligt. Im Interesse des reisenden jüdischen Publikums ist gewiß die Mittheilung zu begrüßen, daß die „Vereinigung" sich mit der Restaurationsfrage schon praktisch dahin beschäftigt hat, daß einzelnen Restaurationen ein Zuschuß gewährt wurde. Die Stellenvermittlung konnte 65 Petenten befriedigen. Die Mitgliederzahl beträgt 1300. Einige an den Vorstand gelangte Anträge, die der Versammlung unterbreitet wurden, fanden theilweise nicht die genügende Unterstützung, theilweise wurde mit der Prüfung derselben der geschäftsführende Ausschuß und spezielle Comites beauftragt. Die statutengemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstands wurden wiedergewählt und an Stelle der oben erwähnten durch Tod abgegangenen Verwaltungsmitglieder wurden die Herren Rabb. Dr. Breuer (Frankfurt a. M.), Rabb. Dr. Bon di (Mainz), S. Mosbacher (Frankfurt a. M.) gewählt. In Anbetracht der großen Zwecke, welche die „Vereinigung" verfolgt, und die sie, wie aus dieser Mittheilung hervorgeht, nicht einseitig anstrebt, wäre es zu wünschen, daß alle, die sich zum orthodoxen Standpunkt bekennen, dieser Vereinigung als Förderer sich anschließen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth. In einem Strafprozesse wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, er habe ein Dokument, nämlich einen jüdisch-rituellen Scheidebrief, gefälscht. Die königliche Tafel hat jedoch ausgesprochen, daß ein Scheidebrief wohl rituell von Wichtigkeit sein könne, aber durchaus kein öffentliches Dokument sei, weßhalb der Verfälscher desselben nicht als Urkundenfälscher bestraft werden könne. Feuilleton. Eine bekannte IWclobie. Eine Erzählung von B. Haus e.*) I. Es war ein strenger, mißlauniger und schwer umgänglicher Mann, der Lederhändler Michel Kolischer in der süddeutschen Stadt W. Sein eigentlicher Lebenslaus war nicht immer der eines Lederhändlers gewesen; auch war er früher gar nicht so mißlauniger und unzugänglicher Natur. Getäuschte Erwartungen, aus maßloser Selbstüberschätzung hervorgegangene Mißerfolge und das beständige Gefühl der Unbehaglichkeit, das seine jetzige, zwar geschäftlich ziemlich lohnende, aber seinem Innern nicht zusagende Beschäftigung ihm einstößte, hatte seinem Wesen ein so strenges, finsteres Gepräge anfgedrückt. Seine Wiege hatte in einem Städtchen der Provinz Posen gestanden. Er war der einzige Sohn armer, braver Eltern, welche sich durch ein kleines Waarengeschäft spährlich nährten. Sie hatten außer diesem Sohne keine Kinder, was es ihnen um so mehr möglich machte, demselben eine, nach den damaligen, namentlich in der dortigen Gegend herrschenden Zeitbegriffen gute Erziehung zu geben. In dem Städtchen war, außer der gewöhnlichen jüdischen Schule, auch noch eine kleine *) Nachdruck nicht erlaubt.

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