Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1890)
- Date
- 1890-06-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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846 Seit einigen Wochen hält Herr Rabbiner Dr. Fcilchcnfeld allsabbatlich in der alten Betschule einen belehrenden Vortrag über den Inhalt des jedesmaligen Wochcnabschnitts. Das Publikum hat diese neue Einführung sympathisch ausgenommen, und ist es nur zu wünschen, daß dem Herrn Rabbiner der d'dip d«6 diese gewiß nicht geringe Anstrengung sich auferlegt hat, die Kraft zur Ausführung seiner guten Absicht durch göttliche Hilfe niemals fehlen möge. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. Man trägt sich im Unterrichtsministerium mit der Absicht, eine Enquete cinzuberufen, welche ein Gutachten bezüglich eines einheitlichen Lehrplanes für den israelitischen Neligionsunterricht an den Volks- und Mittelschulen der österreichischen Kronländer abgeben soll. Den Bestimmungen des Schulgesetzes gemäß wird der israelitische Religionsunterricht durch die Vorstände der israelitischen Cultusgemeinden besorgt und zunächst von ihnen überwacht, deßgleichen wird auch die Verkeilung des Lehrstoffes auf die einzelnen Jahrescurse von ihnen, beziehungsweise deren Functionären, d. i. den israelitischen Rcligionslehrern festgestellt. Selbstverständlich weichen nun die Lehrpläne für den Religionsunterricht in den von den verschiedenen Cultusgemeinden beaufsichtigten öffentlichen Schulen von einander ab, wodurch die Ausbildung der Schüler in diesem Lehrgegenstände nicht blos eine ungleichmäßige wird, sondern auch dem Fortgange der Schüler zuweilen erhebliche Hindernisse bereitet werden. Um nun einen einheitlichen Lehrplan für die israelitische Religionslehre an den Volks- und Mittelschulen zu erlangen, hat der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten einen diesbezüglichen Entwurf an den Unterrichtsminister eingeschickt, welcher vom Unterrichtsminister dem böhmischen Landesschulrathe und von diesem der Prager israelitischen Cultusgcmeinde- Repräsentanz zur Prüfung und Begutachtung zugemittelt wurde. Da nunmehr die betreffenden Gutachten an das Unterrichtsministerium erstattet worden sind und auch die israelitischen Cultusgemeinden Mährens in derselben Angelegenheit Eingaben an das Unterrichtsministerium gerichtet haben, so wird in nächster Zeit eine Enquete nach Wien einberufen werden, welche einen einheitlichen Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an sämmtlichen Volks- und Mittelschulen der österreichischen Monarchie der Unterichtsverwaltung vorlegen soll. Frankreich. Paris, 4. Juni. Das Zuchtpolizeigericht verurthcilte den Antisemit Marquis Mores wegen Aufreizung zu Ansammlungen anläßlich der Kundgebung am 1. Mai zu drei Monaten Gefängniß, den Mitangeklagten Arbeiter Ballen zu einem Monat. Rußland. Bobrnisk, 8. Juni. Am 24. Jjar fand hier im Hause des Herrn Ch. B. Rabinowitz die Gedächtnißfeier an Dr. Lehmann Inn statt. Zu diesem Zwecke hatte Herr R. den bekannten Stadtnraggid und aus Wilna 't, Sohn des berühmten Kowuo'er Rabbiners pr6« pna’ Spector hierher eingeladen, die nern-Rede zu halten. Die Feier war um die siebente Stunde des Abends anberaumt, doch schon um 4 Uhr Nachmittags mußten die Eingänge zu der Privatsynagoge des Herrn N. abgesperrt werden, da der Raum nicht genügte der unaufhörlich heranströmenden Menschenmenge den Zugang zu gewähren. Um sieben Uhr waren in dem Gebäude doch ca. 500 Personen, unter denen sich auch der Bobruisker Rabbiner b»sn 'n, der Rabbiner des Minsker-Bezirks und der n*nin rmo aus Wilna nD^tr 'n eingefunden hatten. In athemloser Spannung lauschten die Versammelten der Trauerrede, die ungefähr drei Stunden dauerte. Diese Rede auch nur annähernd in ihren verschiedenen Einzelheiten wicderzugeben, gestattet der Raum dieser Blätter nicht. Das Leben und Wirken des Verstorbenen wurde eingehend an der Hand sinnreicher Midraschim und Talmudstellen in einer geist- und gemüthvollen Weise dargestellt. Es wurde im ersten Theile Dr. Lehmann's Bedeutung als Mensch und Gelehrter, im letzten sein Werth als Rabbiner der Mainzer Gemeinde ausführlich gezeichnet, und auf den großen Verlust gewiesen, den das gesummte Judenthum, namentlich das deutsche gerade in der jetzigen Zeit durch seinen Tod erlitten. Einen merkbar mächtigen Eindruck hinterließ die vorzügliche Rede auf alle Anwesenden, die jetzt in stiller Andacht dem Gebete □'Dm abü bn folgten, das der Vorbeter auf würdige Weise vortrng. Noch spät versammelte sich eine sehr große Zahl Gäste im Hause des Herrn R., um theilzunehmen an der mars miyp der welche nach russisch-jüdischer Sitte bei derartigen Gelegenheiten immer stattfindet. Einen überaus feierlichen An-