Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1890)
- Date
- 1890-06-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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847 blick gewährten die langen Tische, deren Hauptfitze die verschiedenen Rabbinen einnahmen, die abwechselnd das belehrende Thora- und Talmud-Wort verkündeten. Um zwei Uhr Nachts war die Feier zu Ende, welche uns die Uebcrzeugung verschaffte, daß dem großen Verstorbenen auch bis weit über Deutschlands Grenzen eine ihm gebührende Verehrung zu Theil geworden. L. Asien. Tanger, 24. Mai. Infolge des Austritts des Flusses Sefrou ist die gleichnamige Stadt in der Nachbarschaft von Fez überschwemmt. Der größere Theil der Stadt liegt in Trümmern, und viele Mauren, sowie 53 Juden sind nmgekommen. In Fez herrscht große Bestürzung. Der Sultan und die angesehensten Juden in Fez sandten den durch die Katastrophe in Nothstand versetzten Familien Geld und Kleidungsstücke. Amerika. New-Uork, 5. Juni. 15 mittellosen mit einem Hamburger Dampfer in New-Iork angekommenen jüdischen Einwanderern wurde die Landung nicht gestattet, da sie aller Wahrscheinlichkeit nach der Gemeinde zur Last gefallen wären. Sie wurden deßhalb nach Deutschland zurückgeschickt. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Warum seid Ihr denn im Dunkeln?" fragte sie, während sie sich beeilte die Lampe anzuzünden, denn die Eltern hatten im Eifer ihres Gespräches vollständig übersehen, daß die Dämmerung längst hereingebrochen war. „Wir haben zu unserer Unterhaltung kein Licht gebraucht," entgegnete Frau Bärwald mit nervösem Lächeln. „Du hast vorhin doch recht gehabt, liebes Kind, als Du Herrn Löwi's Stimme zu hören glaubtest, er ist in Wirklichkeit wieder hier gewesen." „In Wirklichkeit wieder hier gewesen?" wiederholte Bella spöttisch staunend, „was hat er denn wollen? vielleicht den Meierhof zum drittenmal antragen?" „Du bist heute glücklich im Rathen", sagte ihr Vater lächelnd. Sie zuckte nachlässig die Achseln. „Mich wundert es nur, daß der Mann nicht mehr Rücksicht nimmt auf seine Schuhsohlen, zum drittenmal umsonst diese drei Stiegen." „Die Angelegenheit ist in ein anderes Stadium getreten, liebes Kind, die Mama war soeben im Begriffe, Dich zu rufen, um Dich davon in Kenntniß zu setzen." Und nun theilte er ihr eingehend mit, was 'er von Löwi vernommen, fügte nur den Zusatz bei, den er mit seiner Frau vereinbart hatte. Frau Bärwald sprach nichts, aber ihr Blick ruhte mit unaussprechlichem Mitleiden auf dem erblaßten Angesicht des lieblichen Mädchens. „Du brauchst Dich mit Deiner Entscheidung nicht zu übereilen," sagte ihr Vater, die bleichen Wangen ihr streichelnd, „überlege die Sache so lange Du willst." Bella neigte zustimmend das Haupt. „Gewiß", flüsterte sie, indem sie wie in verhaltenem Schmerz beide Hände gegen die Brust stemmte, „gewiß — ich werde die Sache überlegen — eine übereilte Entscheidung könnte nach mehr als einer Richtung hin Unheil stiften." „Mein weises Töchterchen", bemerkte Bärwald lächelnd. Die Mutter gewahrte jedoch in steigender Besorgniß den wiederholten jähen Farbenwechsel in dem Angesicht ihres Kindes. „Was ist Dir?" fragte sie ängstlich, „Du icheinft Dich nicht wohl zu fühlen." „O, nicht doch", flüsterte Bella, „nicht doch — ich fühle mich ganz wohl." „Unsere Mittheilung hat Dich aufgeregt", sagte Bärwald, indem er seiner Frau einen Blick zuwarf, „das ist nicht zu verwundern, denn wie Du Dich auch entscheiden wirst, in jedem Falle ist Deine Entscheidung eine folgenschwere." Bella athmete schwer auf und erhob sich nicht ohne Anstrengung, dann begab sie sich in die Küche, um Vorbereitungen zum Nachtessen zu treffen. Den ganzen Abend war sie überaus schweigsam, nur die Fragen der Eltern beantworteten sie in leisen, wenigen Worten, ohne sich an der Unterhaltung weiter zu betheiligen. Die Mutter sah, wie sehr sie litt und litt nur um so mehr, wiederholt sah sie auf den Gatten, als wolle sie ihn ersuchen, sein Wort zurückzunehmen, durch das er ihr verwehrt hatte, mit der Tochter über deren Nei-