Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1890)
- Date
- 1890-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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845 Gebote verdankt, eine Religion, rvelche zuerst die Pflicht der Nächstenliebe gegen Jedermann, der Barmherzigkeit, selbst gegen das unvernünftige Thier, gelehrt hat; eine Religion, deren Propheten in ihren hehren Idealen derGesittung d e r g e sa m mt e n MenschheitdieZiele vorgezeichnet haben, denen dieselbe noch heute ans dem Wege zu sittlicher Vervollkommnung nachstrcbt. Es ist daher Jrrthum oder Gehässigkeit, wenn nicht Undank gegen die Mutter der monotheistischen Religionen, wenn man in km Zusammenwirken mit den Bckennern unserer Religion, sei cs als Schülern, sei cs als Bürgern, eine sittliche Gefahr für andere befürchtet. 3. Mit Stolz blicken wir Israeliten als treue Söhne unseres DeutscheuVaterland es auf die Verdienste, welche deutsches Denken und deutsche Arbeit um die Förderung der Kultur der Menschheit sich erworben hat. Mit gleicher Hingebung und Opserfrcudigkeit wie die Angehörigen anderer Bekenntnisse bethätigen die Bekenner unserer Religion ihre Liebe zu Kaiser und Reich, sind eifrig bestrebt, das Wohl des Deutschen Vaterlandes zu fördern, und werden trotz aller ungerechtfertigten Angriffe, trotz aller Verkennung in unwandelbarer Treue an echt deutscher Gesinnung fesitz alten. Dr. 6 o h n-Kattowitz beantragt: In Anbetracht dessen, das: es wünschenswert!) ist, wenn die Resolution von möglich vielen Lehrern der jüd. Religion unterschrieben wird, ermächtigt die Generalversammlung den Vorstand, sich mit sännittlichen bestehenden Lehrervereinen nnd sonstigen ihm geeignet erscheinenden Vereinigungen nnd Behörden in Verbindung;n setzen und sie aufzufordern, ihre Zustimmung zu der Resolution össentlich zu erklären. Ka mera se-Strehlen beantragt, die Resolution in Gestalt von Flugblättern in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten. Beide Anträge werden a n g e n o m nt e u. Die Versammlung spricht auf den Antrag von B l n m e n f e l d -Schweidnitz Herrn Dr. Badt-Breslau den wärmsten Dank für seine Mühewaltung aus. Max F r e u d e n t h a l, Schriftführer. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 31. Mai. Der evangelische Congreß hat gestern hier eine Sitzung abgehalten, welcher auch die Minister v. Goßler und v. Berlepsch beiwohnten. Hofprediger Stöcker sprach sich in längerer Rede über die Stellung der Partei zur Sozial- Demokratic aus nnd stellte schließlich dreizehn Thesen auf, worunter eine sich mit dem verderblichen Einfluß des Judenthums als Ursache der sozial-demokratischen Bewegung beschäftigte. Professor der Theologie Hernak, Vertreter der liberalen Richtung, dessen Berufung nach Berlin seinerzeit großes Aussehen gemacht hat, erwiederte Herrn Stöcker in beifällig anfgenommcner Rede, er könne nicht billigen, daß man hier die Judenfrage hereinziehe, er sei nicht Antisemit, im Gcgcntheil bemühe er sich, Philosemit zu sein, das werde ihm allerdings schwer. (Heiterkeit.) Er wolle damit keinen Witz machen. Die Schuld der Christen gegen die Juden sei nicht geringer, als die der Juden gegen die Christen, und deßhalb haben wir sie zu gewinnen, nachdem wir sie so lange getreten haben. (Unruhe. Beifall.) Stöcker erwiederte, man könne nicht leugnen, daß der Kapitalismus und die Judenpresse an der atheistischdemokratischen Pest schuld seien. Ec habe nicht die geringste Antipathie gegen die Juden, aber gegen die Herrschaft des Jndcnthnms müsse er kämpfen. Zum Schluffe wurde auf Wunsch Stocker's von der Abstimmung über die eine der dreizehn Thesen abgesehen. Posen, im Juni. Zn den schmerzlichen Verlusten , welche die hiesige jüd. Gemeinde im Laufe des letzten Jahres erlitten hat, zählt auch das Hinscheiden der FrauJohannaLandSberg, Schwiegertochter des hochverehrten njnDU*6 nwo 'n. Diese edle Frau ist während des vergangenen Winters in Mcntone verstorben, wo sie gegen ein hartnäckiges Leiden Heilung suchte. Dieser Todesfall hatte s. Z. unsere gesammte Gemeinde in die schmerzlichste Trauer versetzt, da die Heimgegangene durch ihr stilles Wirken im Felde der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit und durch ihre Tugenden als israelitische Hausfrau nicht nur die Liebe ihres Gatten, sondern auch die Achtung und Verehrung aller Kreise erworben hatte. Da aber nach dem Worte unser Weisen nno , so ist ihr Gatte, Herr Banquier Landsberg, der die Leiche seiner treuen Gefährtin mit großen Kosten von Mentone hierher überführen ließ, fluch fortwährend bemüht, das Andenken der Entschlafenen zu ehren. Zn diesem Zwecke hat derselbe für die alte Betschule ein kostbares n:ns ans dunkelrothem Sammt mit reicher Goldstickerei gewidmet, das den Namen der Verstorbenen trägt. Sowohl der kostbare Stoff, als auch die kunst- und geschmackvolle Arbeit, die den Geschwistern Cohn übertragen und von denselben zu allseitiger Befriedigung ausgeführt worden, machen dieses rons zu einem der werthvollsten Utensilien der alten Betschule.