Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 46 (12.6.1890)
- Date
- 1890-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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822 so würde das Christenthum, deß sind wir überzeugt, seinen Ruhetag gar bald am Montag oder etwa wie der Islam am Freitag feiern. Nicht ebenso plötzlich, nein schüchtern würden sich zuerst kleine Vereine bilden, die vielleicht im Anfang verspottet und verlachtet würden. Doch gar bald würde man auf das Wohlbehagen Hinweisen, einen Feiertag zu besitzen, an dem man nicht mit den verhaßten Juden zusammen zu sein braucht, und die Bewegung würde große Dimensionen annehmen. Dem Leiter dieser Zeitschrift gegenüber äußerte einmal ein nichtjüdischer höherer Beamter, cs sei doch für die Christen ein niederdrückendes Gefühl, die Beobachtung machen zu müssen, wie die schönsten und herrlichsten Weihnachtsbäume der Stadt gerade in jüdischen Häusern ausgestellt seien, wie man an christlichen Feiertagen auf Promenaden und in Vergnügungslocalen fast nur Juden sehe, während so mancher Nichtjude zu Hause sitze und heimlich arbeite. In seiner Jugend sei das anders gewesen, da hätten die Juden sich an christlichen Feiertagen zu Hause zu beschäftigen gesucht, während die Christen ihre Feiertage gebührend gehalten hätten, und er sei überzeugt, daß der Mehrheit der christlichen Bevölkerung der Jude, der hübsch bescheiden seine Religion halte, weit sympathischer sei, wie derjenige, der in blindem Nachahmungstrieb alle nichtjüdische Gebräuche mitmache, einzig aus dem Grunde, um sich in die christliche Gesellschaft einzuschmuggeln. Herr Leon mag aus dieser Aeußerung folgern, wohin seine Verschmelzungsversuche führen würden. Rabbi Naphtali Zwi Berlin erklärt in seinem inhaltreichen Werke nun poyn den Segensspruch, den Bileam wider eigenen Trieb an Israel gegeben, den Spruch nann* nb O'nai \dvp oy p in treffender Weise wie folgt: ny in Siehe, das Volk, td*? wenn es sich absondert, pw', dann wird es in Ruhe leben können, dtpi, wenn es sich dagegen unter die Völker mischt, at^nn' n^>, so wird man es nicht achten. Einen ähnlichen Gedanken finden wir auch im Talmud (Sanhedrtn 104: Moscheh segnet das Volk vor seinem Scheiden mit den Worten: td pan „Israel wohnt sicher, abgesondert" , aber weil es sich gemischt hat unter die Völker, so mußte es verlassen seine heilige Stadt und ^der Klageruf des Propheten erschallte: vy Tun n’yn nnn man na'N. Ach, wie ist sie so einsam die Stadt, ehemals reich an Volke! Der allweise Vater der Menschheit hat uns nun einmal auf einen erhabenen und darum auch isolirten Standpunkt gestellt, von dem uns weder unsere Feinde, noch unsere angeblichen Freunde verdrängen können. Wir müssen auf demselben stehen bleiben und mit Heldenmuts) ausharren, bis die Verheißung sich erfüllen wird Va by i?üb 'n rmi tin ioan tin 'n n\T Ninr, dvq psn, „daß Gott anerkannt sein wird als König von der ganzen Erde; an jenem Tage wird man in Ihm allein den Einzig Einzigen erkennen und Sein Name wird einzig sein." Eine Besprechung des zweiten Vorschlags des Herrn Leon, „Gründung eines Vereins zum Zwecke der Annäherung der Juden an Andersgläubige" halten wir nach dem Obengesagten nicht mehr für erforderlich. Verleumdung von Rabbiner Dr. Mannheimer, Lauenburg i. P. Es ist ein denkwürdiges Ereigniß, das in unserem diesmaligen Wochenabschnitt unseren Blick von Neuem hinauf richtet auf das wandernde Volk Israel in der Wüste, ein Ereigniß, das jedes für seine Ahnen warm schlagende jüdische Herz tief verwunden, jedes Auge, das mit Stolz auf seine Väter stets geblickt, noch heute mit Thränen der bitteren Wehmuth erfüllen muß. Und doch ist die Geschichte der Kundschafter ein Bild, das wir tagtäglich schauen, ein Gemälde, alt und ewig neu, das nur hie und da in anderem Rahmen auf dem Schauplatze der Geschichte selbst im Innern des jüdischen Volkes immer und immer wieder unseren Blicken sich bietet. Die Bosheit und die Verleumdungssucht ist alt wie die Menschheit, sie sind die Wurzeln jener verderblichen Giftbäume, deren Früchte so süß zuerst, dann so bittere Schmerzen dem Menschen bringen, bis er den Qualen erlegen. Alles Unheil auf Erden kommt von den bösen Zungen: ynn yvb by n^n d'nd cryjj ps, denn sie sind Waffen, gegen die selbst der stärkste Gegner sich nicht zu schützen vermag, für sie gibt es nicht Schild, nicht Panzer, nicht Speer und Lanze, für sie gibt es nur eine Gerechtigkeit Gottes. Moses schickte Kundschafter in das heilige Laud, und nicht etwa pnh nN bub, die Blößen des Landes heimlich zu untersuchen, denn in diesem Falle hätte er nicht eine so große Anzahl, hätte er auch nicht baiitr 'ja wi d*wk hervorragende, angesehene Männer senden können, sondern pNn nN ninS die Beschaffenheit des Landes zu erforschen, die üppige von Gott verheißene Fruchtbarkeit mit Augen zu schauen, sich zu überzeugen von der Wahrheit der göttlichen Verheißung, dem Volke Bericht zu erstatten, auf daß es dann mit frohem Herzen, mit neuem Muthe hinaufziehen möchte. Denn wenn