Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 45 (9.6.1890)
- Date
- 1890-06-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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812 der Doctor hat es zunähen müssen. — Er hat geschaudert, wie er davon gesprochen hat, und mir ist auch nicht gut dabei gewesen -— so ein herziges, kleines Mäderl. — Und, hat er gesagt, heute will sie nicht bei der Bonne bleiben, beständig will sie bei mir sein, und da ist sie mir da eingeschlafen. — Und in der verwichenen Nacht — hat er gesagt, und dabei ist seine Stimme mit einemmal ganz heiser geworden, und er hat sich so gesetzt, daß ich sein Gesicht nicht habe sehen können — in der verwichenen Nacht, da ist es mir so schwer auf's Herz gefallen, was aus meinen Kindern werden wird, wenn sie so mutterlos heranwachsen — und daß das einzige Mädchen, von dem ich überzeugt wäre, daß sie ihnen eine treue und liebevolle Mntter sein würde, nichts von mir wissen will. — Mit diesem Gedanken bin ich eingeschlafen, und auf einmal ist es mir, als ob die Thür aufgeht und ineine selige Frau yereinkommt. Sie hat so traurig ausgesehen, so sehr, sehr traurig. Leopold, hat sie gesagt, was wird aus meinen Kindern? warum kästest Du sie so aufwachsen? warum gibst Du ihnen nicht eine Mutter, die für sie sorgt und über sie wacht? — Ich habe antworten wollen, aber ich habe keinen Laut hervorgebracht. Aber meine selige Frau hat mich noch trauriger angesehen und hat den Kopf geschüttelt. Du kannst Dich nicht entschuldigen, hat sie gesagt, nein, Du kannst es nicht — Du weißt, was es mir im Leben für Herzleid verursacht hat, daß Du am Sabbat das Geschäft offen hast — und nun weißt Du ein braves, liebes, freundliches Mädchen, das unfern Kindern die treueste Mutter sein würde, und sie weigert sich nur deßhalb es zu werden, weil Du am Sabbat das Geschäft offen hast — und hat gerade dadurch gezeigt, welch' fromme Mntter sie ihnen sein würde — und da kannst Du zögern, das einzige zu thun, was Du thun solltest, was Du thun mußt — daß Du nämlich dem braven, frommen Mädchen das heilige Versprechen gibst, Dein Geschäft nimmer wieder an Sabbat aufzumachen — und da — da — seine Stimme war ganz leise geworden, so daß ich Mühe hatte, ihn zu verstehen — da habe ich's meiner seligen Frau zugeschworen, daß ich noch heute jenem lieben, herrlichen Mädchen das heilige Versprechen geben werde, fortan sowohl an Sabbat als an Feiertagen das Geschäft strengstens geschlossen zu halten. — Wie mir gewesen ist, als ich den Herrn Meierhof so habe reden gehört — mein lieber Herr Bärwald, Sie können mir's glauben, mir ist bald kalt und bald warm geworden. — Und auf einmal dreht er sich um zu mir und sieht mir fest in's Gesicht und sagt: So, Herr Löwi, jetzt sind Sie so gut und gehen direct von hier zu Herrn Bärwald und theilen ihm mit, was ich Ihnen gesagt habe, und fügen Sie nur noch hinzu, daß Sie mich als Manu von Wort kennen, und daß Sie überzeugt sind, daß ich mit größter Gewissenhaftigkeit halten werde, was ich versprochen habe. — Und nun, mein lieber Herr Bärwald —" Er nahm beide Hände des ihm Gegenübersitzenden und drückte sie herzlich, „sage Ihnen masseltow! und nochmals masseltow! — Wird das ein Kiddusch haschem^sein,"wenn da am nächsten Sabbat w. G., das großartige Geschäft von dem Herrn Meierhof geschlossen bleiben wird. Und das wird Ihr Verdienst sein, Herr Bärwald, oder vielmehr das von Jhrem^Fräulein Tochter. — Aber wollen Sie nicht Ihre Frau Gemahlin Hereinrufen und das Fräulein? — Sie können sich doch denken, in welcher Ungeduld Herr Meierhof auf Antwort wartet." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich z w c i ur <i (, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis de8 Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ja b^is^cn bei G. F. Steiuarkrr, Leipzig, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifbarrd pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Auf, Israel zum Streite. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: 2mal Mainz. Karlsruhe. Laupheim. Adelsheim. Berlin. Köln. Bielefeld. — Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Waltungen. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Entstehung und Bedeutung des Antisemitismus in Hessen. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Frankfurt. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Szilgy-Somälpo. Zabrze. Banastor. — Türkei: Konstantinopel. — Amerika: San-Frauzisco. — Berichtigungen jc. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschuruu" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.