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Der Israelit · 1890-06-09 · Heft 45 (9.6.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 45 (9.6.1890)
Date
1890-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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811 nicht gewußt, daß man auch vor Freude außer sich gerathen kann. Aber, mein lieber Herr Bärwald!" — er war aufgesprungen und preßte abermals Bärwald's Hände, „mein lieber Herr Bärwald! — wer das gedacht hätte! — das ist ein Wunder! — ein reines Wunder Gottes! — Da müßte man wirklich al Hanissim benschen." „Es scheint Ihnen in der That eine große, unerwartete Freude geworden zu sein, seien Sic meiner herzlichsten Theilnahme versichert." „Wie heißt Theilnahme? — redet der von Theilnahme! — Von was sollte ich denn reden?" Bärwald konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Lachen Sie nur, lachen Sie nur, mein lieber Herr Bärwald! weiß Gott, Sie haben Grund zum lacken. Ein solches Massel! — Aber mir scheint, Sie wissen noch gar nicht, was sich thnt." „Was Sie in diese freudige Aufregung versetzt, das weiß ich in der That nicht, Sie haben es mir doch nicht mitgetheilt." Herr Löwi schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „Schau' da Einer an, was ich für ein alter Esel bin! — In einem Galopp lauf' ich da her zu Ihnen, nnr um es Ihnen mitzuthcilcn, und bin so außer mir vor Freude, daß ich's Ihnen nicht einmal sage. — Aber vor allem, noch einmal masscltow!" Bärwald begann sich zu amüsircu über den allem Anscheine nach närrischen Kauz. „Wünsche Ihnen gleichfalls masseltow", sagte er, den Händedruck des andern erwidernd. „Sie wünschen mir masseltow — he, he, he, he! — nicht übel, gar nicht übel! — Aber nun bitte ich Sie, mein lieber Herr Bärwald, setzen Sie sich daher zu mir, und hören Sie zu, was ich Ihnen zu sagen habe. — So, so ist's recht, denn warum? — Sie sind doch kein junger Mann niehr, und da ist's jedenfalls besser, Sie sitzen, während ich rede, als daß Sie dabei stehen. — Alsdann", er räusperte sich wiederholt, „alsdann, mein lieber Herr Bärwald, mir scheint, es wird am gescheidesten sein, ich erzähle es Ihnen genau so, wie es sich zugetragen hat. — Alsdann — Sie werden sich erinnern, vorgestern Abend bin ich hier bei Ihnen gewesen, jetzt kann ich es Ihnen ja sagen, extra bin ich am Abend gekommen, weil ich mir gedacht habe, da ist das Fräulein auch zu Hause, und ich habe mir gedacht, es könnte gut sein, daß das Fräulein weiß, was ich Ihnen angetragen habe. — Nun, ich muß sagen, ich hatte mich arg verrechnet, denn wie das Fräulein mich abgefertigt hat — so was ist mir noch nicht zugekommen. — Na, ich habe mich gerade nicht beeilt, dem Herrn Meierhof mitzutheilen, weil ich gewußt habe, daß es ihn ganz und gar nicht wird freuen — aber länger als bis gestern Nachmittag habe ich ja doch nicht warten können. Ein Gesicht bat er gemacht — ich sage Ihnen, ein Gesicht. — Geredet hat er nichts, und ich auch nicht, außer, daß ich ihm gesagt habe, und zwar ganz genau gesagt, was Ihr Fräulein Tochter zu mir gesagt hat. — Na, ich habe mich empfohlen und bin weggegangen und habe bei mir gedacht, die Geschichte ist aus. — Aber heute Mittag, als ich nach Hause komme, sagt meine Frau zu mir — Du, sagt sie, von dem Herrn Meierhof ist Einer da gewesen, der Herr läßt bitten, Du möchtest Nachmittags zu ihm hinaufkommen. — Ich sage Ihnen, das ist mir nicht recht gewesen, weiß Gott, ganz und gar nicht recht ist mir das gewesen. — Denn warum? — ich habe bei mir gedacht, der will, Du sollst noch einmal zu dem Herrn Bärwald gehen und in den hineinreden — aber ich habe ja gewußt, das hätte nichts genützt — aber meine Frau hat gesagt, hingehen mußt Du doch zu dem Herrn Meierhof, Du bist doch mit ihm zusammen in Preßburg gewesen. — Na, ich habe eingesehen, meine Frau hat Recht, darum bin ich zu ihm gegangen. — Wie ich aber an die Thür von seinem Zimmer gekommen bin und angeklopft habe, da hat kein Mensch herein gesagt, aber die Thür ist aufgcgangcn und Herr Meicrhof ist vor mir gestanden. St! sagte er ganz leise, st! seien Sie willkommen, Herr Löwi, sagte er und reicht mir einen Sessel, aber ich bitte Sie, reden Sie sehr leise, das Kind ist eben eingeschlafen. — Ich schaue mich um, von wem er redet, und sehe da aus dem Kanapee sein jüngstes Kind, ein herziges Mäderl von vier Jahren, es hat ganz gut geschlafen, aber ein großmächtigcs Pflaster hat cs ans der Stirn gehabt. Um Gott, Herr Meierhof, ha'e ich gesagt, was ist dem Kinde geschehen? — Da hat er geseufzt, so schwer, so tief — ein Stein hätte 's erbarmen können. — So geht es den Kindern, hat er dann gesagt, wenn keine Mutter aus sie sieht. Die fremden Leute kann man mit Gold stopfen, und sie achten doch nicht ordentlich auf die Kinder. Die Bonne hat doch in der Welt nichts weiter zu thun, als auf die Kinder zu sehen, ich mache ihr Geschenke und verspreche ihr alles Mögliche, denn die jetzige ist doch noch besser als die vorige — aber da geht sie hinaus gestern gegen Abend und läßt die Thür vom Kinderzimmer offen und das Kind läuft ihr nach nno fällt die Stiege hinunter — ich kann von Glück sagen, daß es so gegangen ist, aber ein Loch hat das arme Kind an der Stirne,

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