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Der Israelit · 1890-06-09 · Heft 45 (9.6.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 45 (9.6.1890)
Date
1890-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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810 Von den eigentlichen Feierlichkeiten, bezw. den dabei eingehaltenen äußeren Formen, können wir absehen, da diese nicht von Belang sein sollen und uns nur der innere Mensch interessiren kann, der sich bei dieser Gelegenheit noch glänzender bcthätigte, als es schon so oft der Fall war. Die Feier begann mit einer großen Tafel, welche Herr und Frau Breyer nicht etwa für ihre hochstehenden Freundschaften, sondern für die Armen des israelitischen Altcrsversorgungshauses „Elisabetheum" hatten Herrichten lassen, für welche sie bisher schon sehr viel gethan haben. Am Sabbat darauf, als Herr Breyer zur Thora aufgerufen wurde, erklärte er in Gegenwart seiner ganzen Familie und eines zahlreichen Publikums, daß er fest beschlossen habe in Bukarest eine israelitische Volksküche zu errichten für die leider in Folge der Gesetzgebung riesengroß augewachseue Armuth. Zu diesem Zweck habe er 12000 Lei (Francs) bestimmt und von seiner Familie das Versprechen erwirkt, daß auch sie sich für diese Institution derart interessiren, damit sie recht bald ins Leben gerufen werde und deren Bestand gesichert sei. Welchen Eindruck dieses großartige Neder auf die Anwesenden machte, brauche ich wohl nicht besonders hervorzuheben; bemerken aber will ich, daß der Bürgermeister von Bukarest eine, natürlich christliche Volksküche plant, was jedoch erst nach der Mittheilung des Herrn Breyer bekannt wurde. Im Konnex zeigt dies wieder einmal, was ich schon bei anderer Gelegenheit gesagt habe, daß nämlich unsere Israeliten stets und in allen Bestrebungen des Vereins- und Wohlthätigkeitswesens den christlichen Bewohnern Rumäniens als Beispiel voranftehen. Herr Breyer empfing darauf in .seiner Wohnung Deputationen des Ordens „Bnei B'rith", des Alterversorgungsvereines, der ihn — er ist langjähriger Kassier desselben — zum Ehrenmitglied ernannte, des Vereins „Gemiluth.Chassodim", dessen Begründer er ist und der ihn zum lebenslänglichen E hr en-Präsidenten ernannte u. s. w., wie überhaupt ganz Bukarest sich bei ihm mit Glückwünschen R6vä62vou8 gab. Die Deputationen überreichten ihm kostbare Diplome und Adressen. Die Feier ist umso mehr der Erwähnung Werth als durch sie in den Kranz der bukarester israelitischen Wohlthätigkeitseinrtchtung damit ein neues rühmliches Blatt eingeflochten wird. Möge das Ehepaar noch lange leben, um noch viel Gutes zu thun und durch ihre Thaten den Ansporn zu geben zur Abhilfe eines anderen Bedürfnisses, nämlich zur Errichtung eines noch fehlenden — Waisenhauses für israelitische Kinder beider Geschlechter. — Kürzlich ist hierher eine Anzahl eigenartiger Münzen aus dem südlichsten Amerika eingelangt. Dieselben tragen die Inschrift „Feuerland" dann die Angabe des Werthcs und den Namen „Popper." Damit hat es folgende Bewandtniß: ein hiesiger israelitischer junger Mann, Sohn des Privatschulinhabers, jetzigen Buchhändlers Nathan C. Popper war vor Jahren Studien halber in's Ausland gegangen, kam als Ingenieur nach Argentinien und wurde von dessen Regierung zur Erforschung des Feuerlandes mit einer Expedition ausgeschickt. Seine Mission ist ihm gelungen und er wurde zum Gouverneur dieses Territoriums ernannt, worauf er nach amerikanischem Brauch Geld mit seinem Namen schlagen ließ. Wie weit aber trotz der heimathlich rumänischen Verfolgungswuth sein Patriotismus für sein Geburtsland geht, erhellt daraus, daß er den von ihm entdeckten Flüssen, Bergen u. s. w. des vollständig wüsten Landes rumänische in seinem Heimathlande vorhandene Bezeichnungen gab, und daß er die ersten zehn Münzen im Werthe von 1 bis 50 Francs dem König von Rumänien, dem er als Leiter eines Landes nun gewissermaßen gleichsteht, sandte. Man sage noch, der Israelit habe keine Vaterlandsliebe. Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Es war am darauffolgenden Sonntag, Dämmerung nahte. Herr Bärwald ging in seinem Zimmer auf und nieder, die Hände auf dem Rücken übereinandergekreuzt, die Stirn in tiefe Falten gezogen. Er sann und sann einen Erwerdszwcig ausfindig zu machen, durch den er fortan seine Familie werde ernähren können. Da ward ungewöhnlich laut an die Thür geklopft und gleichzeitig ging sie auf und mit einem geradezu strahlenden Gesicht trat Herr Löwi in das Zimmer und eilte auf den Hausherrn zu, dessen ihm entgegengestreckte Hand er mit seinen beiden Händen kräftig schüttelte. „Masseltow! masseltow! mein lieber, theurer Herr Bärwald, masseltow! und nochmals maffeltow! — Ich bin, weiß Gott, rein außer mir." „Das sehe ich," entgegnete Bärwald lächelnd, indem er ihm einen Sessel reichte, „setzen Sie sich und kommen Sie zu sich." Löwi sank in den Sessel und fuhr sich mit dem Tuche über die Stirn. „Wahrhaftig, das habe ich

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