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Der Israelit · 1890-06-09 · Heft 45 (9.6.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 45 (9.6.1890)
Date
1890-06-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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f* J'J IJU)4-.^Ua.) ..... WWjW,«* >-j >•'..■»" 809 Das war Balsam für das wunde Herz, das leuchtete wie freundlicher Sonnenschein nach dem kalten Schauerregen der haßschnaubenden Herrenhäusler. — Nach einer „Stä t te des Friedens" lugen auch wir aus, nach einer Stätte, wo Eintracht und Einmüthigkeit aller Gottessöhne verkündigt wird. — So hoffen wir, daß der fortschreitende Weltengeist unsere Kinder an den Quell des stillen Friedens geleiten werde, daß sie von einertrauten fröhlichen Kindheit, von einem ungetrübt glücklichen Schulleben erzählen können. Bleibt nur die Schule, dieser heilige Jngendtempel, für alle Bekenntnisse, frei von Klassenhaß, so ist auch die Kraft für die Trübungen dcs Lebens gewonnen. Erblicken die wackern Jngendbilduer ihre Lebensaufgabe in der Erziehung ihrer Schutzbefohlenen zu „u r t h e i l s f ä h i g e n und t hatkräftigen G l ie d er n der N atio n", so blicken wir'mit höherer Zuversicht in die kommenden Zeiten. — Wenn die Meister der Schule eine „ch a r a k e r v o l l e In gend" heranbilden, so entsteht eine charakterstarke Gesellschaft, mit der wir gemeinsam denken und handeln, streben und schaffen. Köln. Ein in seiner Art einziges Privilegium aus dem Mittelalter ist im Kölner Dom zu sehen: es ist der sogenannte Jndenstein, welcher bisher im Chorumgang in der Wand eingemanert war und jetzt außerhalb desselben ausgestellt werden soll. Derselbe ist 2 Meter hoch und 1 Nieter breit und enthält den, von einem mit Blattwerk verzierten Profilleisten umrahmten Wortlaut des vom Kurfürsten und Erzbischof Engelbert II. den in der Kölner Erzdiözese wohnenden Juden verliehenen Privilegiums. Die in lateinischer lLprache abgefaßte Urkunde ist in deutscher Sprache verbreitet und auch in Brisch's Geschichte der Juden in Köln enthalten. Wie die Memorbücher erzählen, haben am Rhein um jene Zeit größere Verfolgungen ftattgefunden. In Sinzig wurde am Sabbat den 15. Jjar (Mai) 1266 die ganze jüdische Gemeinde vernichtet. Außerdem Rabbiner und Vorbeter Isaak bcn Abraham aus Köln und seiner Frau Rosa werden noch 72 Opfer namhaft gemacht; unter diesen Abraham der Spanier, Vorsteher, und andere spanische Inden; ferner Isaak der Lehrer und drei Amtsgenoffen. Am 15. und 21. Tammus desselben Jahres hatten die Gemeinden in Köln und Neuß den Leidenskelch zu leeren. Aus ersterer Gemeinde werden der Rabbiner Isaak ben Simson nebst 12 andern Personen als Märtyrer genannt. Weitere Verfolgungen scheinen durch das Einschreiten des Erzbischofs ver- | hütet worden zu sein, obschon die Unduldsamkeit j nicht zu beseitigen war. Insbesondere suchte mau * ihnen auf Schritt und Tritt Gelder zu erpressen. Da damals nur in Köln vor dem Severinsthor ein Friedhof bestand, so mußten alle kleineren jüd. Gemeinden die Leichen ihrer Verstorbenen hicrherbringen. Diese Gelegenheit wurde benutzt, um ihnen schwere Geldsummen (Leichenzölle) zu erpressen. Selbst die Ruhe des Friedhofes wurde dadurch gestört, daß man in deren Nähe einen Galgen errichtete, der mit einigen Unterbrechungen noch bis zum Jahre 1795 bestand. Erzbischof Engelbert, der seinen Juden wegen vieler Anleihen verpflichtet war und darauf bedacht sein mußte, diese Geldquelle für seine Kriege zu erhalten, ertheilte ihnen das obenerwähnte Privilegium, welches gewiß theuer genug zu stehen kam. Da Zeitungen und andere Gelegenheiten zur Veröffentlichung von Bekanntmachungen noch nicht bestanden, so hat der Erzbischof befohlen, „daß diese Freiheiten in den gegenwärtigen Stein eingegraben und zu ewigem Gedächtniß (im Dom, dem verkehrsreichsten Platze) öffentlich und Jedem zur Schau eingemauert werden sollen. Bielefeld, 31. März. Bei der diesjährigen Conferenz der isr. Lehrer von Rheinland und Westfalen waren an 70 Theilnchmer erschienen. Von der Synagogen-Gcmeinde Bielefeld wurden M. 150 zur Unterstntzungskasse des Vereins gespendet. Diese verfügt, nach dem erstatteten Bericht über ein Vermögen von 65,125 Ri. Rach der beantragten Acnderung der Satzungen, die angenommen wurde, beginnt die Unterstützung nach vollendetem 63. Jahre, bei Niederlegung des Amtes mit Auszahlung von 2/3 der Jahreseinnahmc. Spier-Bocholt hielt einen Vortrag über das jüd. Schulwesen in Preußen unter besonderer Berücksichtigung der Provinz Rheinland und Westfalen. Folgende Leitsätze wurden angenommen: Jüdische öffentl. Schulen sind zu erhalten; öffentliche jüdische Schulen sind womöglich neu zu errichten, jüdische Privatschulcn sollen möglichst den Charakter der öffentlichen Schulen erhalten, der Besuch der Religionsschulen soll obligatorisch sein, es ist eine Eentralstelle für Rheinland und Westfalen zu errichten, welche sich die Aufgabe stellt, die Qeffeutlichkeitserklärung der jüdischen Schulen zu bewirken. Die nächste Conferenz findet in Münster statt. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 30. Mai. Ein durch seine Wohlthätigkcit hervorragender Glaubensgenosse, Herr G. M. Br eher Hierselbst feierte kürzlich seine goldene Hochzeit in einer Weise, wie sie unter den Unscrigen bis jetzt noch nicht vorgekommen ist.

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