Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 45 (9.6.1890)
- Date
- 1890-06-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-1''J11 ll4-l*?"MJI-llU^i^U^I^JfUWffgggpigpgjgpppyWfWp^^W rar* 807 Heute ist der Antisemitismus leider salonfähig ge- , worden, sorgen wir dafür, daß das Gezücht sich wieder in seine Höhlen verkrieche. Man hat die Erfahrung gemacht, daß antisemitische Schriften nicht nur von Nichtjuden, sondern auch von unseren Glaubensgenossen massenhaft gekauft werden, während man philosemitische Werke fast gar nicht verlangt. So erlebte beispielsweise Drumonts France juive“ 141 Auflagen, was einer Verbreitung von ca. 300,000 Exemplaren gleichkommt, dagegen wurden vom Delitzsch' „Schachmatt den Blutlügnern" noch keine 1000 Exemplare abgesetzt. Das muß anders werden. Es ist nothwendig, daß judenfreundliche Schriften in Hunderttausenden von' Exemplaren unentgeltlich unter die von dieser Geistesepidemie angcsteckte Menge ver-! breitet werden. Nur das kann Abhülfe schaffen. Wir sind bereit, ein Comitö zu bilden, sowie j einen Fond zw sammeln, der bei einem bedeutenden! Bankhause deponirt werden muß, und bitten Freunde, die in dieses Comitö einzutreten wünschen, sich j gütigst bei uns zu melden. Auch jüdische Druckereien i mögen sich finden, welche den Massendruck derartiger! Schriften, wenn nicht zu den Herstellungskosten,! so doch mit einem ganz bescheidenen Nutzen, über-! nehmen. Auch bedeutende Redner müssen herangebildet werden, damit sie in Versammlungen antworten oder Gegenversammlungen einberufen können. Treten wir dazwischen mit der Räucherpfanne des Geistes, auf daß die Seuche aufhöre*). Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland.! B. Mainz, 6. Juni. Gestern tagte hier eine J Versammlung der israelitischen Lehrer des Groß-! herzogthums. Trotz der mangelhaften Form der! Einladung waren so viele Lehrer erschienen, daß der! ursprünglich in Aussicht genommene Saal zu klein war und die Versammlung vor der Eröffnung der Verhandlungen in einen größeren Saal in der Synagoge verlegt werden mußte. Die Herren Rabbiner Dr. Salfel d-Mainz und Dr. Stein-Worms, sowie die Vorsteher der israel. Religionsgemeinde Mainz, die Herren Reinach, Hirsch, Martin Mayer und sonstige Freunde der israel. Lehrerwelt, wohnten der Versammlung bei. Es constituirte sich aus derselben ein „Verein israelitischer Lehrer im Großherzogthum Hessen", der sich als erstes Ziel, die Herbeiführung gesetzlich geregelter Verhältnisse der israel. Lehrer und Gemeinden, wie der israel. *) Sonderabdrücke dieses Aufrufes stehen unseren Freunden! unentgeltlich zur Verfügung. Red. d. „Jsr. u. Jesch." 1 Religionsschulen des Großherzogthums stellte. Die Verhandlungen, die zu sehr lebhaften Debatten Veranlassung gaben, ließen das dringende Bedürfnis; eines solchen Vereins erkennen und zeigten, daß es der israel. Lehrerstand ernst mit seinem Berufe nehme. Möge sich der Verein recht thätig erweisen, daß die bisherigen unhaltbaren Zustände bald ein Ende nehmen. Beitrittserklärungen nimmt Herl- Lehrer K l i n g e n st e i n in Ober Ingelheim entgegen. Das Nähere wird die pädagogische Beilage bringen. Ein an Seine Königliche Hoheit den Grobherzog abgesandtes Ergebenheitstelegramm wurde telegraphisch folgendermaßen beantwortet: Aufrichtigen Dank für die ausgesprochene Gesinnung des neuen Vereins. Ludwig. Mainz. Wie uns von Augenzeugen berichtet wird, nimmt die antisemitische Bewegung in der Provinz Oberhessen eine für Leben und Eigenthum unserer dortigen Glaubensgenossen immer bedrohlichere Gestalt an, so daß es geboten erscheint, bei der drohenden Gefahr sofort energische Schritte zu thun, damit den fremden Wühlern und antisemitischen Hetzern das Handwerk gelegt werde, che es zu spät wird. Sie gefährden ernstlich den Frieden und säen Haß und Zwietracht zwischen den Bürgern unseres Großherzogthums, die seither in Eintracht neben einander lebten. Möchte doch die zuftehende Behörde diesem verderblichen Treiben beizeiten Einhalt gebieten; denn wir sind sicher, daß unserm Landesfürsten die israelitischen Unterthanen ebenso lieb sind wie die christlichen und daß solches Treiben seinem hohen Willen stricte entgegenläuft. Es bedarf nur eines Wortes von höchster Stelle, und der Antisemitismus hat in dem Großherzogthum Hessen aufgehört zu sein. Möchte dieses recht bald gesprochen werden; denn Eile thut noth. B. Karlsruhe, 30. Mai. In der heute stattgefundenen Sitzung des badischen Landtages wurde über die Bitte der Synagogenräthe der Gemeinde Karlsruhe und Bezirk Karlsruhe, betreff, die Besteuerung der Israeliten für die Bedürfnisse ihres Kultus verhandelt. BerichterstatterAbg. Strübe führt aus, daß im Entwurf für Besteuerung örtlicher kirchlicher Bedürfnisse ein Paragraph vorgesehen war, durch den dieses Gesetz auch auf andere, also auch die israelitische, Religionsgemeinschaften ausgedehnt werden konnte. Der Oberrath, um Aeußerung angegangen, beantragte aber diesen Passus zu streichen, was auch geschah. Die Bittsteller streben eine Erschwerung der Austrittserklärung an; es wird Ueberweisung zur Kenntnißnahme beantragt. Geh. Referendär I o o s hat gegen den Antrag