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Der Israelit · 1890-06-09 · Heft 45 (9.6.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 45 (9.6.1890)
Date
1890-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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9Jt WP' J fH^iP; 806 gründet Vereine zur Verbreitung aufklärender Schriften, deren einziges Ziel die Bekämpfung des Antisemitismus und die Aufdeckung der Lügen seiner Propheten ist. Verbreitet sie in Massen unter alle Schichten des deutschen Volkes: im Dorfe, wie in der Stadt, im Gebirge, wie in der Ebene, überall, wo ein antisemitischer Agitator einen Vortrag hält, muß ihm von berufener Seite wirksam entgegnet werden. Und Ihr, Männer des Geistes, verfasset Schriften, in denen Ihr die ganze Erbärmlichkeit, Lügenhaftigkeit und Hohlheit jener Hetzereien aufdecket. Nicht mit der physischen Gewalt der Waffen wollen wir uns schützen, sondern mit der viel sicheren Gewalt der Wahrheit und Gerechtigkeit. Nicht geduldet wollen wir sein, nein, wir verlangen die vollen Rechte und Pflichten, die unser Vaterland seinen Söhnen und Töchtern zu geben im Stande ist, wir wollen das uns wahren, was die Amaleks uns rauben wollen. Lange genug hat eine finstere Zeit den Andersgläubigen verfolgt; lange genug hat sich die deutsche Nation bethören lassen einen kleinen Theil ihrer Angehörigen in den Rechten zu beschränken. Die Edelsten der deutschen Nation, unsere Dichter und Denker haben für dieses kleine Häuflein mit den geistigen Waffen vergeblich gekänipst. Lüge und Gemeinheit erheben wieder ihr schmutzig Haupt, um die Deutsche jüdischen Glaubens, die jüdische Religion mit Geifer zu bewerfen. Gegen Dummheit freilich kämpfen Götter vergebens. Aber wir halten das deutsche Volk nicht für so dumm, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden, wenn ihm Gelegenheit geboten wird, neben der Lüge auch die Wahrheit kennen zu lernen. Ein Volk, wie das israelitische, das auf eine vieltausendjährige Geschichte blickt, kann beweisen, daß es seine Existenz nur der Wahrheit seiner Religion, der Sittenreinheit und Biederkeit seiner Mitglieder verdankt. Der Kampf der Antisemiten gegen uns ist ein Kampf der Lüge gegen die Wahrheit, ein Kampf der Unmenschlichkcit gegen die Menschlichkeit. Prüfen wir diese Propheten alle auf ihren eigenen sittlichen Werth, prüfen wir ihre Lehren und ihre Ziele und lassen das deutsche Volk die Resultate dieser Prüfung wissen, so wird der ganze Antisemitismus sich als eine Bewegung entpuppen, die Privatzwecken dient und in deren hochgehenden Wellen mancher im Trüben fischen möchte. Wir bezweifeln, daß das deutsche Volk als Mittel zu diesem Zwecke sich gebrauchen läßt und hoffen, daß sich Männer finden, die unsere Idee, einen Verein zur Massenverbreitung philosemitischcr Schriften zu gründen, verwirklichen helfen. Echod hainarbe, weechod hammamit; jeder trage sein Scherflein dazu bei, ob viel oder wenig, es gilt eine heilige Sache, bei der die kleinste Mithülfe nicht gering gerechnet werden darf. Ihr Männer Israels, tretet diesem Vereine bei: unterstützet ihn finanziell und intellektuell! Es gilt, auf der Wacht zu sein. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann. Israel kann und wird seine Sache selbst führen und vertheidigen, es bedarf keines Fremden, der seine Streitaxt führt. Unsere Axt ist scharf und unsere Gelehrten und Schriftsteller verstehen, damit zu arbeiten, und „wer auf Gott vertraut und die gelenke Kraft, der ringt sich leicht aus jeder Fahr und Noth." An Euch ist es dann, Ihr Männer der haute iinance, an Euch, Ihr Gelehrten und Schriftsteller in Israel, dem Verein die nöthigen Mittel zu beschaffen. Schriften geeigneten Inhalts zu produziren, an Euch, ihr israelitischen /Deutschen, diesen Verein zu unterstützen, seine Schriften zu verbreiten, daß cs dem gesunden Urtheile des deutschen Volkes möglich gemacht werde, die Lüge von der Wahrheit, den Schein vom Sein zu unterscheiden. Mögen alsdann unsere Hasser noch so sehr eifern, wir dürfen ruhig sein, ein Grundcharacter des deutschen Volkes ist die Gerechtigkeitsliebe und die Treue; erstere wird hindern, daß gegen uns eine Ungerechtigkeit begangen werde, letztere wird die Ursache sein, daß auch den israelitischen Deutschen diejenigen Rechte gesichert bleiben, deren sich jeder andere Deutsche erfreut. — Darum auf, Israel, sich nicht unthätig zu, wie man Dich begeifert und beschmutzt. Mit Wort und Schrift streite für die Wahrheit, denn „Sich wehren bringt Ehren!" (Nachbemerkung der Redaktion.) Daß in der That endlich etwas Derartiges geschehen muß, um der immer weiter um sich greifenden Pest des Antisemitismus wirksam zu begegnen, das bezeugen viele Zuschriften, die wir in der jüngsten Zeit erhielten. In allen Tonarten, in allerhand Broschüren und Schriften wird gegen uns gehetzt, werden allerhand Märchen ersonnen, die dem Talmud und anderen jüdischen Werken alles erdenkbar Schlechte in die Schuhe schieben. Namentlich in Hessen-Nassau, in Sachsen und in Oesterreich begegnet man Tausenden derartiger Schmutzcrzeugnisse, mit deren Lektüre sich die Landlente den Sonntag Nachmittag vertreiben. Da heißt es die Fackel der Wahrheit anzündcn und das Volk aufklären. Wir müssen unsere Rechte auf's Aenßerste vertheidigen, wollen wir nicht unsere Existenz ernstlich in Gefahr bringen. Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren katholischen Mitbürgern, die mit eiserner Konsequenz und unter schwersten Opfern den Kulturkampf führten und siegreich beschlossen.

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