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Der Israelit · 1890-06-09 · Heft 45 (9.6.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 45 (9.6.1890)
Date
1890-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXl. Jahrgang. .AI-45. Israelit »„* Jeschmun. Zeitschrift m Förveruilg lüD. Geistes uitD jüD. Kebrns in gans. icmeinDe und Schnie. Gentrat-Hrgan für das ortliodo.re Iudenttinm. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 9. Juni 5650 (1890). Leitender Artikel. Auf, Israel zum Streite! Mainz, 6. Juni. 8. Auf, Israel, zum Streite. Rüste Dich, zu kämpfen mit den Waffen des Geistes, mit den Waffen, die seit Menschengedenken in Deiner Rüstkanlmer bereit liegen und die zu keiner Zeit ihre Wirkung im Dienste Gottes und der Menschlichkeit versagten Deine Existenz wird bedroht, Du Volk des einzigen Gottes, Deine Ruhe wird gestört, Deine Entwickelung will man hemmen. Jene Zeit ist wieder da, da der Feind sprach: Howoh, nischakmoli lau, pen jirbeh. Jene Worte Pharao's, in seiner Furcht vor dem Kommenden, sie Hallen heute wieder in den Sälen des Reichstages und Abgeordnetenhauses, in der sonst so stillen Versammlung des preußischen Herrenhauses. Ein Haman ist wiederum erstanden in dem Hofprediger, dem Priester der Menschenliebe, dessen Lebensziel die Ausrottung Israels ist. Alle niedrigen Leidenschaften, Haß, Zwietracht, Habsucht werden von seinen Jüngern angefacht, um das kleine Häuflein Juden, das in Deutschland zerstreut wohnt, zu verderben. Von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt ziehen die Priester des Antisemitismus, das Gift ihrer Lehre unbemerkt in das Herz des deutschen Volkes träufelnd; langsam aber sicher gewinnen sie immer günstigeren Boden. Warum auch nicht? Ist es doch so leicht, wenn auch unehrenhaft, da zu schmähen, wo man dem Gegner kein Wort der Verteidigung gönnt. Bedarf es doch keiner allzugroßen Kunst, die Leidenschaften der Menge zu erregen und sie gegen ihre Wo hl thät er aufzureizen! — Wie oft zeigt uns die Geschichte die Undankbarkeit der Menschen! — Wie leicht ist es, Menschen aufeinanderzuhetzen, zumal, wenn sie verschiedenen Glaubens sind. Nichts säet sich leichter als Haß und keine Saat wuchert rascher als Neid, Bosheit und Lüge. Diese drei Motoren trieben von jeher die Feinde Israels dazu an, es zu verfolgen, sie sind es auch heute, welche den Judenhaß groß gezogen haben, welche die Antisemiten mit immer neuem Eifer zum Kampfe treiben. Und was thut Israel in diesem Kampfe, bet dem es sich ebenso um die hehrsten, heiligsten Schätze handelt, wie um die kostbarsten irdischen Güter? Mit verschränkten Armen steht es da, als ob der Kamps es nichts anginge und sieht ruhig zu, wie der Feind immer festeren Boden gewinnt, wie die aller Menschlichkeit hohnsprechende Maulwurfsarbeit der Judenfeinde immer weiter gefördert wird. Die Entgegnungen, welche die jüdischen und judenfrenndlichen Zeitungen bringen, kommen nicht dahin, wohin sie gehören, in die breiten Schichten des Volkes. Das jüdische Volk, die deutschen Juden, bedürfen keiner Belehrung über die Unwahrheit jener sinnlosen Anschuldigungen, und wir würden darüber lächeln, wenn ihre Folgen nicht zum Weinen wären. Uns sind jene Lügen wohl bekannt; aber die deutschen Nichtjuden müssen aufgeklärt werden über das, was ihnen der Antisemitismus vorlügt, über die Endziele, die er verfolgt. Und da gibt es, Gott sei Dank, noch ein Mittel, das unter dem Beistand des Höchsten uns zur Seite stehen wird. Die Presseisteine Macht, die der Geist geschaffen, sie soll uns in diesem Kampfe dienen. „Sich wehren, bringt Ehren." Darum auf Israel, zeige, daß Du den Kampf nicht zu scheuen hast, zeige, daß Du nicht ermattest, eine geistige Fehde siegreich auszufechten. Ihr alle, die Ihr Euch zu den jüdischen Deutschen zählet, ob Ihr der Orthodoxie oder einer anderen Richtung angehört, seid zu diesem Kampfe berufen; nehmet ihn an und folget unserem Rufe. Vereiniget Euch;

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