Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1890)
- Date
- 1890-06-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448066--30140-2477903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
802 nicht beim Gottesdienste. Gerade an diesem Tage nehmen die Väter gern ihre Kinder selbst mit in die Synagoge. Es gibt heutzutage auch noch andere Gründe, die die Kinder selbst^ an diesem Tage abhalten; jeder Lehrer kennt sie und wird es zu würdigen wissen, wenn ich für einen einmaligen Gottesdienst in der Woche durchaus nicht eintreten kann. Allerdings wird sich die Zeit des Beginns der Zeit der Kinder anpassen müssen, der Gottesdienst wird theils früher, theils später abgehalten werden, innerhalb der durch das Religionsgesetz vorgeschriebenen Grenzen. Darum erheischt dieser Gottesdienst auch sein eigenes Lokal. Wenn wir den Kindern etwas bieten wollen, müssen wir ganz und gar auf sie Rücksicht nehmen und darum unbeschränkt sein, auch in Bezug auf die pädagogische Seite. Die Kinder wollen belehrt sein, und die Kinder wollen lernen. Beides läßt sich nur erreichen, wenn man sie von früher Jugend an einführt in alle Funktionen, ganz wie es das Gesetz vorschreibt. Wir lassen die nso Kinder vor das Betpult bintreten und nach traditioneller Weise vorbeten, wir lassen sie zur Thora aufrufen, wir lassen sie selbst aus der Thora und Hafthara D’öyöi nuvu oy vorlesen, auch der schwierigsten Vorlesungen, als Megillat Esther und Echa, unterziehen sich die Geübteren, Alles müssen die Kinder kennen und lieben lernen; und wir erhalten sehr befriedigende Resultate. Alles dies ist aber in der Hauptsynagoge einer Gemeinde nicht ausführbar. Die Jugend muß also ihren eigenen Gottesdienst, ihre eigene Zeit und ihr eigenes Lokal haben, entweder in der Schule selbst oder wo es angängig und nothwendig ist in einer Synagoge. „Wir können auch mit Befriedigung auf die Theilnahme blicken, die unsere Bestrebungen hier und auswärts gefunden haben. Zum Bau der Synagoge sind uns zahlreiche Spenden zugegangen. Doch lastet auf uns noch immer die Bauschuld, die wir aus unseren regelmäßigen Beiträgen nicht abzahlen können. Wir hoffen zu Gott, daß er uns auch hierfür das Herz unserer Großen und Edlen in Israel entflammen wird, damit wir vollauf unseren heiligen Beruf erfüllen können." Wir entnehmen dem Berichte noch ferner: „Die Zahl der Zöglinge, die der Anstalt anvertraut wurden, hat sich gemehrt, es ist uns und unfern Freunden gelungen, recht viel neue Gönner zu gewinnen, hier wie draußen; und wir sind dadurch in die Lage gekommen, nicht allein einergrößeren Anzahl von Kindern die Wohlthat des Thoraunterrichts zutheil werden zu lassen, wir haben auch die Zahl der Lehrkräfte ersprechend der Klassenzahl vermehren und Einrichtungen treffen können, die zur Hebung und Vervollkommnung der Anstalt dienen können. Während im Schuljahre 1888/89 146 Zöglinge am Unterrichte theilnahmen, stieg die Zahl derselben auf 168 im folgenden Jahre. Es unterrichteten 6 Lehrer und zwei Lehrerinnen in den 10 Klaffen der Anstalt. Gleich mit Beginn dieser Berichtszeit im Sommer 1888 trat eine neue Einrichtung ins Leben. Um den Schülern, welche in den entfernter gelegenen Stadttheilen wohnen und bisher weite Wege zu machen hatten, Zeitersparniß für ihre Schularbeiten zn gewähren, haben wir im Osten der Stadt ein Schullokal gemiethet. An diesem Kursus haben bisher 26 Zöglinge theilgenommen. Die Zahl der am Orte zur Schule beitragenden Mitglieder ist von 202 auf 279 gestiegen, ihr Jahresbeitrag von 1316 auf 1743 Mk. Auch die Zahl der auswärtigen Mitglieder und deren Beiträge haben sich gegen das vorige Berichtsjahr erfreulicher Weise gehoben. Freilich sind auch die Ansprüche an unsere Kräfte und damit die Ausgaben bedeutend gewachsen. 109 Zöglinge sind von Neuem als ganze Freischüler ausgenommen worden, haben Unterricht und Schulbücher völlig unentgeltlich erhalten, soweit es nöthig war , zu ihrer Bar Mizwah die erforderlichen Ritualien empfangen, einem Theil unter ihnen sind noch besondere Unterstützungen an Schulutensilien, auch einmalige odermonatliche Geldbeträge und zum Winter Kleidungsstücke gewährt worden; für die Befähigten ist das Schulgeld zum Besuch der höheren Bürgerschule oder des Gymnasiums bezahlt worden. Schwere Lasten, die wir, auf uns genommen haben, die wir aber mit Gottes Hilfe und dein Beistände vieler Gönner unserer heiligen Bestrebungen weiter zu tragen im Stande waren. Wir wollen an dieser Stelle betonen, daß diese Kinder durchweg solchen anständigen Kreisen angehören, die mit Mühe um ihr Dasein ringen, aber nicht gewohnt sind öffentliche Wohlthaten zu empfangen. Wir konnten uns umsomehr auf diese Kreise beschränken, als für das aufgedeckte Elend hier, Gott sei Dank, in ausreichendem Maße gesorgt ist. Schlimmer steht es überall um diejenigen, die noch nicht als Arme gelten wollen; sie vor der Verarmung zu schützen und in ihrem Kampf um eine ehrbare Existenz wesentlich zu erleichtern, ist eine hochheilige Aufgabe. Unter den genannten Zöglingen befinden sich übrigens nicht blos hiesige, auch Söhne von auswärtigen Gemeindebeamten. Ich darf daher nicht unterlassen hervorzuheben, daß auch eine stattliche Zahl von