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Der Israelit · 1890-06-05 · Heft 44 (5.6.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 44 (5.6.1890)
Date
1890-06-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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792 „Aber ich schwöre Ihnen bet Gott, daß Herr Meierhof noch nie den Sabbat entweiht hat und ihn auch nie entweihen wird; denn in Wahrheit ist er ein aufrichtiger Jude; und wenn er auch gezwungen ist, am Sabbat sein Geschäft offen zu haben, er selbst kümmert sich nicht darum, und wenn Sie, wie ich hoffe, seine Frau Gemahlin werden, so werden auch Sie sich nie darum zu kümmern haben, weder an Wochentagen, noch am Sabbat. Sie werden den Sabbat feiern, ganz wie Sie es hier zu Hause bei Ihren Eltern gewohnt sind, nur vielleicht noch schöner, weil man mit viel Geld sich gar manche Annehmlichkeit auch zur höheren Feier des Sabbat verschaffen kann. Und dann, bedenken Sie, mein hochverehrtes Fräulein, wie viel Gutes können Sie thun, wenn Sie in einen immer vollen Beutel greifen können, wie viel Hungernde können Sie tagtäglich sättigen, wie viele Nackte können Sie bekleiden, wie vielen Kranken könnten Sie zu ihrer Gesundheit verhelfen — wenn man Geld hat, kann man alles." „Alles nun wohl nicht", versetzte Bella lächelnd, „aber viel kann man allerdings thun, wenn einem viel Geld zur Verfügung steht." „Das habe ich doch auch gesagt. Nun, also?" „Ich bedauere, Herr Löwi, Ihnen keine andere Antwort geben zu können — ich kann Herrn Meierhofs Antrag nicht annehmcn." Noch lange bemühte sich der wackere Heirathsvermittler das junge Mädchen anderen Sinnes zu machen, Bella blieb fest. Die Eltern verhielten sich vollkommen passiv, nur hin und wieder, wenn Bella wie fragend zu ihnen hinüberschaute, dann nickten sie ihr freundlich zu und sahen einander lächelnd an. Mißmuthig über seinen Mißerfolg griff Herr Löwi endlich nach seinem Hute und empfahl sich. „Auf Nimmerwiederkehr!" murmelte er ingrimmig in sich hinein. Bärwald begleitete ihn bis zur Thür. Dann trat er zu seiner Tochter und streichelte ihr liebkosend die Wangen. „Brav, mein Töchterchen, brav!" Sie blickte zu ihm auf, ein nervöses Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel. „Ich weiß nicht, weßhalb Du mich lobest, weil ich den Antrag zurückgewiesen habe? — aber ich denke doch noch nicht an's Heirathen. — Nur aus einem Grunde hätte ich ihn sehr gerne angenommen. Du hättest dann wieder eine Stellung gehabt und wir hätten bereits gewußt, von was wir ferner leben werden." „Schon wieder diese trüben Gedanken am Sabbat", tadelte der Vater, „Gott wird schon helfen — weißt Du nicht, wie der Schlußsatz des Tischgebets lautet? — „Ich bin jung gewesen und bin alt geworden, doch nie sah ich den Gerechten verlassen oder sah seine Kinder Brod erbitten." Deine seligen Großeltern, sowohl mütterlicher als väterlicherseits, waren brave, fromme Juden. Du kannst daher vollkommen ruhig sein." „Ich bin es", flüsterte Bella, indem sie seine Hand an ihre Lippen zog. Doch innerlich staunte sie, ob dieser durch nichts zu erschütternden Ruhe, dieses felsenfesten Gottvertraueus des greisen Mannes, der nicht wußte, woher er im nächsten Monate Brod nehmen werde für sich und die Seinen und dennoch nicht verzagte, dennoch sich die sabbatliche Ruhe durch keinen trüben Gedanken stören ließ. — Heiße Gebete sandte sie empor zum Himmel, um einen rettenden Gedanken, durch den es ihr möglich werden könne, wenigstens beizutragen zu der Erhaltung ihrer Eltern. (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zNieivla!, MontagÄ und TunnerstagS, sedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, fitv’g Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch bru jZuchhanüel ju beziehen bet E. F. Kleinacker, Leipzig, Doßpiah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Berlin. Posen. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Pesth. Krakau. — Frankreich: Paris. — England: 2 mal London. — Rußland: Riga. Australien: Adelaide. — Feuilleton: Wallungen. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Entstehung und Bedeutung des Antisemitismus in Hessen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. Berlin. Halle. Glogau. Königsberg. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Tropau. — Marocco: Tetuan. — Türkei: Damaskus. Inhalt d. „Blätter f. d isr. Schule": lieber Jugendgottesdienst. — Die Haesters'schen Lesebücher. — Reccnsionen. — Briefkasten. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschurun" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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