Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1890)
- Date
- 1890-06-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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■V c»Äü! «»/WsiL-in«. ^..?WDMMWWWMWWWW8WA^ -- % no Wer Jerusalem früher gekannt, wird sich heute nicht wenig verwundern über den ungemeinen Fortschritt, den diese historische Stadt im letzten Decennium gemacht. Eine große Anzahl von Engländern, Franzosen, Deutschen, Italienern, Russen, Polen u. s. w. besuchen alljährlich die allen Nationen heilige Gottesstadt. Die Stadt besitzt großartige Heilanstalten, Waisenhäuser, Hilfsvereine, Schulen und überaus prächtige Gotteshäuser. Bequem eingerichtete Hotels und sonstige Ausnahmsplätze für Pilger sind in Fülle da. Comptoire, solide Handelshäuser , sowie herrliche Läden, welche Kunstarbeiten ausstellen, in denen jeder Reisende Einkäufe macht, um Andenken von da mit nach Hause zu bringen, fehlen gerade auch nicht. Behält man aber noch im Auge, daß durch die baldige Einführung einer Wasserleitung, durch die Erbauung der Eisenbahn, der Wassermangel beseitigt, der Verkehr erleichtert werden wird, so kann man sich leicht vorstellen, was aus Jerusalem werden wird. Doch alle diese Vortheile können unseren jüdischen Handwerkern noch immer nicht zur Selbstständigkeit verhelfen. Warum? Stehen diese an Fähigkeit den Nichtjuden etwa nach? Nein! Genügsam, arbeitsbeflissen und fähig, ist dennoch ihre Lage eine klägliche, so daß die meisten genöthigt sind bei den Deutschen, Arabern, ja sogar bei der Mission gegen geringen Wochenlohn sich abzuplagen. Was jüdische Meister produziren, müssen sie den nichtjüdischen Kaufleuten um jeden Preis abgeben, weil keiner der jüdischen Handwerker einen respektablen Verkaufsladen besitzt. Ist es da zu verwundern, daß die reichen Pilger bei ihnen einzutreten sich scheuen? Daher kommt es auch, daß von dem enormen Gelbe, welches die circa 40,000 Besucher alljährlich für Einkäufe ausgeben, in die Hände unserer Handwerker wenig oder gar nichts kommt. Von dem guten Willen unserer Philantropen hängt es ab, diesem Mißstand durch ganz bescheidene Opfer in folgender Weise abzuhelfen. Man miethe einen schönen Laden, setze einen Agenten ein, der auch englisch und französisch spricht, dessen Aufgabe sein soll, sämmtliche angesertigte Arbeiten der Handwerker zum Verkaufe zu übernehmen, und zwar soll eine von den Arbeitern gewählte, von dem Agenten bestätigte Commission jeden Freitag die Arbeit besichtigen, schlechte Arbeit zurückweisen, die Preise fixiren. Der Agent soll ferner in die Lage gesetzt werden, nach erhaltener Arbeit jedem Arbeiter einen Wochenvorschuß für Material auszufolgen, 5 pCt. weniger als die überlieferte Arbeit berechnet wurde. Besagter Abzug soll als Ersparniß oder als Deposit bleiben, auf daß die Handwerker mit der Zeit in Stand gesetzt werden, keine Vorschüsse mehr zn bedürfen und überdies die Magazinskosteu einmal selbst bestreiten zu können. Die Arbeit wird ferner so eingetheilt werden können, daß nicht Mehrere denselben Artikel anfertigen dürfen. Es wird hiedurch jeder Handwerker in seinem speziellen Fache große Uebung erlangen, und der Brodneid wird theilweise vermieden werden. Die Lage von über 40 Handwerkerfamilien wird dadurch bedeutend gebessert werden, wenn unsere Wohlthäter eine derartige Einrichtung treffen wollten. London. Der den Juden des Oefteren gemachte Vorwurf, daß sie auf dem Gebiete der Kunst, namentlich jenem der bildenden Kunst, keine bemerkenswerthen Leistungen aufzuweisen vermögen, wird durch einen Besuch der eben eröffneten drei Kunstausstellungen glänzend widerlegt. Sowohl die Royal Academy als auch die Grosvenor-Gallerie weisen treffliche Werke unserer Glaubensgenossen auf. Hierbei muß man sich, wie die Z. d. I. bemerkt, vor Augen halten, daß die Kunstwerke, welche in der Royal Academy zur öffentlichen Ausstellung gelangen, zuerst eine sehr strenge Jury passiven müssen, welche aus den Mitgliedern der Royal Academy besteht; in der Grosvenor-Gallerie können nur diejenigen Künstler an der Ausstellung theilnehmen, welche persönlich hierzu eingeladen werden. Man kann also getrost behaupten, daß diejenigen Künstler, deren Werke wir in diesen Ausstellungen finden, zur Elite der Künstlerschaft gehören. Es würde zu weit führen, alle Namen zu nennen. In der Royal Academy sind allein 14 Glaubensgenossen vertreten, welche auf allen Gebieten (Historie, Genre, Thierftücke, Landschaften und Blumen) Hervorragendes leisten. Wir erwähnen nur das letzte Werk des verstorbenen Malers James L. Henry „Passing Clouds" (Vorüberziehende Wolken), ferner ein prächtiges Thierstück von Stanley Montefiore, einem der tüchtigsten Pferdemaler der Insel — ein großes Historienbild „Hippolyta" ein Porträt von Solomon I. Solomon. — Auch Damen betheiligen sich mit bestem Erfolge an dieser Konkurrenz der schönen Künste — unter Anderen auch eine Nichte des Lord Mayor, Esther S. Jsaacs, deren Bild „On the Watsh“ (Auf Wache — eine prächtige Studie eines Hundes) sehr viel Beifall findet. In der Grosvenor-Galerie finden wir den bekannten Porträtmaler B. S. Marks, ferner den obenerwähnten Landschafter Henry, sowie mehrere tüchtige Blumenmalerinnen, welche auch in der