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Der Israelit · 1890-06-05 · Heft 44 (5.6.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 44 (5.6.1890)
Date
1890-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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789 Majorität zum geistlichen Oberhaupt dieser Gemeinde gewählt. Krakau, 27. Mai. Aus Kolomea wird hier, her gemeldet: „Dieser Tage weilte hier der Statthalter Graf Badevi und besuchte die ^isr. Schulen. Bei dieser Gelegenheit machte er den erschienenen Vorstehern der jüdischen Cultusgemeinde die Mittheilung, daß die Stiftung des Baron Hirsch binnen Kurzem activirt sein wird." Frankreich. Paris. Der famose Herr Drumond, der mit seinen antisemitischen Hetzschriften glänzende Geschäfte macht, — sein erstes Buch „La France juive“ hat die Kleinigkeit von 141 Auflagen erlebt, — veröffentlicht soeben ein neues umfangreiches Buch: „La derniere bataille“ , ans dessen Inhalt die allgemeine Zeitung Folgendes mittheilt: Von den vier „Büchern", in welche die Drumond'sche Schrift zerfällt, nehmen die zweite Hälfte des ersten und die zehn Abschnitte des dritten die meisteAufmerksamkeit in Anspruch. Das letztere Buch (une entreprise du XIX siede) hat die Geschichte des Panama-Kanalsunternchmens und seiner Finanzirnng zum Gegenstände und legt einem Nicht-Inden, Herrn Ferdinand v. Leffeps, eine so lange Liste von Nichtswürdigkeiten zur Last, das; dem Verfasser mindestens ein großer Verleumdungsprozeß bevorstehcn dürfte. Die zumeist angegriffenen Personen sind fast ausnahmslos Vollblut-Franzosen der hohen Finanz, der Akademie und des Richterstandes, denen die unerhörtesten Dinge vorgcworfen werden. Nichtsdestoweniger wimmelt auch dieser Abschnitt von Ausfällen gegen die Juden, denen einfür allemal der Haupttheil dessen zur Last gelegt werden muß, was die Nicht-Inden sündigen. Die Methode, nach welcher der sinnreiche Autor dabei verfährt, hat der Leser bereits in den vorhergegangenen Abschnitten kennen gelernt; zur Erläuterung derselben mögen ein paar kurze Anführungen dienen. Auf Seite 182 ff. wird auseinandergesetzt, daß an dem Niedergang des Hauses Orleans allein die Juden schuld seien, denen der Graf von Paris aus Rücksicht auf Herrn v. Rothschild stets von Alters her eine sträfliche Vorliebe bewiesen habe, und die nichtsdestoweniger die Urheber des überden jungen Herzog von Orleans hereingebrochenen Unheils gewesen seien. Den Beweis dafür soll die nachstehende, in ihrer Widersinnigkeit vollendet zu nennende Ausführung liefern. „Als der junge Herzog mit jugendlicher und echt französischer Schuldigkeit seine Stellung als Rekrut in Anspruch nahm, wen fand er vor, als er, von zwei Polizeiagenten vor die elfte Kammer (d. i. des Polizeigerichts) geführt wurde? Den Juden Kntz, der den Staatsanwalt vertrat und natürlich bereit war, gegen einen Franzosen, der durchaus Soldat werden wollte, die Anklage zu erheben. „Juden sind die Richter von Franzosen und Nachkommen derer, die auf allen Schlachtfeldern ihr Blut verspritzt haben, sie besitzen weder das Recht, die Luft Frankreichs zu athmen, noch das Recht, ihrem Lande zu dienen! Sie sehen, lieber Prinz, was Ihr Herr Vater (der übrigens lein anständiger Mann ist) den modernen Fortschritt nennt." Mit modernem Fortschritt bemerkt das genannte Blatt, muß es in dem heutigen Frankreich in der That weit gekommen sein, wenn so haarsträubender, jeder Spur von Logik und Methode entbehrender Unsinn gedruckt und mit Rechnung auf die Neuigkeiten-Lust und Skandalfreudc der Pariser vortheilhaft verkauft und massenhaft vertrieben werden kann. Wer kann sich da noch wundern, wenn der Verfasser in weiterer Folge behauptet, Boulangers Mißerfolg sei durch seinen vertranten Rathgeber, den „Inden" Naquet, absichtlich herbeigeführt worden, Baron v. Rothschild habe soviel Boulangers Gegner, gleichzeitig aber auch dessen Freunde mit Geldmitteln unterstützt, der „Jude" Arthur Meyer in der nämlichen Angelegenheit den Grafen von Paris betrogen und der Verlauf des gesammten Wahlkampfes vom Herbst v. I. aufs neue bewiesen, daß die gesammte Politik Frankreichs sich um einen Frankfurter Juden dreht, der der Associ6 Bleichröders, des Bankiers der Triple-Alliance ist." Daß der Antisemitismus in Frankreich keine Aussichten besitzt und daß Herr Drumond und - dessen Verleger Dentu nahezu die einzigen Franzosen sind, die mit diesem neuen Artikel gute Geschäfte gemacht haben (der Dritte im Bunde, der Abg. Laur, mußte seinen Parlamentssitz mit Empfangnahme einer Tracht Prügel bezahlen), hat u. Ä. der Ausgang der letzten Wahlen bewiesen. England. London. Der im Interesse der jüdischen Handwerker Jerusalems gegenwärtig in London anwesende Herr Chaim Jakobs aus Jerusalem schreibt uns: Jerusalem hat eine Zukunft! Das ist eine unbestreitbare Thatsache. Diese Zukunft ist nicht etwa in weite Ferne gerückt; nein! Die neue Entwickelungspcriode, welche Jerusalem in eine lebensfähige Weltstadt verwandeln wird, ist ganz nahe.

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