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Der Israelit · 1890-06-02 · Heft 43 (2.6.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 43 (2.6.1890)
Date
1890-06-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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774 bezeugungen zu Grabe getragen. Die Trauer um seinen Heimgang ist in unserer Gemeinde allgemein. War doch der Verklärte mit derselben aufs Innigste verwachsen und vor Allem hochverehrt wegen seiner großen Gelehrsamkeit, seines ernsten geraden Wesens und seiner aufrichtigen Frömmigkeit. Unser Herr Rabbinatsverweser Knöpf mach er sowohl wie Herr Rabbiner Herrisch aus Eisgrub gaben dem allseitig empfundenen Schmerze über den Verlust, den unsere Gemeinde erfahren, würdigen Ausdruck. Wien, 15. Mai. Heute Vormittag fand im israelitischen Blinden-.Jnstitute ans der Hohen Warte bei Wien die Jahresprüfung der Zöglinge statt, welche die erfreulichsten Unterrichts-Resultate dieses von Director Heller seit Jahren vorzüglich geleiteten Institutes zeigte. In dem zahlreichen Auditorium von Herren und Damen sah man: Landes-Schulinspektor Scholz, Baron Königswarter,! Baron Schey, Bezirkshauptmann Statthaltereirath Habicher, den Bürgermeister von Unterdöbling Friedl, die 'Instituts-Direktoren kaiserlicher Rath Wölfler (Rothschild-Spital), A. S. Fischer (Kindergartnerinnen-Bildungscurs) und Dr. M. Brunner (Taubstummen-Jnstitnt ans der Landstraße), sowie zahlreiche Lehrer und mehrere Geistliche. Bei der Prüfung der 27 männlichen und 14 weiblichen Zöglingeerregte das lebhaftesteJntercsse der Anwesenden die Prüfung in dem speziellen Fache des Blindcn- Unterrichtes: „Ucbung der Sinne", das Erkennen von Stoffen und Lederarten nach dem Gefühle, die Bestimmung von Hölzern und Münzgattungen nach dem Klange, wobei die Kinder erstaunliche Proben der feinen Ausbildung ihres Gefühls- und Gehörsinnes gaben. Bei den musikalischen Produktionen (Gesang, Elavier, Violin) wurde eine von dem austretcnden Zöglinge Joseph Herz componirte Cantate aufgeführt und fand verdienten Beifall. In einem angrenzenden Saale waren die Arbeiten der blinden Kinder ausgestellt. Prag. Die Frage, ob die jüdischen Religionslehrer an Mittelschulen an den Lehrerconferenzen theilzunehmen haben, war strittig und wurde bei den einzelnen Anstalten verschieden behandelt. An manchen Mittelschulen wurden dieselben zu den Conferenzen zugezogen, an manchen jedoch nicht, selbst wenn die betreffenden Religionslehrer dies reclamirten. Der Landesschulrath für Böhmen veranlaßte hierüber eine authentische Entscheidung, und wie wir erfahren, hat der Minister für Cultus und Unterricht in jüngster Zeit angeordnet, daß die jüdischen Religionslehrer das Recht und die Pflicht haben, den Lehrerkonferenzen beizuwohnen, da sie einen obligaten Gegenstand vertreten. Es ist zu constatireu, daß, seitdem Herr Dr. Bend jener als Vertreter unserer Confession im Landesschulrathe sitzt, ein gesteigertes Interesse für die Rechte derselben an den Tag gelegt wird. Frankreich. Paris. Der Figaro veröffentlicht folgenden, an Meissonier gerichteten Brief unseres Glaubensgenossen des Herrn Osiris, jenes bekannten Pariser Kunstfreundes, der für die Weltausstellung den Hunderttausend-Frankenpreis gestiftet hat: „Herr Präsident l Ich erfahre soeben, daß die Verwaltung der schönen Künste den ganzen ihr zu Gebote stehenden Kredit zum Ankauf von Kunstwerken dem Salon im Judustriepalaste zugewandt hat. Diese Entscheidung, die zwar buchstäblich den gesetzlichen Vorschriften entspricht, schafft eine Ungleichheit, die um so bedauerlicher ist, als das Publikum sich von. dem hohen Wcrthe der Ausstellung hat überzeugen können, an deren Spitze Sie stehen. Das ist eine Lücke, die auszufüllen jeder wahre Freund der französischen Kunst bestrebt sein muß. Ich erlaube mir daher, Ihnen zu diesem Zwecke die Summe von 50,000 Fr. zu übergeben mit der Bitte, dieselbe nach eigenem Ermessen verwenden zu wollen. Osiris. Paris. Der hiesige Erzbischof hat sich jüngst gegen die Verbrennung der Dodten ausgesprochen. Er berief sich dabei auf den Brauch der Juden und auf den Ausspruch der Bibel: „Von Staub bist Du und zu Staub wirst Du wieder zürückkehren." „Die Erde", sagte der Erzbischof, „ist unsere gemeinsame Mutter und Niemand ist berechtigt, derselben ihre Kinder zu rauben." Feuilleton. W a r 1 u tt g e n. Erzählung von Friedrich Ro tt. (Fortsetzung.) Bärwald hatte sich nicht getäuscht. Kaum vierzehn Tage waren feit obiger jlnterrcdnng verflossen, als das Geschäft, in dem er angestellt war, die Zahlungen einzustellen gezwungen war. — Für die nächsten Wochen gab es allerdings noch Arbeit für den Buchhalter — für weiter aber mußte er sich nach einem andern Erwerb umsehen. — Doch wo einen solchen finden? — Das war in der That ein Schlag für die Familie Bärwald. Er war bereits ein betagter Mann, und außer zu Comptoirarbeiten, zu keiner andern Arbeit fähig — und seine Frau

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