Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 43 (2.6.1890)
- Date
- 1890-06-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448065--30109-2477871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
;U«|UIUUIU|IW,gjpilW NJ JJil.l l I, - 772 Waisenhauses. Als jährlicher Erziehungsauswand für jedes Kind ergibt sich 709 M. 20 Pf., gegen 704 M. 97 Pf. im vorigen Jahre. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen. Nur ein Handfertigkeitsunterricht für größere Knaben, Gesang- und Turnunterricht wird in der Anstalt ertheilt. Dem Turnunterricht kommt eine in diesem Jahre neuerbaute Turnhalle zu statten. Durch besondere Stiftungen, z. B. einen Fonds für entlassene Zöglinge und einen erst im Erstehen begriffenen Aussteuerfonds kann das Waisenhaus auch für das fernere Wohl seiner Zöglinge sorgen. Berlin, 31. Mai. Die Annahme, daß die Verfügung des BrcslauerProvinzial-Schulkollcgiums, betreffend die Ermittelung über die jüdischen Schüler an höheren Lehranstalten auf eine Anweisung von höherer Stelle zurückzuführen sei, bestätigt sich. Wie jetzt gemeldet wird, läßt auch das Provinzial- Schulkollegium der Provinz Ostpreußen derartige Ermittellungen anstellen. Aus Nnterfranken, 30. Mai. Am 18. d. M. schied Herr Districts-Rabbiner M. Leb recht in Schweinfurt aus dem Leben, nachdem wenige Wochen vorher erst sein 50jähriges Amtsjubiläum feierlichst begangen wurde. Herr L. erreichte das hohe Alter von 82 Jahren. Das Leichenbegängniß fand — unter großer allseitiger Betheiligung — am 21. ds. statt. Von Seiten der Eultus-Verwaltuug Schweinfurt wurde eine Anzahl Rabbiner Bayerns hierzu geladen, welche auch, soweit dieselben nicht verhindert waren, der Einladung Folge leisteten. Der officielle Trauerakt wurde Herrn Districts-Rabbiner Dr. Werner von Bamberg übertragen. Derselbe hielt die Trauerrede unter Zugrundlegung des Vers 6, Capitel 2 in Malachie. Auch Herr Districts- Rabbiner Dr. Deutsch von Burgpreppach sprach im Namen der Rabbiner Unterfrankeus — ohne aber, wie ich höre, von diesen beauftragt gewesen zu sein — dem Verblichenen Worte der Anerkennung nach. Zum Schluffe sprach noch ein ehemaliger Schüler Lebrechl's, Herr Dr. Stein von Nordheim, wohldurchdachte, tiefempfundene Worte des Dankes. Lebrecht huldigte der Reform, wovon schon Synagoge und Friedhof zu Schweinfurt Zeugnis; geben. Möchte das Nabbinat Schweinfurt — eines der größten Unterfrankens — mit einem glaubenstreuen Rabbiner besetzt werden. Es gäbe hier ein schönes Feld zur Entfaltung segensreicher Thätigkeit für rrroyi min. S ch. Fürth, 29. Mai. Ihre Nr. 41/42 brachte im Leitartikel den Abdruck einer bezirksamtl. Verfügung aus Bayern. Wie aus derselben hervorgeht, liegt ihr eine Anordnung der Centralstelle, hier des Kgl. Staatsministeriums des Innern zu Grunde. Ganz so war es 1884, als zunächst für Kleinvieh ortspolizeiliche Vorschriften anbefohlen wurden zu dem Zwecke, daß alles Kleinvieh vor dem Schlachten zu betäuben sei. Es bedurfte damals nur einer Anregung, um — zunächst für Mittelfranken — eine Regierungs-Entschließung zu erwirken, daß bezüglich der zu schachtenden Thiere eine Ausnahme gemacht werden könne. Diese Entschließung hatte den folgenden Wortlaut: Abschrift. E 2703 Ad eum. Ansbach, 16. Februar 1884. König!. Regierung von Mittelfranken, Kammer des Innern. Betreff: Erlassung ortspolizeilicher Vorschriften über das Schlachten von Kleinvieh. Mit 1 Beilage. Die mit Randbericht vom 6. d. Mts. vorgelegte Vorstellung des Distrikts-Rabbiners Dr. R. in N. vom 4. d. Mts. folgt mit der Eröffnung zurück, daß es denfenigen Gemeinden, in welchen israel. Metzger sich befinden, durchaus unbenommen ist, von der zu erlassenden Anordnung des vorgängigen Betäubend der Schlachltlfiere das Schächten der Kälber und Schafe auszuuehmen, zumal das Schächten mit einem einzigen Schnitt mittelst eines besonders scharfen Instrumentes geschieht und daher das der Anordnung zu Grunde liegende Motiv der Verhütung von Thierqnälerei hier nicht in gleichem Grade zutrifst. gez. Frhr. von Hermann, k. Regierungspräsident. An das k. Bezirksamt Neustadt a. A. Blümlein. ergangen. Eine Eingabe beim köuigl. Staatsministerium des Innern wird ohne Zweifel wieder denselben Erfolg haben. Zu solchen Eingaben möchte ich meine bayerischen Herren Collegen in Ihrem werthen Blatte angeregt sehen. —r— Heilbronn a. N., Ende Mai. Wenn bis heute daran Umgang genommen wurde Angelegenheiten der hiesigen isrl. Gemeinde öffentlich zu besprechen, so geschah dieses aus dein Grund, daß Schreiber dieses der Meinung war, cs würde der jetzige Zustand zur Zufriedenheit unsrer Gemeinde bald seine Erledigung finden. Bis jetzt ist dies jedoch nicht geschehen und so kann ein längeres Stillschweigen schon aus dem Grund nicht mehr beobachtet werden, weil die dermaligen Zustände geradezu bedenklich werden. — Seit einer Reihe von Jahren ist unser Herr Bezirks-Rabbiner leidend, ein volles Jahr kann derselbe in keiner Weise seine Functionen mehr versehen, von April bis October v. I. war ein Stellvertreter hier und seit dieser Zeit ist sowohl die hiesige Gemeinde mit etwa 1000 Seelen, als auch der ganze Bezirk ohne geist-