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Der Israelit · 1890-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1890)
Date
1890-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI, Jahrgang. Erste Beilage )\yM 41 $c 42 bps „Israelit" &„Ieschurun". Leitender Artikel. Die Grstaitms »es GoNesdiensler in den Mischen Gemeinde». Von Jsaac Hirsch. (Schluß.) llebci die Reform des Gottesdienstes in den Badischen Gemeinden haben die Herren Synagogenräthe, Bezirksältesten und Rabbiner eben dieser Reformgemeinden in den vorliegenden Mitthetlungen selbst den Stab gebrochen. Keine Andacht, keine Erhebung, keine Erbauung, keine Thetlnahme — und als Abhilfe weitere Reformen, weitere Kürzungen, noch mehrdeutsche Gebetstücke, Abschaffung des Ehorgesanges und Ersatz durch Gemeindegesang (also wieder die Gemeinde!), Abhaltung von Synagogengesangsfesten der besten Chöre und Dirigenten (sie!) — o der Thorheit! Der Verfasser der Anmerkungen und des Nachworts zu der vorliegenden offiziösen Schrift, Herr Regierungsrath und Mitglied des Großh. Oberraths Dr. D. H. Mayer versucht in längerer Ausführung die Mängel des alten und des reformirten Gottesdienstes darzulegen und zu erklären. Wir übergehen als für den Zweck dieser Betrachtung unerheblich die in vieler Hinsicht höchst ungenaue und unrichtige „Darstellung des geschichtlichen Entwickelungsganges" des Gottesdienstes. Wir nehmen aber Vormerkung von dem Zugeständniß über die Wirksamkeit der Reformen, welches er in die Frage kleidet: „K..nn der Anblick der leeren Synagogen beim sabbatlichen Gottesdienste, der Rückgang des religiösen Lebens, die u»gescheute Uebertretung der wichtigsten Religionsgesetze in diesen Großgemeinden (es sind dieses die Reformgemeinden) zur Nacheiferung ermuntern?" Freilich meint Herr Dr. Mayer, daß diejenigen, welche also fragen, damit bekunden, „daß sie entweder die einschlägigen Verhältnisse überhaupt nicht kennen, oder, wie dies so oft bei Beurtheilung öffentlicher Zustände geschieht, Ursache und Wirkung mit einander verwechseln." Er meint nämlich, daß nicht die Neuerungen im Gottesdienste Jrreltgiösität erzeugt haben, sondern diese an der Vernachlässigung des Gottesdienstes schuld sei. Was Herr Dr. Mayer zum Gegenstand seiner Widerlegung macht, ist unseres Wissens überhaupt nicht der gegen die Reform erhobene Einwand. Man hat von orthodoxer Seite die Reform des Gottesdienstes bekämpft, weil sie gegen das Religionsgesctz verstößt. Man hat keineswegs, wie er annimmt „Ursache und Wirkung mit einander verwechselt." Die Reform ist das Produkt der Irreligiöfität. Gewissenlose Rabbiner und Lehrer haben sie sanktionirt, gedankenlose, dem Reltgionsgesetze im Leben Hohn sprechende Vorsteher und sonstige einflußreiche Männer haben sie verlangt und religiös-indifferente Gemeinden haben sie sich gefallen lassen und auf den Einspruch einer orthodoxen Minderheit keine Rücksicht genommen. So vollzog sich die Reform des Gottesdienstes in den meisten Gemeinden, und so wird es wahrscheinlich auch in dem Großherzogthum Baden der Fall gewesen sein. Sollte es hier anders liegen, so lassen wir uns gern berichtigen. Herr Dr. Mayer erinnert übrigens in einer Anmerkung selbst daran , daß in Folge der Einführung einer Orgel in die 1875 neuerbaute Synagoge zu Karlsruhe eine Anzahl Gemeindemitglieder aus der Religionsgemeinschaft ausgetreten sind und sich zu einer besondern Gemeinde konstituirt haben. Herr Dr. Mayer glaubt die Reform gegen ungerechtfertigte Vorwürfe dadurch in Schutz genommen zu haben, daß er daruus hingewiesen hat, wieso nicht sie die Jrreligiösität erzeugt habe, sondern diese in äußeren Verhältnisse wurzle. Er täuscht sich aber. Wenn er der Reform wirklichen Schutz angedeihen lassen will, so muß er den Nachweis erbringen, daß sie mit dem Religionsgesetze nicht in Collision sich befindet und zur Hebung der gesunkenen Gesetzestreue geführt habe. Beides ist unmöglich und darum ist die Reform des Gottesdienstes der 37 badischen Gemeinden gerichtet. Wir können auch nicht die von ihm des Weitern dargelegten Ansichten über die Gestaltung des Gottesdienstes theilen. Er sucht nach Reizmitteln, um den leeren Synagogen der Reform ein Publikum zuzuführen. Als ein solches gilt ihm vor Allem Abwechslung der Gebetstücke und Gesangsweisen. Er wünscht deßhalb ein reichhaltiges Repertoir für den Vortrag der Gesänge und eine nicht minder reichhaltige Variation der deutschen Gebete. Er meint, daß die Gemeinde der

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