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Der Israelit · 1890-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1890)
Date
1890-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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-52 Die Mutter erhob sich und drückte die Verbindungsthür fester in's Schloß; dann ließ sie sich wieder am Tische nieder und blickte forschend zu ihrem Gatten hinüber. „Weßhalb hast Du in solch' eigenthümlicher Weise zu Max gesprochen?" fragte sie endlich. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und schien mit Absicht ihrem Blicke nicht begegnen zu wollen. „Ich weiß nicht, was Du meinst — entspricht denn das, was ich ihm gesagt habe, nicht auch Deiner Ansicht?" Sie schüttelte den Kopf. „Bis vor Kurzem warst Du auch nicht dieser Ansicht, sondern hast es ebenso wie er und auch ich als selbstverständlich betrachtet, daß Bella einmal seine Frau wird. Haben wir nicht noch neulich davon gesprochen?" „Ja, wohl — gewiß — Du hast recht, ich habe den wackeren Jungen lieb, und wenn er schon jetzt im Stande wäre, eine Frau zu ernähren, so könnten sie meinethalben morgen Hochzeit machen." „Aber wo steht denn geschrieben, daß Bella gerade zu achtzehn Jahren sich verheiraten muß?" „Das steht allerdings nirgends geschrieben", entgegnete er mit erzwungenen! Lächeln, „aber ich kann es nicht leugnen, wenn sich eine in jeder Beziehung gute Partie für sie finden würde, daß ich mich sehr freuen würde, wenn wir sie recht bald verheirathen könnten." Sie schüttelte abermals den Kopf. „Der Ansicht warst Du früher nicht." Er athmete tief auf. „Mag sein, daß ich früher nicht ganz so gedacht habe. — „Aber ich bitte Dich, zu bedenken, wir leben, um mich eines vulgären Ausdruckes zu bedienen, von der Hand in den Mund — mein Gehalt bei Gebrüder Maier ist unser einziger Erwerb — und — bedenke — -ich bin kein Jüngling mehr — wenn ich fyrnte meinen Posten verlieren würde, ich wäre rathlos, ich wüßte nicht, von was wir leben könnten. — Wäre es für einen solchen Fall nicht ein großer Trost für uns, wenn Bella gut versorgt wäre?" Frau Bärwald wechselte die Farbe. „Ist Deine Stellung bei Gebrüder Maier gefährdet?" fragte sie gepreßt. „Meine Stellung bei ihnen ist nicht gefährdet — ob aber ihre Stellung fest ist?" — er zuckte die Achseln. „Weißt Du denn nicht, daß in jüngster Zeit fast tagtäglich mehrere Firmen fallen, die man stets für solide gehalten hat?" Seine Frau war leichenblaß geworden. „Und Du glaubst, daß —" „Ich weiß in der That selbst nicht, was ich glauben soll", erwiderte er schwer Athem holend. „Das Geschäft der Gebrüder Maier an und für sich ist ein reelles, aber — ein Falliment zieht das andere nach sich — wenn man ihnen nicht zahlt, wie können sie zahlen? — sie haben in jüngster Zeit furchtbare Verluste erlitten — ob sie sich werden halten können?" — er zuckte abermals die Achseln. „Doch hoffen wir das Beste, Du hast mich doch immer einen Schwarzseher gescholten, vielleicht sehe ich auch jetzt zu schwarz. — Und übrigens, wenn ein Ereigniß eintreten sollte, dem wir nicht Vorbeugen können — so wird Gott uns weiterhelfen, laß' uns fest auf Ihn vertrauen."^ Er war aufgestanden und hatte ihr die Hand gereicht, die sie mit Innigkeit drückte. „Du wirst mich nicht kleinmüthig finden", sagte sie leise aber mit Bestimmtheit. „Davon bin ich überzeugt", entgegnete er in demselben Ton. „Doch es wird Nacht, es ist Zeit in die Synagoge zu gehen. (Fortsetzung folgt. „ Israel«" und „Jeschurnn" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch freu Buchhandel zu beziehe» bei E. L. Steinackrr, Leipzig. ZLoßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaktenc Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Direete Francozusendnng unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einznsenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Der augenblickliche Stand der Schechita-Angelegenheit. — Die Gestaltung des Gottesdienstes in den badischen Gemeinden. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Würtemberg. Halle a. S. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Brünn. Lemberg. — England: London. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Wallungen. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Gestaltung des Gottesdienstes in den badischen Gemeinden (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Sayn. Berlin. — Oesterr. - Ungar. Monarchie : Wien. — Afrika: Algier. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Fulda. Breslau. -- Oesterr.-Ungar. Monarchie: Aus Brünn. — Asien. Inhalt der belletristischen Beilage: Der jüdische Friedhof in Newport. — Pfeil und Pfeil. — Hagbaha (Abbild.) Feuilleton: Eine alte Geschichte. — Preisräthsel :c. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Perantwoiiliche Redaction: Oscar Lehmanil in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschurun" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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