Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1890)
- Date
- 1890-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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751 lieber Max — es ist mir nicht unwillkommen, einmal offen mit Dir darüber zu sprechen. — Bella ist erwachsen, ist bereits heirathsfähig -- Du bist auch erwachsen, aber heirathsfähig noch lange nicht — um fähig zu sein, heirathen zu können, müßtest Du vor allem im Stande sein, eine Familie zu ernähren — und das bist Du gegenwärtig noch nicht — und es können noch Jahre vergehen, bevor Du es wirst." Glühende Röthe überzog das ausdrucksvolle Angesicht des jungen Mannes. „Onkel!" flüsterte er bittend. „Ich sage nicht, daß noch Jahre vergehen müssen, bevor Du daran denken kannst, Dich zu verheirathen — aber ich sage, es können noch Jahre bis dahin vergehen. — Wann wirst Du Dein Staatsexamen machen?" „Im nächsten Jahre, Onkel, das schwöre ich Dir." „Also in einem Jahre wärest Du mit Deinem Studium fertig — wieviel Jahre aber vergehen werden, bevor Du in die Praxis kommst? — wer kann das wissen? — Wäre ich im Stande, Bella eine Mitgift zu geben, von der Ihr leben könntet, solange Du keine einträgliche Praxis hast, so würde ich Dir mit Freuden ihre Hand Zusagen, vorausgesetzt, daß sie einverstanden wäre — so aber —" „Sie ist erst achtzehn Jahre alt, Onkel", sagte Max bittend, „muß sie denn da schon heirathen?" „Ich habe nicht gesagt, daß sie jetzt schon heirathen muß, aber ich habe gesagt, daß sie schon heirathen könnte, und daß, wenn sich eine in jeder Beziehung gute Partie für sie darbietcn würde und sie einverstanden wäre, wir sie nicht hindern dürften." Max athmete schwer und fuhr sich wiederholt mit der Hand durch das Haar. „Aber Ihr werdet sie nur dann verheirathen, wenn sie einverstanden wäre? — zwingen werdet Ihr sie nie?" „Wo denkst Du hin, in dieser Beziehung kannst Du ruhig sein — ich würde mir sogar ein Gewissen daraus machen, ihr auch nur zuzureden zu einer ihr mißliebigen Verbindung." „Ich hätte es demnach einzig und allein mit ihr zu thun." „Einzig und allein mit ihr," wiederholte Värwald. „Doch mache ich eines zur Bedingung. So lange Du nicht Dein Examen hinter Dir hast und wenigstens einige Praxis hast, so lange darfst Du mit ihr nicht vom Heirathen sprechen." „Nicht einmal davon sprechen, Onkel? — das ist hart." „Ich muß darauf bestehen. Ein Jahre langer Brautstand taucht nichts. Wer kann in die Zukunft blicken? — wer kann wissen, wie die Verhältnisse sich gestalten werden? — Ich wünsche Dir zwar alles erdenklich Gute — aber kann ich wissen, ob es Dir in einigen Jahren gelingen wird, eine einträgliche Praxis zu erlangen? — Sollte das nicht der Fall sein, so könnte es auch Dir wünschenswert erscheinen, Dich mit einem vermögenden Mädchen zu verbinden oder mit einem Mädchen, durch dessen Verbindung Du in die Praxis kommen könntest. — Hättest Du Dich inzwischen mit Bella verlobt, so würdest Du allerdings auch einem derartigen Wunsche nicht Folge leisten. Das könnte für Dich ein Unglück sein, für Bella wäre es aber noch ein größeres." Der junge Manu hatte die Lippen fest aufeinandergepreßt und blickte düster zu Boden — wenn er es auch für unmöglich hielt, die Verbindung mit einer anderen als mit seiner Cousine je wünschenswert finden zu können, alles was sein Onkel da gesagt hatte, vermochte er dennoch nicht zu widerlegen. Bärwald blickte mitleidig zu ihm hinüber. „Max, mein Junge — ich denke, wir verstehen einander." Max ergriff die ihm dargebotene Hand und drückte sie mit Heftigkeit. Plötzlich horchte er auf, ein leichter Schritt ließ sich draußen auf der Stiege vernehmen. „Da kommt Bella," murmelte er, „ich kann im Augenblick nicht ruhig mit ihr sprechen. — Adieu!" Er drückte den Hut in die Stirn und verließ hastigen Schrittes das Zimmer. Gleich darauf öffnete sich die Thür abermals und Bella trat mit freundlichem Gruße zu den Eltern. „Aber nm's Himmclswillen, was ist's denn mit dem Max? er ist an mir vorübergerannt und hat mich kaum gegrüßt und als ich ihn darauf gerufen habe, hat er sich nicht einmal umgedreht." Die Eltern sahen einander an. „Er hat davon gesprochen, daß er im nächsten Jahre sein Staats-Examen machen wolle, und da hat ihm der Papa einiges gesagt, was ihm nicht gefallen zu haben scheint." „Ach so", lachte Bella, „Du hast ihm gewiß gesagt, daß, wenn er fleißiger gewesen wäre, er es schon in diesem Jahre hätte machen können. Das habe ich neulich ihm auch gesagt, aber davon will er nichts hören, dann macht er ein brummiges Gesicht und läuft davon." Sie lachte abermals und begab sich in das anstoßende Cabinet, um ihre Toilette zu wechseln.