Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1890)
- Date
- 1890-05-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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750 Lemberg. Zum ersten Mai hat der Abgeordnete des galizischen Landtages Merunowicz, welchen die Wiener Antisemiten gern als einen der ihrigen hinstellen, im „Dziennik Polski" einen „offenen Brief" an die polnischen und ruthenischen Arbeiter veröffentlicht, in welchem sich folgender Passus findet: „Zum Schluffe mache ich Sie noch auf einen Umstand aufmerksam, welcher aller Voraussicht nach nicht in Euren Intentionen liegt, bei dessen Eintreffen aber auch gegen Euren Willen die moralische Verantwortung auf Euch fallen müßte. Namentlich denke ich an die Möglichkeit, daß am ersten Mai Ausschreitungen gegen Juden Vorkommen könnten. Das, was in Wien, Mährisch-Ostrau und Biala möglich war, kann auch bei uns eintreffen. Der Antisemitismus hat sich dort hinter den Socialismus versteckt und daraus entstanden die blutigen Excesse. Es ist mir unverständlich, welcher logische Zusammenhang bestehen kann, zwischen dem Antisemitismus, welcher seine Quelle in nationalem Hasse und Racenhasse hat, und dem Socialismus, welcher keine nationalen Unterschiede kennt. Ich würde es aber als ein großes Unglück ansehen, wenn gleichzeitig mit Eurer socialistischen Agitation auch der raubsüchtige deutsche Antisemitismus zu uns herübergeschmuggelt würde, welcher seinen Grund hat einzig und allein in verächtlichem, niedrigem, materiellen Neide. Nichts erschwert und compromittirt mehr die Bestrebungen nach einer gerechten und daher einzig wirksamen Lösung der jüdischen Frage, als derartige Straßenexceffe. Solche Probleme werden durch Excesse nicht gelöst." England. London. Die hiesige Hambro-Synagoge, eine der drei Synagogen, welche sich unter dem Rabbiner Salomon Hirschel y": zu einem gemeinsamen Rabbinate vereinigten, befindet sich in nicht ganz günstiger Finanzlage, so daß schon deren Eingang in Erwägung gezogen werden mußte. Der bewährten Hochherzigkeit des Herrn Samuel Montagu, Mitglied des Parlaments, ist es zu danken, daß dieses Verhängniß von dem ehrwürdigen Gotteshause abgeweudet worden ist. In der Vorstandssitzung vom 11. d. M. spendete dieser edle Mann der Gemeinde den Betrag von Lst. 500 — zur Aufbesserung ihrer Verhältnisse. Möge die Hambro Synagoge noch lauge der althergebrachten Gottesverehrung erhalten bleiben, wie sie bis jetzt keinerlei gesetzwidrige Veränderungen angenommen hat. P a l ä st i n a. Jerusalem. Anfangs t'n wurde dahier mit den ohsdh um den verstorbenen Herrn Rabbiner Dr. Lehmann begonnen. Den Reigen eröffuete der gefeierte Rabbi Abraham Aba in der Synagoge nrnirn apy rro r6nn nwan rva TDnn nw iw, der ein ergreifendes Lebensbild des Verewigten b"# entwarf und seine Kämpfe als nwa» 'n nonVo orrto >ox ir in Deutschland hervorhob, wobei Niemand ungerührt und kein Auge thränenleer blieb. In der Synagoge der Blumenthal'schen Schule hielt der Oberlehrer und Leiter der Schule, R. Jos. Chaim Prag ein nson, wie auch in der Synagoge der ü’ti mm m'tn, der mi ro’P’ Rabb. Jsak Winograd. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Frau Bärwald blickte abermals auf den Gatten, was der junge Mann da sagte, entsprach allerdings den Thatsachen. Sie hatte in der That längst seine innige Neigung für ihre Tochter errathen und hatte auch schon öfters mit ihrem Manne darüber gesprochen — sie hielt sich auch überzeugt, daß Bella die Neigung ihres Vetters erwidere und hatte daher in ihm längst den künftigen Gatten derselben erblickt. — Sie verstand Bärwald heute nicht und er vermied es auch, ihrem Blicke zu begegnen. „Lieber Max", wandte er sich an diesen, „Du hast ganz recht, wir haben Deine Neigung für unsere Bella längst errathen und haben dieselbe auch nicht mißbilligt." „Aber woher denn mit einemmal dieser plötzliche Umschwung?" „Es ist kein eigentlicher Umschwung, am allerwenigsten ein plötzlicher." „Aber wenn der Maierhof nicht am Sabbat sein Geschäft offen hätte, so hättet Ihr seinen Antrag angenommen." „Wenn Bella einverstanden gewesen wäre, allerdings — wir wären dazu verpflichtet gewesen, denn wir müssen unser Kind doch versorgen — Du weißt, wir können ihr keine Mitgift geben." „Ich würde auch keine Mitgift verlangen", murmelte der junge Mann. „Das weiß ich," versetzte sein Onkel, „aber