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Der Israelit · 1890-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1890)
Date
1890-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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748 eine klangvolle Musik, eine formgerechte Predigt — ohne religiöses Leben, ohne Bethätigung der von Gott gebotenen Pflicht, ohne Kenntniß und Verständnis; für die heiligste, die einzige Ausgabe des Juden. O, der Thorheit! Wenn der Fürst sein Heer um sich schaart und aus tausend Kehlen ihm die begeisterte Huldigung seiner Mannen im lauten Hurrabruf entgegenschallt, dann ist ihm dieser mächtige unharmonisch klingende Ruf weit willkommener, als wenn statt dessen ein nach den Regeln der Harmonielehre sorgfältig abgestimmter und einstudirter Akkord ihm von der Musikkapelle vorgetragen wird. Er hört in dem vieltausendstimmig unharmonischen Ruf seines Heeres das einmüthige begeisterte Gelöbniß der Treue und des Gehorsams, und diese Harmonie der tapfern Herzen ist ihm werthvoller und willkommener als jene Harmonie der Töne. Und da vermeinen die blöden Menschen, Gott sei der wohl eingeübte kunstvolle Gesang der feinen Herren und Damen unter den rauschenden Akkorden der kostbaren Orgel angenehmer, als der laute unharmonische Ruf der Alten, in welchem sie unbekümmert um die musikalischen Gesetze das Schema und die Keduscho u. s. w. erschallen ließen!?- (Schluß siehe erste Beilage). Zeitungsnachrichten und Correspondenzcu. Deutschland. Mainz, 22. Mai. Heute Nachmittag traf Herr Dr. I. Bondi aus Wien, der neuerwählte Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft, in hiesiger Stadt ein. In Darmstadt von einer Deputation des Vorstandes und Ausschusses, welche ihm dahin cntgegengereift, begrüßt und am hiesigen Centralbahnhof von einer anderen Deputation und von Mitgliedern der Gemeinde feierlich empfangen, fand Abends 7 Uhr in der hellerleuchteten und blumengezierten Synagoge die Einführung desselben in sein Amt statt. Nachdem das nmv-Gebet verrichtet, zog Herr Rabbiner Dr. Bondi vom Vorstande und Ausschuß begleitet, unter den Klängen des vom Chor gesungenen xan *]na, in das Gotteshaus ein. Der Präses des Vorstandes, Herr Leo Leser richtete zunächst an den Rabbiner eine Ansprache, in welcher er die Hoffnung und Erwartung aussprach, daß Herr Dr. Bondi dem Beispiele seines großen Vorgängers, Herrn Dr. Lehmann *?"» folgend, in Wort und That eine ersprießliche und segensreiche Wirksamkeit für die religiösen Interessen der Religionsgesellschaft und deren Institutionen entfalten und namentlich der Unterrichtsanstalt seine besondere Sorgfalt widmen möge. Herr Dr. Bondi hielt hierauf seine Antrittsrede und betonte, daß er in tiefer Wehmuth die Kanzel betrete, von wo aus sein theurer und unvergeßlicher Lehrer, Herr Dr. Lehmann Wt, in beredter Weise zu seiner Gemeinde gesprochen; er (Dr. B.) habe gehofft, wenn er als Rabbiner in Amt trete, noch eine Reihe von Jahren der Rathschläge und Lehren Dr. Lehmann's sich erfreuen zu dürfen, rpm ■fexa mos -iipn wen nn; nach Gottes weisen Rathschlüssen aber sei er zu frühe für ihn, seine Gemeinde und das ganze Jüdenthum von seiner irdischen Laufbahn abberufen worden. Der großen Verantwortlichkeit sich bewußt und von der schweren Aufgabe durchdrungen, die seiner als dem Nachfolger eines so großen und weltberühmten Mannes harret, wisse er wohl, daß er die durch Dr. Lehmann's Tod entstandene große Lücke nur schwer und in ihrer Ausdehnung nicht ganz auszufüllen im Stande sein werde, denn nicht Jeder besitze Dr. Lehmann's Geistes- und Thatkraft; doch aber bringe er in seinem Amte und in der Gemeinde, wo der große Mann nicht mehr weilt, &' x Dipoa, das ernste Bestreben mit, ein Mann zu sein, tc^x nrnh hnrn; er werde mit all seinem Wollen und Können die ihm als geistlicher Führer anvertrante Gemeinde, in welcher von jeher seine berühmten Vorfahren segensreichen Einfluß ausgeübt und die Fahne der min hochgehalten haben, und in der seinen heiligen Beruf auszuüben er darum um so mehr sich freue, auf dem richtigen Pfade nach den Vorschriften unserer heiligen Religion zu leiten und zu lenken sich bemühen. Redner schloß seine mit großem Beifall aufgenommene Predigt mit einem Gebet, in welchem er den Segen Gottes für den Großherzog und die Großherzogl. Familie, die Staatsregierung, die Regierungs- und Stadtbehörden, die Vorsteher und Mitglieder der Religionsgesellschaft erflehte. Nachdem vom Chor der 150. Psalm gesungen, war mit dem a'ipv-Gebete die erhebende und auf die zahlreiche Zuhörerschaft ihren tiefen Eindruck nicht verfehlende Feier beendigt. Aus Württemberg, im Mai. Veranlaßt durch die in Ihrem geschätzten Organe kürzlich veröffentlichte Mittheilung aus Laupheim gestatte ich mir eine kurze Schilderung der religiösen Zustände in vielen württembergischen Landgemeinden. Hat sich doch gerade in Württemberg die Reform der kräftigsten Unterstützung seit Jahrzehnten zu erfreuen,

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