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Der Israelit · 1890-05-22 · Heft 40 (22.5.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 40 (22.5.1890)
Date
1890-05-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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l.-fe1 ■ V'" * Ulf - - .-,#.;.4>.^^v WI _,ij.^»^v,>.>...>.^,y .jq, e^sk- .- —' ",-7 '-- -- ' ->'' ---•;.--* 7.'7 -30 einer befriedigenden Erklärung dieser Schwierigkeiten führen. Es war eine ungewöhnliche Zeit, in welche das Auftreten Jecheskels fiel. Das schwere Verhängniß, welches längst vorher über Volk und Land, über Staat und Tempel verkündet worden war, ohne daß diese Verkündung Beachtung gefunden hätte, begann in Jecheskels Tagen sich in erschütternder Weise zu verwirklichen. Der König Jehojachin und die ganze königliche Familie, die gesummte Einwohnerschaft Jerusalems, zehntausend Kriegshelden und alle Fürsten nebst den Edelsten und Weisesten des Volkes wurden in die Verbannung nach Babylon verwiesen. Im heiligen Lande war nur ein verarmtes Landvolk verblieben, über welches Nebuchadnezar den Oheim des entthronten Königs Jehojachin als König einsetzte. Unter den Verbannten befand sich auch Jecheskel. Was die Propheten seit Moscheh drohend verkündet, was die Verblendung des Volkes und der Fürsten bezweifelt, verlacht und als Unmöglichkeit verhöhnt hatten, es war jetzt eine bittere Wahrheit geworden. War es vor der Katastrophe die Aufgabe eines Jirmijahu dieselbe zu verkünden, so war nach ihrem Eintritt die Sendung Jecheskels die davon Betroffenen zu trösten und aufrecht zu halten, daß sie nicht unter der Wucht ihres thräncnreichen Geschickes erlagen. Jecheskels unmittelbarer Vorgänger war Jirmijahu, nach der Ueberlieferung war er sogar sein Vater.*) Von Jirmijahu wissen wir, daß seine Prophetie mit dem dreizehnten Regieruugsjahr des Königs Joschijahu begann (Jirmijahu Cap. 1, 2.) Von diesem Zeitpunkt zählt Jirmijahu auch später die Jahre seines Auftreten als Prophet (ibiä. Cap. 25.) Joschijahu regierte 31 Jahre: Vom Auftreten Jirmijahus im 13. Negierungsjahre bis zum Tode Joschijahus waren somit 18 Jahre verflossen. Elf Jahre regierte dann Jehojakim, bei dessen Tod somit 29 Jahre seit Beginn der Jeremianischen Prophezeiung vergangen waren. Auf Jehojakim folgte Jehojachin als König, in dessen erstem Regierungsjahre die Verbannung nach Babylon erfolgte, die auch der Prophet Jecheskel theilte. In diesem Jahre waren somit genau dreißig Jahre *) Rabbi Elieser Aschkenasi, dem die folgende Erklärung der Worte njttf D't£6t£G TH entnommen ist, bemerkt in seinem '71 'ü/yD 'D 1. Th. Cap. 10 von Jirmijahu 7K' 728 nTUT 7"n n72p ’DD bNpTrr. Wo sich die Quelle für diese Angabe findet ist mir nicht bekannt. Vielleicht ist einer der geehrten Leser in dieser Lage Näheres darüber mitzutheilen. seit dem Augenblick verstrichen, in welchem die Katastrophe zum ersten Male durch Jirmijahu verkündet wurde. Nach diesen Voraussetzungen dürften die Worte n^nn -pm ’jni rw d’b6bo »m die ganze Seelenstimmung des Propheten beim Beginn seiner Sendung widerspiegeln. Was der Vater dreißig Jahre früher verkündet, was alle Welt als Ausgeburt eines trübseligen Pessimismus dreißig Jahre lang bespöttelt hatte, an ihm, dem Sohne hatte sichs erfüllt. Der Vater hat die Verbannung drei Jahrzehnte vorher prophezeit, der Sohn hat sie an sich erfahren und so das väterliche Wort eingelöst. In diesem ersten Jahre der Verbannung beginnt aber die prophetische Mission Jecheskels noch nicht. Es war noch kein göttliches Wort an ihn ergangen, nur der Himmel hatte sich ihm am Strome Kebar geöffnet und ließ ihn die Erscheinungen Gottes schauen. Erst ein Lustrum später, im fünften Jahre der Verbannung in demselben Monat 'n rm ward ihm das Wort Gottes, dessen Inhalt im zweiten Kapitel folgt. Alljährlich, wenn daher das Fest wiederkehrt, in welchem sich dem ganzen um den Sinai geschaarteu Volke einst der Himmel öffnete und Gott sein Wort der Erde offenbarte, wird uns mit beit ersten Worten der Prophetie Jecheskels die Ueberzeugnng von diesem Bande, das Himmel und Erde, Gott und die zu ihm empor blickenden Menschen, verbindet, immer wieder aufs neue belebt. Handelt es sich ja nicht so sehr darum, das abgeschlossene, geschichtliche Faktum der Gesetzesoffenbarung am Sinai zu verewigen, als immer frisch die Ueberzeuguug in uns zu festigen, daß in jedem Worte der Thora, das zu uns spricht, sich Gott noch heute offenbart. Wie wir Gott als demjenigen huldigen, nwn ntpyD Ton dt ba iaiöa «nnon, der in seiner Güte das seit Jahrtausenden ins Dasein gerufene Schöpsungswerk täglich neu verjüngt, wie unser tägliches Erwachen au jedem Morgen uns zu lauten Herolden der Gotteshuldigung macht: o’ttHn irmvtt nm onpa^ „Neu mit jedem Morgen, groß ist Deine Treue;" so soll auch für dieses täglich neu geschenkte Leben, das Gesetz dieses Lebens in unverwelklicher Frische uns dasteheu. Tn’ dt ^>aa D’tnna “pW- Wohl hat vor mehr als 3200 Jahren Gott uns erwählt von allen Völkern, hat uns sein Gesetz gegeben und damit ewiges Leben in unseren Reihen gepflanzt, wie wir dies in der Beracha über die Thora aussprechen: D’oyn ua nna nDN min jmi aber in Wirklichkeit gibt Gott ' noch heute jedem Einzelnen die Thora, der sich

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