Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1890)
- Date
- 1890-05-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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728 „Wißbegierig, lieber Onkel, die Tante hat es gesagt. — Aber wenn ich Bella's Namen bei irgend etwas nennen höre, dann bin ich sogar auch neugierig zu wissen, um was es sich handelt. — Darf ich es nicht wissen, liebe Tante?" „Warum denn nicht? — Dir gegenüber brauchen wir kein Geheimniß daraus zu machen. Der Löwi hat im Auftrag des Maierhof um Bella's Hand angehalten." Ein halbunterdrückter Schrei entfuhr den Lippen des jungen Mannes, sein sonst so frisches, blühendes Gesicht war leichenblaß geworden. „Und Ihr?" stammelte er. „was habt Ihr geantwortet?" „Daß Maierhof sein Geschäft am Sabbat offen hat, daß wir daher auf seinen Antrag nicht eingehen können." „Gott sei Lob und Dank!" sagte Max tief aufathmend, während die Farbe in seine Wangen zurückkehrte, „das war ein Schrecken, den vergeh' ich in meinem Leben nicht." Um Värwald's Lippen spielte ein trübes Lächeln, während er mit einem gewissen lauernden Blick den Neffen beobachtete. „Ich muß gestehen", sagte er, „da ich nicht wußte, daß Maierhof am Sabbat offen hat, so war mir im ersten Moment der Antrag sehr sympatisch. — Maierhof hat in der Geschäftswelt einen ausgezeichneten Namen und ich habe ihn auch für religiös gehalten." „Er mag es auch früher gewesen sein", fiel seine Frau ein, „wenigstens hatte er früher sein Geschäft streng geschlossen, sowohl an Sabbat als an Feiertagen; erst seitdem er es so sehr vergrößert hat, hat er es auch am Sabbat offen." „Schade, Schade!" sagte Bärwald. Der junge Mann wechselte wiederholt die Farbe. „Was bedauerst Du so sehr?" fragte er mit leicht vibrirender Stimme, „daß ein Mann, den Du für religiös gehalten hast, sich nicht als religiös erwiesen, oder daß Du seinen Antrag hast zurückweisen müssen?" „Beides. — Es tfjut mir jedesmal wehe, wenn ich sehe, daß ein Jude den Sabbat entweiht, aber von Maierhof thut es mir doppelt leid, denn, wie gesagt, es wäre eine ausgezeichnete Partie gewesen." Max preßte die Lippen aufeinander. „Liegt Euch denn so sehr daran, Bella bald zu verheirathen?" „Warum nicht? — sie ist achtzehn Jahre alt." Max sprang auf, cs war ihm unmöglich länger ruhig zu sitzen, in heftigster Erregung rannte er im Zimmer auf und nieder, fuhr sich bald mit den Händen durch die Haare, bald über die Stirn. Frau Bärwald warf einen vorwurfsvollen Blick auf den Gatten. „Warum quälst Du ihn?" fragte sie. Er zuckte die Achseln. „Also wenn sich eine sogenannte gute oder ausgezeichnete Partie darbieten würde, so würdet Ihr Bella verheirathen?" „Warum denn nicht?" „Warum denn nicht?" widerholte er wild, „warum denn nicht?" Er stampfte zornig mit dem Fuße — dann aber besann er sich. „Berzeihnng!" bat er, „ich weiß ja selbst nicht, was ich thue. — Aber — aber — ich hatte es von jeher als selbstverständlich betrachtet, daß Bella einmal mein würde - ich hatte immer geglaubt, daß Ihr meine Neigung längst errathen — und hatte mir geschmeichelt, daß Ihr sie auch billiget." (Fortsetzung folgt.) .JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch der« Buchhandel zu be)irhrn bet E. F. Stetnacker, Leipzig, Doßplay 16. — Inserate 25 Pfennigs die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francoznsendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitende Artikel: Sprüche der Väter. — Dr. Israel Hildesheimer '"j. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. Köln. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Weihenbach. — Afrika: Tunis. — Feuilleton: Waltungen. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Jecheskel. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt. Berlin. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Pesth. — England: Portsea. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Gollantsch. Pleschen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — England: London. — Amerika: New-Aork. Eincinatti. Inhalt der belletristischen Beilage: Eine Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden. (Mit Abbild.) — Eine Thorarolle. — Das Fest des Rabbi Schimon in Smyrna. — Räthsel k. _Inhalt der Extra-Beilage: Hotel Goldschmitt in Travemünde. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschurun" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Jo h. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilagen.