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Der Israelit · 1890-05-22 · Heft 40 (22.5.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 40 (22.5.1890)
Date
1890-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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726 in tiefer Unkenntniß dahinlebenden Gliedern des dortigen Judenthums die Mittel der Geistes-Erhellung. So mancher eifriger Jüngling mit natürlichen Anlagen begabt wird Dank solcher Munificenz ein nützliches Glied seiner engeren Heimath nicht allein, vielmehr auch weiterer Kreise, während unter weniger günstigen Umständen seine Anlagen verloren gegangen wären. Jndeß wird mit der Etablirung von Anstalten für öffentlichen Unterricht wohl manches geleistet zu Nutz und Frommen einer tief gedemüthigten, ungebildeten Bevölkerung, ihr geistiges Niveau wird erhöht, noch lange aber nicht sind hiermit die Aufgaben gelöst, welche ein praktisches Eingreifen zu Gunsten der vollen bürgerlichen Gleichstellung entschieden verlangt. Man wird nicht leugnen können, daß dieselbe vorbereitet und gesichert wird, wenn die bis dahin in bürgerlichen Berufszweigen nur beschränkt wirkenden allen solchen zugeführt werden. Sie sollen dem öffentlichen Leben voll und ganz angehören, damit endlich die Anklagen verstummen, daß der Jude nur zum Schacher fähig, in den ihn doch einzig und allein politische Engherzigkeit gezwängt. Wir meinen, daß eine Beschäftigung der Juden im Orient mit Ackerbau, Viehzucht und verwandten Berufsarten von erfrischender Wirkung auf ihren Geist und Körper wäre, ans sie, welche in ihrer Mehrzahl das Jahr hindurch in der Werkstatt verkümmern, ohne daß ein befriedigender Erwerb ihren Fleiß lohnte. Seltsamer Weise haben diejenigen, welche sich so gerne das Wohl ihrer Glaubensgenossen angelegen sein lassen, dies Moment noch nicht gen.'gsam gewürdigt; denn anders müßte man erwarten, daß die Alliance in ihren Bestrebungen sich nicht auf Etablirung von Unterrichts-Anstalten beschränken würde. Der Kaufmansstand und noch mehr der Handwerkerstand finden hier so zahlreiche Vertreter in unseren Glaubensgenossen, daß er häufig genug seinen Mann nicht ernähren vermag. Ich verweise nur aus die Hauptstadt Tunis selbst, wo das Elend acut genug auftritt und weder durch Schulen noch durch Almosen gemindert, geschweige denn gehoben werden kann. Die Lage der Gemeinden gestaltet sich vor allen Dingen durch die wirthschaftlich mißliche Lage ihrer Glieder zu einer schwierigen, ja ist zu einer Plage herangewachsen. Wir mit unseren abendländischen Augen sehen da schärfer und werden ob des entsetzlichen Elends von einem Grauen befallen; die morgenländische Indolenz gepaart mit jenem Fatalismus lindern freilich die Leiden der Aermften. Die Zahl der Juden in Tunis dürste sich auf ca. 60000 Seelen belaufen, wovon etwa zwei Drittel in der Landeshauptstadt selbst wohnen, ferner sind sie in größeren Gemeindeverbänden anzutreffen in den Küstenplätzen Susa, Sfaz, Gabes und auf der Insel Dscherba. Weniger lieben sie die Seßhaftigkeit im Innern, wo die Araber, unbeachtet von Europäern, vor den gröbsten Thätltchkeiten nicht zurückschrecken. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Herr Löwi rieb sich die Stirn. „Lieber Herr Bärwald, Sie müssen doch bedenken, ein Geschäft von der Ausdehnung des Herrn Maierhof's — da ift's leicht gesagt, daß er's am Sabbat schließen soll — aber bedenken Sie nur, was das heißt — das heißt, er soll auf den sechsten Theil von seinem Verdienst verzichten." „Das ist bei allen Geschäften der Fall." „Nicht bei allen, bitte sehr um Entschuldigung, durchaus nicht bei allen." „Bei den meisten jedenfalls. Uebrigens ist es vollständig gleichgiltig, ob alle Geschäfte, die am Sabbat geschlossen haben, auch den sechsten Theil des Verdienstes einbüßen oder nicht. Thatsächlich ist es verboten am Sabbat das Geschäft offen zu haben. Und darum —" „Und darum sollte Ihre schöne, liebenswürdige Tochter darauf verzichten müssen, in so glänzende Verhältnisse zu kommen V — Lieber Herr Bärwald, bedenken Sie, was Sie thun — so schön und liebenswürdig Fräulein Bella auch ist, ob ihr zum zweitenmal etwas in jeder Beziehung so Ausgezeichnetes, Glänzendes geboten wird? —" „Sie wird sich mit etwas weniger Glänzendem begnügen." „Das sagen Sie, Sie haben gut reden." Bärwald lächelte. „Das würde auch meine Tochter sagen, davon bin ich fest überzeugt. — Und übrigens, wenn ich mich geirrt hätte, wenn meine Tochter nicht so denken würde, dann erst wäre ich doppelt verpflichtet, sie unter keiner Bedingung einem Manne zu vermählen, der den Sabbat entweiht." „Sehen Sie, da haben Sie ein wahres Wort

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