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Der Israelit · 1890-05-22 · Heft 40 (22.5.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 40 (22.5.1890)
Date
1890-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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725 der Harmonie der verschiedenen Konfessionen ab. Tee Verein des ehemaligen Bürgermilitärs war durch eine große Anzahl seiner Mitglieder vertreten und führte die mit Trauerflor behangeue Vercinsfahne sowie einen prachtvollen Kranz mit. Unter Eornmando seines Präses, des früheren Hauptmanns Herrn Franz Appel stellten sich die Mitglieder vordem Sterbehause in Reih und Glied auf und als der Sarg in den Leichenwagen gehoben wurde, senkte sich die Fahne und ein großes Gefolge gab dem letzten Hamburger Krieger aus den denkwürdigen Jahren 1813 und 1814 das Geleite zur ewigen Ruhestätte. Anläßlich ihres 70 jährigen Geburtstages hat Frau Simon May Wittwe dem Pensionfonds der Lehrer der Talmud Thora-Schule die Summe von IO OOO Mark überwiesen. Köln. Herr Otto Jordan aus Koblenz hat in seinem und im Namen seiner Schwester Frau Generalmajor Freifrau v. Rössing und Frau Negierungsrath Düesberg zum Andenken an den verstorbenen Vater, Herrn Kommerzienrath Anton Jordan, dem Rabbiner Herrn Dr. Singer 500 Mk. überreicht, um sie zu wohlthäligeu Zwecken zu verwenden. O e sterr.-Ungar. Monarchie. Wcistenbach a. d. Triesting. Der antisemitische Deutsche Volksverein in Wien versendete an die hiesigen Gemeindegenoffen Einladungen zu einer Wanderversammlnug im Gasthofe „zur Weintraube" für den 15. d. M. In dieser Versammlung soll Abgeordneter Türk eine Rede halten und ein Herr- Rudolf Detz aus Weißenbach die nächsten Landtagswahlen besprechen. Am 8. d. M. fand eine Sitzung des Gemeinde-Ausschusses von Weißenbach statt, in welcher Adolph Baron Pittcl die Anfrage an den Vorsitzenden, Herrn Detz, Vater des Einberufers der Versammlung, Rudolph Detz, stellte, ob ihm von dieser Versammlung, welche eine antisemitische Demonstration in Weißenbach 'bezwecke, etwas bekannt sei. Der Vorsitzende erklärte, daß ihm von der Versammlung keine officielle Mitteilung geworden sei. Baron Pittcl stellte sodann mit entsprechender Begründung den Antrag, der Gemeinde- Ausschuß beschließe bei namentlicher Abstimmung, daß die dieser Versammlung zu Grunde liegende Demonstration nicht im Sinne der in dieser Gemeinde vorherrschenden Ansichten liege, daß die Gemeinde diesen Tendenzen vielmehr gänzlich fernstehe und daß der Wunsch zur Kenntniß der politischen Behörde zu bringen sei, daß diese Versammlung; für den Ort Weißenbach a. d. Triesting als schädlich anzusehen, daher nach Thunlichkeit zu untersagen sei. Vor der Abstimmung entfernte sich Herr Rudolph Detz, und der Antrag würde einstimmig angenommen und unterfertigt. Bezirkshauptmann Graf Auersberg iii Baden gab jedoch mit Hinweis auf das Gesetz dem Wunsche der Gemeinde nicht Folge, und die Versammlung findet demnach trotz der eclatanten Abneigung der Gemeinde-Insassen gegen die antisemitische Demonstration statt. Afrika. Tunis, im April. Man könnte versucht sein zu meinen, daß mit der Occupation Tunesiens durch die Franzosen die Gegensätze, wenn nicht ausgeglichen, so doch wesentlich gemildert worden wären, welche den Anlaß zu den ernsten Reibereien zwischen Araberthum und Judenthum so häufig boten. Leider haben sich auch bescheidenere Voraussetzungen, zu denen man sich hier berechtigt glaubte, nicht erfüllt. Der nationale Hochmuthsdüukel, der schließlich in Raffenhaß ausartete, hat bekanntlich auch die Gauen Galliens verseucht, besonders in den nordöstlichen Provinzen dieses Landes und in der Hauptstadt selbst fruchtbaren Boden gefunden. Man kann sich also nicht wundern, wenn die Sendlinge französischer Civilisation in den ihnen untergebenen Gebieten Nordafrika'S nicht das Humanitätsgesühl finden, schreienden Ungerechtigkeiten Abhilfe zu verschaffen. Der Haß fanatischer Araber wüthet nach wie vor gegen die Juden und macht sich überall ohne Scheu Luft, selbst in der Hauptstadt Tunis. Solche Gewalttätigkeiten sind da an der Tagesordnung und finden zum Theil ein beifälliges Echo bei den Angehörigen europäischer Eolonien. Ich erwähne nur die dort zahlreich ansässigen Griechen, denen in ihrem verschmitzten Geschüftswesen der Eifer und die Genügsamkeit nicht weniger als seine Redlichkeit ein Dorn im Auge ist. Ein Araber, der auf den Juden schlägt, findet stets griechische Beihilfe und ihren vereinten Anstrengungen ist es nicht zum wenigsten zuz»schreiben, wenn die Geschäftstätigkeit der Juden geschädigt wird. Der Franzose hat wie gesagt in dieser Beziehung seine Mision nicht erfüllt und steht solchen Mißhelligkeiten indifferent gegcnnüber, trotzdem die Alliance in ihren Bestrebungen dem französischen Nationalgefühl nicht wenig schmeichelt. Ihre Schulen, welche dem Wohlthätigkeitssinn der Juden der ganzen Welt ihre Existenz verdanken, schaffen gewiß so manches Gute und gewähren den bis dahin

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