Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1890)
- Date
- 1890-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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s'inkn Iabiesberichten konnte Dr. H. constatiren, baß zahlreiche Rntibiner innelhalb und anßerhalb Ungarns in seiner Jeschibah ihre Vorbildung empfangen haben. Aber auch die Zöglinge, welche ins praktische Leben traten, wirkten belehrend und bildend innerhalb ihrer Gemeinden. — Bevor die Eisenstädter Schule blühete, wurden in Ungarn Bildung und Religiosität als Gegensätze betrachtet. Die Hildesheimerische Schule hat dieser Scheidewand den Boden entzogen. Dabei entfaltete Hildesheimer auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit eine große Thätigkeit; seine Sammlungen für das heilige Land, für die Nothleidenden in Ostpreußen n. s. w. beschränkten sich nicht allein auf die lieben Getreuen, welche aro fasteten, und hat er diese Toleranz bis auf den heutigen Tag geübt. A'S am Wochenseste 69 der „Israelit" in Eisenstadt anlangte und die Nachricht brachte, daß Dr. H. zum Dirigenten des Berliner Bet-ha-Midrasch gewählt wurde, und daß daselbst eine orthodoxe Religionsgesellschaft im Entstehen begriffen sei, die Dr. Hzu ihrem Rabbiner wählen werde, da gab es in der Gemeinde zu Eisenstadt und in der 160 Häupter zählenden Jeschibah keinen einzigen Mann, der an den Abgang des Dr. H. glauben wollte. Wie? sollte der Schöpfer eines gewaltigen Werkes seine eigene Arbeit zerstören? Sollte die Jeschibah und die Partei, die in H. allein ihr Oberhaupt anerkannte, gleich einer Heerde ohne Hirten, der Auflösung preisgegeben werden? Das schien Allen, Allen undenkbar. — Doch der Zeitpunkt, Ungarn verlassen zu dürfen, ohne die Conservativen Ungarns empfindlich zu schädigen, war für Dr. H. ringetrcten, nicht minder aber auch die gebieterische Nothwendigkeit in dem emporstrebenden Berlin der Torah ein Heim zu gründen. So siel die Entscheidung zu Gunsten Berlins. Dr. H. schied, gestärkt durch das Bewußtsein der treuen Pflichterfüllung und getragen von dem zuversichtlichen Hoffen, daß Gott seinem schweren Werke, das er nunmehr in Berlin beginnen müsse, den Segen nicht versagen werde. Daß diese Hoffnungen sich erfüllt haben, das beweisen die reichen Erfolge in der Residenz des deutschen Reiches. Das Rabbiner-Seminar und die Gemeinde Adaß Jisroel mit ihrer vortrefflichen Religionsschule ruhen auf sicherer Grundlage; beide Institute haben die königliche Sanktion empfangen und erfreuen sich eines blühenden Fortschrittes, und die dankbare Mitwelt erkennt diese Erfolge freudigen Sinnes an. In dem Augenblicke, in welchem wir diese Zeilen schließen, erfahren wir, daß 36 Rabbiner angemeldet sind, um den 70. Geburtstag des jugendlichen Greises an dessen Seite zu begehen. — Gott erhalte diesen wackeren Streiter für sein ewiges Wort noch viele Jahrzehnte in unserer Mitte und lasse ihn erschauen st'L 592N12, dem der Jubilar einen Theil seines köstlichen Lebens und seiner treuen Liebe geweiht. t"dn. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu Deutschland. Mainz, 21. Mai. In der gestrigen Sitzung des deutschen Reichstags, in welcher die erste Berathung über die Abänderung der Gewerbe-Ordnung fortgesetzt wurde, erklärte Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antisemit), daß es nothwendig sei, „daß die Wohlthat der Sonntagsruhe auch den Handlungsgehilfen zu Theil werde, und dies könne nur durch den Schluß aller Geschäfte geschehen. Die Juden, welche den Samstag als Ruhetag feiern, müßten entweder durch Rabbiner einen ' Kongreß zusammenberufen, der beschließe, die Feier des siebten Tages auf den christlichen Sonntag zu verlegen, oder sie bequemen sich unseren Staatsregierungen an." Hiezu haben wir zu bemerken, daß weder die Rabbiner, noch ein von ihnen einberufener Kongreß den von Gott auf den Samstag eingesetzten Ruhetag verlegen können. Ob die Regierungsvorlage, nach welcher eine fünfstündige Ocffnung des Geschäfts erlaubt ist oder ein etwaiger Antrag auf Schließung desselben während des ganzen Sonntags, zum Gesetz erhoben wird, in beiden Fällen wird es nothwendig sein, daß dem Gesetz ein Paragraph hinzugefügt werde, in welchem deutlich ausgesprochen wird, daß den Juden, welche am Samstag ihr Geschäft geschlossen halten, gestattet wird, am Sonntag bei geschlossenem Laden ihr jüdisches Personal zu Comptoir- und anderen Arbeiten zu verwenden. Wir erlauben uns, an die „freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" die dringende Bitte zu richten, sofort die erforderlichen Schritte zu thun und nöthigenfalls die interessirten Kreise zu einer diesbezüglichen Masfen-Petition zu veranlassen. Berlin, 20. Mai- Der seit 20 Jahren bestehende und über 500 Mitglieder zählende „Humanitätsverein Gewul tauw" beging am Montag Abend in Dräsels Festsälen das Fest der Einweihung seines neuen kostbaren Banners. Dasselbe zeigt auf golddurchwirkten Felde von rothem Sammt und weißem Atlas neben dem Vereinsnamen in hebräischen Lettern zwei in einander geschlossene Hände als Symbol der Menschenliebe und die Inschrift „Humanität — Krankenpflege — Wittwentrost." Nach einleitendem Gesänge des hiesigen Gemeindechors und einer herzlichen Begrüßung der gegen tausend Personen zählenden Versammlung, durch den Vereins-Vorsitzenden Herrn Michaelis, hielt das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor unter stürmischem Beifall die zündende Festrede, anknüpfend an das Wort: „Ein jeder bei seiner Fahne und sie alle nach den Zeichen ihrer Väter." Hamburg. Dieser Tage starb hier im Alter von 101 Jahr im Altenhause der deutschisraelitischen Gemeinde David Nathan, der letzte Hamburger Veteran aus den Jahren 1813 und 14. Der Verstorbene war bis zum letzten Tage seines Lebens im Besitz voller Geisteskräfte. Die Beerdigung war eine imposante und legte ein beredtes Zeugniß von