Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1890)
- Date
- 1890-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448063--30058-2477818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Szeged 1× ep/1048127
OCR text
723 Hohenpriesters Zweck, als er das goldene Kalb anfertigte. Er nahm wahr, daß man gegen das göttliche Gesetz heimlich untreu geworden, und daß man das Volk im Verborgenen zum Abfall vom Ewigen zu verleiten suchte. Da wollte er Verführer und Verführte an den Pranger stellen, auf daß Moscheh erkennen sollte oyn yis »a, daß das Volk verwildert war. orvopa nsDtt^ prw njr© »a. Denn: Ahron hatte die Heimlichthuerei unter den Umstürzlern und Götzendienern an das Tageslicht gebracht.*) .'^q ubd yjnw inDa d’dip Dtp priori bj (Fortsetzung folgt.) I>r. Israel Kikdestieimer '"i, Rabbiner undSeminardirektor inBerlin. II. Die Schwierigkeiten, die sich der Wahl i n Eisenstadt entgegengestellt hatten, waren überwunden. . Daselbst war das Rabbinat seitdem Scheiden des berühmten Vst D?"iyD ntPD '") vakant, ein Y'a LPN") verwaltete dasselbe. Letzterer war ein Kind der Eisenstädter Gemeinde und durfte nach den in Eisenstadt heilig gehaltenen 5VpN des 0"“CTO den Rabbinerposten nicht bekleiden. Die leitenden Kreise der ungarischen Judenheit nahmen Veranlassung, die Niederlassung des ersten deutschen Rabbiners in Ungarn zu Hintertreiben. Die Neologen, die in dem Wahne lebten, die jüdischen Bürger Ungarns könnten nur durch radicale Reformen auf religiösem Gebiete, die staatsbürgerlichen Rechte erlangen, ließen die altgläubigen Rabbiner ruhig gewähren. Sie hofften über die Köpfe dieser Männer hinweg früher oder später zu ihrem Ziel zu gelangen. Schon unter dem Diktator L. Kossuth war von ihnen ein Rabbinerseminar geplant werden, dieses sollte an der Umgestaltung der ungarischen Judenheit von Oben herab arbeiten. Mit dem Sturze des Diktators wurde dieser Gedanke nicht aufgegeben; die ungarischen Juden, die an dem 48er Aufstande theilgenommen hatten, mußten eine Extrasteuer für diese Unbotmäßigkeit bezahlen. Aus diesen Fonds hoffte man die Mittel zur Gründung eines Seminars zu erlangen. Die Neolagen hatten gleichsam die Bildung in alleiniger Pacht und glaubten nun alle Hebel in Bewegung setzen zu müssen, um den Eintritt eines wissenschaftlich gebildeten, frommen Rabbiners zu hintertreiben. — Die Orthodoxen dagegen waren von einer nicht ganz unberechtigten Furcht ergriffen. Die gebildeten Rabbiner Uagarns wie Dr. Zipser in Kechniz, Löw in Szegedin und der verflossene Chorin in Arad boten ihnen ein abschreckendes Beispiel; die hebräischen Schriften der Biuristen und ihrer Nachtreter waren auch nicht so vertrauenerregend, als daß sie ohne Besorgniß aus den Neuling blicken konnten. DTU1 DIpDritP Vor Antritt seines Amtes fand H. in Wiener-Baden Gelegenheit, den Coryphäen der ungarischen Rabbinerwelt näher zu treten und daselbst den Grund zu seiner achtunggebietenden Stellung in Ungarn zu legen. Man gestand ein, daß man *) JHS hat mehrere Bedeutungen, worunter verwildern und entblößen. Vergleiche mn ptSTiD von R. Jsah Eliah Landau — Ferner R. S. R. Hirsch's Bibelcommentar z. S. Der '»DU mntPn von R. Jsah Sibenberger y*sR „leises Lispeln" '’wrtoQW ’ön nm rwt>. sich in den Voraussetzungen gründlich getäuscht hatte. Man hatte einen Mann der güldnen Mitte vermuthet, der mit aller Welt liebäugelt, um es mit Allen zu verderben, und fand einen klar ausgeprägten, in sich und seinem gründlichen Wissen wohl gefestigten Charakter. Man erging sich in die Blumengärten des Talmud, pflückte an den Fruchtbäumen der roawm, der älteren und neueren Commentatoren, und fand, daß der junge Rabbiner berechtigt sei, als Gleicher unter Gleichen zu gelten, indem derselbe neben einer ungeheuchelten Frömmigkeit, einen Schatz tiefsten Wissens in sich bürge. Hierdurch waren die ersten Berührungspunkte gegeben, man konnte sich in D’pDIDI D"LP mit ihm ergehen. So unterblieb nun auf dieser Seite — vorläufig — jedes weitere aggressive Vorgehen. Die Bestätigung der Regierung langte herab; im August hielt Dr. H. seinen Einzug in das kleine freundlich gelegene Städtchen. Aller Herzen schlugen ihm freudevoll entgegen und bald erkannte die gesammte Gemeinde, daß ein frischer Lebenshauch in die Judenstadt eingezogen sei. Die wenigen Gegner waren bald entwaffnet. Am D’aSJ 'S natP hielt.der Rabbiner seine Antrittsrede. Als Text wählte derselbe D3pa DVH Q’aStt DriN „Ihr steht heute vor Gott, Alle, vom Vornehmsten bis zum Geringsten, Alt und Jung, Häupter und Führer und die gesammte Gemeinde, um mit dem geistlichen Führer den Gottesbund zu schließen." Der Redner gelobte ein Führer und Berather, ein Leiter und Helfer Aller zu sein, allen Gemeindeinstitutionen seine Kraft zu weihen. Wie Rabbiner Dr. H ild e sheimer ''2 sein heiliges Gelübde löste, darüber gibt die Geschichte eines achtzehnjährigen, mühevollen und an Kämpfen reichen Wirkens in Ungarn Aufschluß. Hildesheimer begann sein Werk mit einem soliden Unterbau, eine öffentliche Gemeindeschule wurde errichtet. Als die Schule organisirt war, da trat der Rabbiner an die reifere Jugend heran. Er hielt Vorlesungen aus maaSl main und ähnlichen Werken, wie freie Vorträge über das Wissens- und Schätzenswerthe im Leben. Die befähigteren Jünglinge wurden zu Talmudstudium herangezogen und also der Grundstein zu der zweitgrößten Jeschiwah Ungarns gelegt. — Wir hatten oben bemerkt, daß die Gegnerschaft der frommen Gesinnungsgenossen vorläufig ruhete. Als aus Nah und Fern Jünger herbeieilten und in der Eisenstädter Jeschibah deutscher Unterricht eingeführt wurde, da brach der Sturm der Entrüstung in seiner furchtbarsten Gewalt los. In Schrift und Rede wurde diese Neuerung bekämpft und wieder alle Hebel in Bewegung gebracht, um diese Maßregel zu unterdrücken. Mit fieberhafter Spannung folgten die Neologen dieser Bewegung, ein Nachgeben H's. wäre ihnen sehr erwünscht gewesen. Wie ein Fels im Meere stand er da, ließ die brandenden Wogen auf sich losstürmen und hielt Stand den drohenden Fluthen. Die principielle Gegnerschaft gegen das System Hildesheimer blieb bestehen, keine Partei konnte sich der andern unterordnen. Dennoch waren die persönlichen Beziehungen zu Dr. H. die besten. Als die hervorragendsten ungarischen Rabbinen als Deputirte bei dem Kaiser Franz Josef I, erschienen, um für die Preßburger Jeschibah die Gleichstellung mit den geistlichen Candidaten anderer Eonfessionen zu erbitten, da hatten sie Dr. H. aufgelordert die Führung zu übernehmen. Die frommen und gelehrtesten Rabbinen zogen H. zu ihren Berathungen heran und forderten für jeden Akt seine Zustimmung und Unterschrift. — Die Eisenstädter Jeschibah wurde von der Statthalterei zu Oedenburg concessionirt und der Gymnasialunterricht behördlich gestattet. Dr. H. ertheilte denselben in den Oberklassen persönlich, für die Unterklassen gewann er Hilfskräfte, theils aus der Mitte der reiferen Schüler und zum Thril auch aus dem Lehrercollegium der Gemeindeschule. In