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Der Israelit · 1890-05-22 · Heft 40 (22.5.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 40 (22.5.1890)
Date
1890-05-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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722 Zügel an, wenn Ueberfluß sie zur Ueppigkcit und zum Ungehorsam führen wollte. Und Rabba bar Bar Chana läßt nunmehr Bilder aus der Geschichte der Nationen vor seinem geistigen Auge vorüberziehen. Er sieht sich um nach jenen Herrschern, die mit Selbstüberhebung und Hochmuth, durch Haschen nach Ehre, die hohen Stufen der Throne erklommen haben. Nicht als erwärmende, leuchtende Strahlen erscheinen ihm ihre Regierungsthaten. Die Selbstsucht war meistens der Beweggrund für ihre Handlungen, das Wohl des Volkes aber stand ihnen fern. Auch die mp »y^a, auch die versunkene Rotte Korach's, zieht er mit in seine Betrachtungen ein. Sie kommen ihm vor, wie zwei Risse in der Erde, sowie ein Spieß, an welchem ein in Wasser getauchtes Bündel Wolle befestigt ist. Ein merkwürdiges Bild, geehrter Leser, nicht wahr? Stolz und Hochmuth haben drei weitere Leidenschaften im Gefolge. Sie heißen naai, man, nwp. Eifersucht, Genußsucht und Ehrsucht. Eifersucht und Genußsucht sind zwei Laster, die nur am Irdischen haften; es sind diejenigen Leidenschaften, mit denen der Mensch die schöne Erde, wie von finsterer Macht gehalten, zerreißt, es sind die Leidenschaften, die Familienbande sprengen, die Menschen auseinanderjagen und sie sich zum männermordenden Kriege gegenüberstellen lassen. Neid und Gier sind die zwei 'yw, die zwei Risse, in welchen Korach und sein Anhang unterging. Und die Ehrsucht, der Ehrgeiz, die immer hervorragenwollcnde naa, wie treffend wird sie durch einen Spieß bezeichnet, an dem ein in Wasser gefeuchtetes Bündel Wolle befestigt ist. Zwei hohe Aemter gab es in Israel. Das Amt des Hohenpriesters und das des Königs. Bei dem Amte des Hohenpriesters bestand das Zeichen der Würde in einer Kleidung, die sich von derjenigen der übrigen Priester dadurch unterschied, daß deren ^*yo, Obergewand, aus Wolle verfertigt war, die übrigen drei Kleidungsstücke hingegen entweder mit Wolleusaden eingewebt waren oder mit einem solchen gehalten wurden. In dem nm oder rwn sehen wir das Würdezeichcn des obersten Befehlshabers. (Bergl. Numeri XXV 7 und Samuel I XIII 22.) Nach diesem Spieße und nach dieser Wolle haschten jene Ehrsüchtigen. Unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit glaubten sie der Menge imponiren zu können. In Wasser wollten sie die Wolle tauchen, (die Wissenschaften werden von den Propheten mit dem Wasser verglichen 0D2V D'P D'ea nsn ynxn n*6cV) um sie daun dem Spieße anzuheften, aber ihr Streben war Rauch, der die Augen blendet, ihre Thätigkeit ging in Dampf auf, der die Blicke trübt. Wenn ihnen auch der Spruch, daß Moscheh und seine Lehre Wahrheit ist, auf den Lippen schwebte, im Herzen blieben sie Heuchler und Lügner. In jedem Geschlecht tauchen solche Korachshclden auf. Fast monatlich führt uns die „Synagoge des Satans" solche vom Hochmuthsdünkel Besessene entgegen. Wie unser Leibgericht gleichsam, kommen sie mit uns zu Tische. Was sie im Herzen denken, sagen sie nicht, selbst dann wenn sie ausrufen: irnini rwö nDN „Moscheh und seine Lehre ist Wahrheit." '1^2 i:dd j'jnw „öffentlich trifft sie die Strafe." Gehen wir auf den Ausspruch etwas näher ein, so finden wir, daß uns Rabbi Jochanan ben Berokah eigentlich gar nichts Neues hiermit berichtet. Schon die heilige Schrift (Deut. XIII. 7, 12) lehrt uns und im Tractat Sanhedrin wird es näher erläutert, wie bei Gericht mit einem heimlichen Verführer zu verfahren ist, selbst wenn dieser zu unseren besten Freunden oder nächsten Verwandten gehört. Doch wenn auch R. Jochanan's Spruch mit den Vorschriften der Thora übereinstimmt, so ist damit die Frage, warum eine im Geheimen begangene That öffentlich bestraft werden muß, noch nicht beantwortet. ü'üw m W>n. Den Namen Gottes im Geheimen entweihen! Gibt es wohl etwas Schlimmeres? Kann es wohl etwas Verwerflicheres geben als zum Götzendienste zu verführen, zum Abfall vom Dienste des alleinig-einzigen Gottes? Unser intimer Freund, das Mitglied unserer Familie, ein Mann, mit dem wir täglich zu verkehren gewohnt sind und der von Allen für einen frommen, edlen und gottesfürchtigen Mann gehalten wird, will uns auf einmal das Beste, das wir besitzen, rauben, ersucht uns in unserem Vertrauen auf Gott wankelmüthig zu machen, er will unseren Glauben au die ewige Wahrheit erschüttern. Wie würde es die Welt beurtheilen, wenn wir einem Solchen im dunklen Gemach hinterrücks den Dolch in die Brust stoßen würden? Würde man uns glauben, wenn wir den Hergang wahrheitsgetreu schilderten? Wäre nicht Jedermann geneigt, sich aus die Seite des Verbrechers zu stellen, während man gegen uns auf das Heftigste erbittert wäre? Man würde einfach die Thatsache in Abrede stellen, uns dagegen als Fanatiker, Zeloten, Uebereiferer u. s. w. zu brandmarken suchen. Aus diesem Grunde muß ein heimlicher Verführer erft’ vor aller Welt entlarvt werden, bevor durch Menschenhände eine Strafe an ihm vollzogen werden kann, 'iba uöd rynsai. Die menschliche Gesellschaft soll erkennen, in welcher Gefahr sie sich befand und sie wird die Strafe alsdann gerecht finden. Das war auch des ersten

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