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Der Israelit · 1890-05-19 · Heft 39 (19.5.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 39 (19.5.1890)
Date
1890-05-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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715 Die Wahl fiel auf Herrn Rabbiner Dr. Ehrmann, damals in Trier, welcher dem Rufe aus den Schweizer Gemeinden willig folgte. Zu Anfang des Jahres 1886 trat er das Bezirksrabbinat an. Ein Rückblick auf seine Wirksamkeit ü:m Anbeginn bis zu diesem Augenblicke muß jedem Unbefangenen die Ueberzcugung gewähren, daß die Wahl auf keine geeignetere und würdigere Persönlichkeit hätte gelenkt werden können. Von der ersten Minute an hat Herr Dr. Ehrmann mit hingebeudster Aufopferung in Umsicht und Weisheit die heiligen Interessen des Judenthums nach Innen und Außen kräftig vertreten und gefördert. Während er einen gedeihlichen Unterricht in den Religionswissenschaften cinrichtctc und zur ersprießlichen Entfaltung brachte, trat er zugleich energisch für die Dispensation der jüdischen Schüler in den allgemeinen Unterrichtsanstaltcn vom Schreiben und Zeichnen am Samstag ein. Was vor ihm trotz aller Beschwerden nicht erreicht werden konnte, ihm gelang es, eine Verfügung des hohen Erziehungsraths zu erwirken, durch welche fürderhin die jüdischen Eltern nicht mehr vor die Alternative sich gestellt sahen, entweder ihre Kinder von den öffentlichen Schulen fern zu halten oder sie das Sabbatgebot verletzen zu lassen. Durch die Kanzel wirkt er belehrend und erziehend auf die Erwachsenen und, was ganz besonders erfreulich ist, auf die jüngeren Familienväter. Er weiß den Weg zum Geiste und Herzen seiner Zuhörer zu finden und ihnen Verständnis und Begeisterung für das Jndenthum einzuflößen, nicht jene Begeisterung, welche sich in Worten äußert, sondern diejenige, welche in der Erfüllung und gewissenhaften Beobachtung der Religionsgesetze sich bethätigt. Und was Dr. Ehrmann für die namentlich in der Schweiz in jüngster Zeit stark gefährdete Institution der Schechita geleistet hat, und zwar nicht allein für die Israeliten der helvetischen Eidgenossenschaft, sondern für das Judenthum überhaupt, ist zu offenkundig und anerkannt, als daß es noch einer näheren Ausführung bedürfte. Die von ihm verfaßte Schrift „Thierschutz und Menschentrutz" hat seinen Namen weithin getragen in alle Länder. Er hat es erreicht, daß nunmehr von der obersten Bundesbehörde anerkannt worden ist, daß die Schechita eine religiöse Angelegenheit sei und demnach in einem Lande, das seinen Bürgern die Freiheit des Gewissens und der Religionsübung gewährleistet, nicht verboten werden könne. Möge es unserm verehrten Rabbiner noch lange vergönnt sein, in unserer Mitte für die heiligen Angelegenheiten des Judenthums zu wirken und seine Bcrufstreuc und nimmer erniüdende Arbeitskraft der gedeihlichen Gestaltung unseres Gemcindelebens zu Gute kommen zu lasten. Frankreich. Paris. Das Central-Eonsiftorium hat über die Feier der am 25. März stattgehabten Installation des Grand-Rabbi» Zadoc Kahn eine Broschüre veröffentlicht, in der die Festlichkeit beschrieben und alle bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden abgedruckt sind. Die Rede des Oberrabbincrs Kahn habe wir s. Z. in Auszuge gebracht. Dänemark. Kopenhagen, 6. Mai. Herr Oberrabbiner, Pros. Dr. Wolfs, feierte heute seinen neunzigsten Geburtstag. Trotz seines hohen Alters versieht er mit Rüstigkeit und Frische sein Amt, das er seit 62 Jahren inne hat. Türkei. Konftantinopel, 25. April. In Damaskus ist unmittelbar vor dem Osterfeste das Kind eines katholischen Armeniers verschwunden. Da es bald darauf todt in einem, bei dem jüdischen Friedhofe gelegenen Brunnen entdeckt wurde, gab dies wieder einmal Anlaß zu großer Aufregung. Zu Schlägereien scheint es indeß nicht gekommen zu sein, da der Gouverneur dem Wunsche des Haufens, welcher vor ihm erschien und eine genaue Untersuchung der Angelegenheit verlangte, sofort nachkam. Er setzte eine Commission ein, die ihrerseits die bedeutendsten Aerzte der Stadt berief, um ihr Gutachten über die Todesart des verunglückten Kindes abzugeben. Weiteres ist darüber noch nicht bekannt geworden. Konstantinopel. Sultan Abdul Hamid hat aus eigener Initiative den Auftrag zur Gründung eines großen Asyls für bedürftige türkische Staatsangehörige ohne Unterschied der Rasse oder Religion ertheilt. Außer den Räumen für Unterricht und Handarbeit soll dasselbe eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge enthalten. Die philantropische Maßnahme hat aus die Bevölkerung Konstantinopels einen tiefen Eindruck gemacht. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Krankenverein „Mißgab Ladach" entfaltet von Jahr zu Jahr eine immer größere und segensreichere Thätigkeit. Ohne besondere Fonds zu besitzen hat er in dem verflossenen elften Jahre seines Bestehens wiederum das Glück gehabt, zahlreichen Kranken eine Zuflucht zu bieten

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