Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1890)
- Date
- 1890-05-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Beilage ju M 39 i>rs „Israelit" & „Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Cassel, 9. Mai. In Marburg (Westphaleit) ist eine Regieruugsversügung eingclangt, wonach jedes geschlachtete Stück Vieh unmittelbar nach bem Halsschnitt, der allerdings vom Schächter ausgeführt werden soll, mittels Kopfschlag betäubt werden müsse. Die Gemeinde Marburg sah sich genöthigt von hier ihren Fleischbedarf zu verschaffen. Es sind Schritte zur Zurücknahme dieser Verordnung eingeleitet. Oberhausen, 12. Mai. Sonntag am 11. Mai hielt in Meiderich der Führer der westfälischen Antisemiten Dr. König-Witten im Gasthause der Wittwe Mismahl einen zweistündigen Vortrag über das Thema: „Was heißt deutsch-sozial." Bemerkenswert!) ist, daß die in Duisburg erscheinende national-liberale „Rhein- und Ruhrzektung" das einzige Blatt in hiesigem Kreise war, welche das Inserat des oben genannten Führers zur Verösfentlichuilg brachte. Da ein Retonrbillet 3. Klasse von Oberh.-Meiderich blas 40 Pfennige kostete, so benützte ich den freien Nachmittag dazu, um auch einmal den „berühmten" Antisemiten-König zu hören. Der ziemlich große Saal war von nur ca. 150 besetzt; es waren dies aber größtenteils keine Anhänger des Dr. Königs. Nachdem die Versammlung mit einem Hoch aus den deutschen Kaiser eröffnet worden, suchte Dr. König seine Partei von dem Vorwurfe, der jetzt durch die Presse gehe, daß nämlich die Antisemiten die Förderer des Anarchismus und des Sozialismus seien, zu reinigen, und entwickelte demgemäß sein Programm, entpuppte sich aber dabei, was ihm die Sozialisten auch zum Vorwurf machten, als ein „gemäßigter Sozialist." Dann ging es los auf das „internationale Judentum", auf die Raffe mit der „langen Nase" zu schimpfen. Anfangs hörten die Sozialdemokraten diesen Theil des Vortrags stillschweigend an, als er aber von jüdischen Wucherern und Betrügern sprach, wurde ihm die Frage zugeworsen: „Wer ist Pickenbach?" Hierauf gab Dr. König keine Antwort. Er sprach alsdann von den jüdischen Geschäfts-Reclamen u. dgl., konnte aber bei seinen Zuhörern wenig Anklang finden. Merkwürdig wollte der Antisemitenhäuptling auch den also weit verehrten und geachteten greisen Feldmarschall Moltke zum Antisemiten stempeln, indem König behauptete, Moltke habe vor Jahren ein abfälliges Urtheil über die polnischen Juden ausgesprochen. Hier wurde er aber von seinen Gegnern eines bessern belehrt, indem man ihn auf die am 9. Mai stattgesundene Sitzung des Herrenhauses hinwies, wobei bekanntlich Moltke gegen den Antrag des Grafen Pfeil stimmte. Der Herr König sah, daß seinen Worten wenig Gehör geschenkt wurde, und so eilte er zum Schluffe. Er hatte vielleicht auch Ursache hierzu, denn der Polizei-Wachtmeister erklärte beim geringsten Tumulte die Versammlung aufzulösen. Nachdem noch das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen wurde, verließen die Zuhörer den Saal, und viele Leute gaben ihrem Unwillen über den Hetzapostel auf der Straße zum Ausdruck. Auch ich kehrte mit Freuden wieder nach Oberhausen zurück, indem ja das Vergnügen hatte, die tüchtige Schlappe, die der Judenhetzer in Meiderich erlitten hatte, mitanzusehen und mitanzuhören. Der Führer der westphälischen Antisemiten wird gewiß in seinem Organ „die Reform", von einem glänzenden Erfolg in Meiderich sprechen, aber die Welt kennt ja die Uebertreibungen dieser Hetzer jund es ist ja allbekannt, daß die Antisemiteuhatz es mit der Wahrheit'nicht sehr genau nimmt. A. Stern, Religionslehrer. Frankfurt a. M., im Mai. Das Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Frankfurt a. M., ausgegeben: Samstag, den 10. Mai 1890 enthält unter Nr. 453 die Bekanntmachung: „Des Kaisers und Königs Majestät haben „mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 31. März „der „Zacharias Wertheimber'schen Stiftung" „zu Frankfurt a. M. auf Grund des Statuts „vom 1. October 1888 die Rechte einer juristischen Person zu verleihen geruht." Diese Stiftung ermöglicht die Fortführung der ursprünglich „Samson Wertheimber'schen" Klaus- Stiftung zu Frankfurt a. M., das neuerbaute Stiftungshaus liegt in der Ostendstraße, der am 13. October 1883 verstorbene Stifter Zacharias Wolf Wertheimber b"Oi, war ein Sohn des rühmlich bekannten Wolf Zacharias Wertheimber Bochum. Am 16. April hielt der Central- Armen-Verband der Synagogengemeinden Bochum,