Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1890)
- Date
- 1890-05-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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711 a t 1 u n g e n. Erzählung von Friedrich Nott. (Fortsetzung.) Herr Löwi fuhr fort: „Wie gesagt, ich kenne den Herrn Maierhof schon von Preßburg her und kann Sie daher versichern, das; er ein durch und durch braver und ein sehr reicher Mann ist. Beides brauchen Sie mir jedoch nicht zu glauben, sondern ein Jeder, der den Herrn Maierhof kennt, wird Ihnen meine Worte bestätigen. Weil es aber bekannt ist, daß ich mit Herrn Maierhof sehr gut stehe, so haben sich verschiedene sehr reiche und vornehme Herren an mich gewandt, und haben mich ersucht, obgleich ich doch kein professionirter Schadchen bin, ich möchte Herrn Maierhof doch ihre Tochter antragen, der eine will seiner Tochter 25000 fl. mitgeben, der zweite will 3O000 geben und der dritte gar 35000 fl. mitgeben. Na, Du lieber Gott — wenn man auch kein Schadchen von Profession ist — was man auf eine redliche Manier verdienen kann, nimmt man doch gern mit, namentlich wenn man fünf Kinder, Gott lasse sie gesund, zu ernähren hat. Ich habe also den Herren zugesagt, daß ich mit Herrn Maierhof reden werde, und ein Mann ein Wort — ich habe mein Wort gehalten. — Aber, da hätten Sie dabei sein sollen, wie ich mit Herrn Maierhof geredet habe — ich sage Ihnen, nicht angehört hat er mich. Das heißt, sitzen hat er mich geheißen, und während ich nun meinen Vortrag gehalten habe, wie es doch ein Jammer ist, daß seine armen lieben Kinder so aufwachsen, ohne daß ein Mutterauge über ihnen wacht — es war wirklich sehr rührend, wie ich ihm zum Herzen geredet habe — und wie es in der ganzen Stadt nur Eine Stimme gibt, daß er nämlich verpflichtet ist, seinen armen, mutterlosen Kindern wiederum eine brave, liebe Mutter zu geben. Und dann habe ich ihm gesagt, daß ich ihm drei brave, schöne und reiche " Fräuleins vorzuschlagen hätte, von denen er sich eine auswählen sollte. — Und wissen Sie, was er darauf gesagt hat? — Vor mir stehen ist er geblieben und hat seine Hand auf meine Schulter gelegt und hat gesagt: Mein lieber Löwi, wir kennen uns noch von Preßburg und darum will ich über eine so zarte Angelegenheit mit keinem reden als mit Dir. — Was Du da gesagt hast, daß es ein Jammer ist, daß meine armen, lieben Kinder aufwachsen, ohne daß ein Mniterange über sic wacht, das habe ich mir selbst schon hundertmal gesagt, und allmählich bin ich auch zu der Ueberzeugung gekommen, was Du gleichfalls gesagt hast, daß ich nämlich verpflichtet bin, meinen armen Kindern wiederum eine brave, liebe Mutter zu geben. Also so weit wären wir einig. — Was Du aber dann noch von den reichen Fräulein's geschwatzt hast — nimm's nicht übel, mein lieber Löwi, das ist eine große Dummheit gewesen. Brauche denn ich auf's Geld zu sehen? — wenn ich meinen Kindern eine Mutter geben will, so habe ich nur daraus zu sehen, daß sic brav und gut und sittsam und bescheiden ist, und überhaupt so ist, daß ich sicher sein kann, daß meine Kinder sie lieb haben werden, und daß sie meine Kinder lieb haben wird. Denn wenn letzteres nicht der Fall wäre — und wenn sie mir eine Million zubringen würde, so würde sie mir nur neues Unglück in's Hans bringen. — Darum, mein lieber Löwi, hat er gesagt, bleibe mir mit Deinen reichen Fräulein's vom Leibe. Ich weiß nur ein Mädchen, das ich meinen Kindern als Mutter geben möchte, das brav nnd gut und sittsam und bescheiden ist — man braucht sie nur anzuschen, um zu wissen, daß sie das ist — und meine Kinder sind ihr neulich im Prater begegnet, die können gar nicht anshören, von ihr zu reden — gerade als sie an ihr vorübergegangen sind, da hat sich die kleine Laura von der Bonne ihrer Hand losgerissen nnd ist vorausgelaufen nnd ist natürlich gefallen. Da har das betreffende Mädchen das Kind aufgehoben und hat cs in ihrem Arm gehalten und hat cs beruhigt nnd hat genau nachgesehen, ob es sich nichts gcthan hat — ich sage Dir, meine Kinder reden beständig von ihr und darum habe ich mir vorgenommen, ich will mein möglichstes thun, um meinen Kindern dieses Mädchen als Mutter zu geben. Ob sie Geld hat, das weiß ich nicht, und wenn sic Geld hat, so will ich es nicht, aber das Mädchen möchte ich, denn ich weiß, sie ist die Tochter braver, hochachtbarer Eltern. — Und nun, mein lieber Löwi, hat er gesagt, nun bitte ich Dich, gehe zu dem Herrn Bärwald, mit dem Tn ja auch befreundet bist, und halte für mich um die Hand seiner liebreizenden Tochter an, und sage Herrn Bärwald ausdrücklich, daß ich weder Geld, noch eine Ausstattung beanspruche, sondern einzig und allein die holde Persönlichkeit seiner reizenden Tochter."