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Der Israelit · 1890-05-19 · Heft 39 (19.5.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 39 (19.5.1890)
Date
1890-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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708 stattfinden; über den Verlauf desselben werde ich Ihnen im Lause der nächsten Woche, so Gott will, berichten. Für nächsten Montag ist eine Couferenz der anwesenden Rabbiner beschlossen und der darauf folgende Tag soll die Feier mit einem Dampfcrausflug nach dem Müggelsee beschließen. Berlin, 16. Mai. Der hiesige Maler Bodenftein, ebensowohl bekannt durch seinen großen Reichthum, seine seltene Wohlthätigkeit, wie seine strenge Religiosität ging heute früh in ein besseres Jenseits über. rr:i:Bn. St. Frankfurt a. M., im Mai. Nicht nur die Antisemiten-Häuptlinge, sondern auch ihre heldenhaften Anhänger leisten so viel Kulturarbeit, daß es nachgerade wie eine Ungerechtigkeit aussehen würde, wollte man auch nur Eine der Heldenthaten todtschwcigen, die diese Kultur- und Eivilisatious- Fördcrer für das „allgemeine Wohl" leisten. Ein hiesiger respektabler Fabrikant sandte einem seiner Kunden, dessen Namen sich von dem des schon einigermaßen „berühmten" Antisemiten Theodor Fritsch in Leipzig nur durch ein dem „t" eingeschaltetes z unterscheidet einen, eine geschäftliche Mittheiluug enthaltenden Brief, das ominöse „z" sollte indessen recht überraschende Wirkungen veranlassen. Der Brief wurde dem berühmten Herrn Antisemiten Fritsch bestellt; dieser öffnete' ihn (wozu er ja ein Recht hatte), fügte aber der Firma des Absenders „Gott, was e duftiger Name" und weiter. „Wie kann man nur.bei einem Juden kaufen" hinzu. Weiter nahm er eine von den zahlreichen, von ihm selbst verfertigten und unterschriebenen Hetzflugschriften, strich die knolligsten Stellen mit einem ebenso knolligen Roth- und Blaustift an, legte sie fein säuberlich dem — natürlich nicht für ihn bestimmten — Briefe bei und sandte letzteren dem richtigen Adressaten zu. Durch diesen gelangte die Unver—frorenheit des antisemitischen Helden zur Kenutniß des hiesigen Fabrikanten R. — Es darf nach dem Gesagten wohl kaum überraschen, daß R. bei dem hiesigen Staatsanwalt Anzeige machte und dieser die Sache nach Leipzig weitergab; recht überraschend und verblüffend, war es aber für Herrn R., als ihm von dem Leipziger Staatsanwalt die Mittheilung wurde, es sei kein Anlaß zum Einschreiten vorhanden, da kein Verstoß gegen ß. 299 (Verletzung des — — Briefgeheimnisses vorliege! Wegen der Beleidigungen wurde (u. das ist ja das Einfachste) Herr R. auf den Weg der Privatklage verwiesen, welche nun natürlich auch beschritten werden wird. Der sonst so oft — bei sehr ungeeigneten Anlässen — ange- , zogene Unfugs - Paragraphen und der Par. betr. Beleidigungen (§. 185) hätten, wie man glauben sollte, den ohne jeden Anlaß seinerseits beleidigten Fabrikanten von Staatswcgen schützen müssen. Aber — es gibt ja wohl ein Gesetz gegen die Ausschreitungen der Sozialdemokraten, keines aber gegen die gerade vom sozialen Standpunkte noch weit verwerflicheren Ausschreitungen des „frommen" Herrn Pastors und seiner Schüler und Anhänger. Paderborn. Dem dreißigsten Jahresbericht über die israelitische Waisen-Erziehungs-Anstalt für Knaben und Mädchen aus Westfalen und Rheinland zu Paderborn entnehmen wir: Es ist sehr erfreulich für unsere Gönner und Freunde, wie für uns selbst, daß wir auch in diesem Jahresberichte, von den geistigen und materiellen Fortschritten unserer Anstalt berichten können. Es muß ein lebenskräftiges Werk sein, das sich in dieser langen Reihe von Jahren in geräuschloserlStille zu einer solchen Blüthe entfalten konnte, nur getragen von der Gunst und Liebe unserer Mitmenschen, um die wir unablässig durch Mittel geworben, wie sie edler und selbstloser nicht gedacht werden können. Die Mittel, welche wir zu diesem Zwecke anwaudten, sind die Liebe und Fürsorge für unsere Waisen, die wir nach besten Kräften betätigt und worin wir von unseren gütigen Freunden so gern und warm unterstützt wurden. Wie sehr unsere Bestrebungen nach dieser Richtung gewürdigt werden, geht aus den großherzigen Legaten hervor, die uns in letzter Zeit zugefallen sind. Schon im vorigen Jahre berichteten wir von dem Vermächtuiß, welches uns durch die Hochherzigkeit des verklärten Herrn Sanitätsrath vr. Bamberger in Berlin zu Theil geworden, und auch in diesem Jahre können wir. wie uns von zuverlässiger Seite berichtet worden, von einem ähnlichen großherzigen Legate Mittheilung machen. Die seligen Eheleute Herr Moritz und Frau Sophie Meyer hoff in Aachen bedachten in ihrem Testamente unsere Anstalt mit Mark Fünfzigtausend. Innigsten, tiefsten Dank diesen edlen Menschen, die mit einem Schlage die Zukunft so vieler armer Waisen gesichert haben. Aber nicht für die Gegenwart haben die verklärten Eheleute Herr und Frau Moritz Meyerhoff in ihrem Testamente gesorgt. Es beißt darin ausdrücklich, daß uns nicht jetzt die Nutznießung des Kapitals zu Theil wird, sondern erst nach einer! langen Reihe von Jahren, eine Bestlmmung, die

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