Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1890)
- Date
- 1890-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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707 neigt sein sollte, eine Enquete wie vorher angegeben anzustellen, so vermögen sie selbst ohne Schwierigkeit sich hierüber Gewißheit zu verschaffen. Uebrigens gewährt die vorliegende Schrift erfreulicher Weise auch iu dieser Hinsicht manchen bemerkenswerthen Aufschluß. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 7. Mai. Der Redacteur der „Staatsbürger-Zeitung", einer unserer heftigsten Gegner, der sich in den Judenhaß so hineingeschrieben hat, daß ihm nunmehr die Freiheit des Willens objectiv über uns zu urtheileu, fast ganz abhanden gekommen ist, wurde in der gestrigen Stichwahl mit 867 gegen 809 Stimmen zum Stadtverordneten von Berlin gewählt. — Die Antisemitengesellschaft, die sich hier „Bürgerpartei" nennt, hat hier letzter Zeit viele Wahlniederlagen erlitten, so daß die Liberalen dieses auch bisher von den Antisemiten innegeyabte Stadtverordnetenmandat leicht zu erobern hofften. — Wir hätten gewünscht, daß der nunmehrige Stadtvater acht Tage früher in die Communalvertretung gekommen wäre. Seine Reden, die derselbe gewiß nicht unterdrückt hätte, wären für unsere Freunde in der genannten Versammlung ein Sporn geworden, um unserer Ehrenkränkung gegenüber mit etwas mehr Wärme einzutreteu. Die Berliner Stadträthe und Stadtverordneten wissen von der uneigennützigen Wirksamkeit der Israeliten innerhalb der hiesigen Stadtverwaltung viel, recht viel zu erzählen. Es wird ihnen leicht werden, gehässigen Angriffen mit einem Hinweise auf aufopfernde Thätigkeit zu begegnen. — Trotz der eifrigen und höchst zeitraubenden Mitarbeit und trotz des Einflusses, welche unsere Glaubensgenossen auf das Gedeihen der städtischen Verwaltung ausüben, gehört nur eine verschwindend geringe Zahl Israeliten dem besoldeten Stadtdienst an. Bisher hat die Festigkeit der Grundsätze, nach denen im Stadthause zu Berlin gearbeitet wurde, dem judenfeindlichen Windhauche, der hie und da wehet, mannhaft zu widerstehen vermocht. Wir haben keinen Grund zu fürchten, daß eine Wandlung eintreten wird, dagegen können wir den Wunsch nicht unterdrücken, daß den unablässigen Angriffen gegenüber, die uns jede Lebenslust zu rauben drohen, eine energischere S p r a ch e geführt werde. Für ein mildes, versöhnliches Wort sind unsere Hasser unempfindlich, und das Schweigen zumal, das viele unserer sonst beredten Freunde so vorzüglich verstehen, deuten sie zu ihren Gunsten. A. Berlin, 16. Mai. Das Hildesheimer - Fest ist bereits in vollem Gange. In dem Hause des gefeierten Rabbi wogt eine glänzende Gesellschaft. Einige dreißig Rabbineu sind bis jetzt eingetroffen (wir bemerken u. A. Rosenthal-Breslau, Blumenthal- Ratibor, Bondi-Mainz, Cohu-Wreschen, Horovitz- Fraukfurt a. M., Feilchenfeld-Posen, Donath-Krotoschin, Mannheimer - Lauenburg, Cohn - Basel, Hurwitz-Leipzig, Salvendi-Dürkheim, Munk-Marburg, Plato-Cöln u. s. w. u. s. w.), sowie Delegirte zahlreicher Städte. Der Frauenverein überbrachte heute Mittag ein kostbares Poroches mit herrlicher Stickerei nebst Schulchandecke, die durch Frau Dr. Berliner feierlichst überreicht wurden. Als Syndicus des Vereins hielt deren Gatte, Herr Dr. Berliner eine Ansprache, in welcher für das seitherige Wohlwollen, das der Jubilar dem Vereine eutgegengebracht, gedankt wurde. Hierauf übergaben das Docenten-Collegium und die Hörer des Seminars ein kunstvoll ausgeführtes Blatt, welches sümmtliche Photographien dieser Herren enthielt. Heute, Freitag-Abend, sowie morgen früh werden in der herrlich geschmückten Synagoge Festgottesdienste abgehalten, wobei Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld aus Posen mit der Festrede betraut ist. Eine endlose Gratulantenschaar fluthete während des ganzen Tages zu dem Manne, dem es heute vergönnt ist, die Früchte seines edlen Wirkens reife« zu sehen. Auswärtige Gemeinden und Vereine übersandten kostbare Diplome und Adressen.*) Während ich dieses niederschreibe findet in Dräsel's Festsüle ein Bankett statt, welches von der Gemeinde den Ehrengästen gegeben wird. Sonntag früh erfolgt in der Synagoge der Adaß-Jisroel die Uebergabe einer neuen Thorarolle durch das Seminar, bei welcher Gelegenheit Herr Dr. Stein die Festrede halten wird. Hierauf wird in der Aula der Religionsschule eine große Feier, verbunden mit Declamationen von Schüler und Schülerinnen, stattfinden. Die Festrede hierbei wird Herr Dr. Deutschländer halten. j Auch die Schüler und Schülerinnen haben sich photographisch aufnehmen lassen, um ihrem Lehrer bei dieser Gelegenheit ein Album mit deren Photogrammen zum bleibenden Andenken zu überreichen. Die Jubelschrift enthält 18 wissenschaftliche Abhandlungen mit hebräischen Beilagen; die Arbeiten sind u. A. von Rosenthal-Breslau, Berliner, Hofmann, Barth, Feilchenfeld, Munk, Olitzki u. s. w. Am Sonntag Nachmittag wird das eigentliche große Festmahl in der Resource *) An einer f oft Bar ansgestatteten Adresse aus Eisenstadt wird erwähnt, daß diese Gemeinde eine Hildesheimer-Stiftung begründete.