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Der Israelit · 1890-05-12 · Heft 37 (12.5.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 37 (12.5.1890)
Date
1890-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 74 Parte den Revolutionär Victor Noir im Jahre 1870 erschossen. Der Oberrabbiner von Frankreich hat dem Berichterstatter einer amerikanischen Zeitung in Paris mitgetheilt, daß er für die Folge sich nicht mehr interviewen lassen werde, da seine Mittheilungen vielfach mißverstanden worden seien. Nizza. Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Präsidenten der Republik in hiesiger Stadt wurde unser Rabbiner Herr Me iß mit dem Orden der Ehrenlegion dekorirt. England. London. Eine für unsere Vorstellungen sonderbare Ehre ist einem unserer Glaubensgenossen widerfahren. Im Rathhause zu Westminister wurde die Büste des Herrn Salomon Haym Cohn aufgestellt. Derselbe gehörte über 33 Jahre zumKirchspielvorstande der vereinigten Pfarren von St. Margareth und St. John. Desgleichen wirkte er mehrere Jahre in der Armenverwaltung dieses Bezirks als Armenpfleger. Da die „Hüll Critic" behauptet, daß der Rathsherr Cohen wahrscheinlich der erste Jude war, der als Mitglied eines christlichen Veerdignngsvereins gewählt wurde, so dürste es von Interesse sein, zu erfahren, daß derselbe diesem Verein bereits seit 12 Jahren angehört, und zwar als Nachfolger des verstorbenen Canonicus Convay, Rectors zu St. Margareth. Montreal, die Bibliothek seines verstorbenen Vaters einem Comitö zur Verfügung gestellt, um in dem Cononbnry District eine Anstalt für das Studium der Thora zu begründen. Das Beth-Hamidrasch wird Jedermann von Morgens früh bis Abends spät geöffnet sein. Ein Stundenplan ist für die Woche festgesetzt, und außerdem werden tägliche Vorlesungen unter Aufsicht des Rev. Herrn Cohen, früheren Oberrabbiners von Erlau, stattfinden. In den Abendstunden von 6—10 Uhr sollen die wöchentlichen Sidrah erklärt und Talmudvorträge gehalten werden. Außerdem sind Vorlesungen von bedeutenden Männern angekündigt, welche alle einen streng orthodoxen Character tragen sollen. L. M. Feuilleton. A London. Eine großeVersammlung jüdischer Schuhsabrikanten fand am vergangenen Sonnabend in Leyd's Hotel statt, um die wichtige Frage der Heilighaltung des Sabbats von Seiten der jüdischen Fabrikbesitzer und der jüdischen Arbeiter zu berathen. Es handelte sich darum die Schwierigkeiten zu überwinden, daß anstatt der 4*/-, Tage, in welcher seither die Fabriken geöffnet waren, wenigstens volle 5 Tage in denselben gearbeitet werden könne. (Das englische Sonntagsgesetz verbietet jüdischen Fabrikanten selbst von jüdischen Arbeitern am Sonntag arbeiten zu lassen.) Die Versammlung nahm einstimmig die Resolution an, daß die eingetretenen Veränderungen in der Eintheilung der Fabrikation es nöthig machten, die Werkstätten von Montag bis Freitag so lange offen zu halten, bis für die am Sonnabend versäumten Stunden Ersatz geboten ist. A London, 7. Mai. Das neue „Beth-Hamidrafch" für „Nord London" wurde dieser Tage von Rev. Dr. H. Adler eröffnet. Auf Wunsch einer Anzahl von Bewohnern von Nord London! hat Herr D. Ansell, mexieanischer Konsul in! Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Nach ungefähr einer halben Stunde kam der Rittmeister zurück. Er neigte sich über den Kranken, um sich zu überzeugen, daß keinerlei Veränderung stattgefunden, nickte dann dem jungen Manne zu und ließ sich schweigend neben ihn nieder. — Und so saßen sie schweigend nebeneinander, nahezu zwei Stunden lang, während der Kranke in seinem Bette schlief und der Wärter dort im Sessel. Endlich, es war gegen Mitternacht, da regte sich der Kranke und gleich darauf schlug er die Augen auf. Sein Blick traf den des Sohnes; unaussprechlich liebevoll schaute er zu ihm empor. „Gottlob, daß Du da bist!" sprach er leise, „ich habe beständig gefürchtet, Du werdest nicht kommen." „Sehr gescheidt bist Du nicht", brummte der Rittmeister. Hugo erzwang ein Lächeln. „Du hast gut geschlafen, Papa. Jetzt aber müßtest Du etwas nehmen, ich werde den Wärter rufen, daß er Dir etwas bringt." Er wollte aufstehen, aber der Kranke ließ seine Hand noch immer nicht frei. „Bleib'", sagte er, „ich möchte mit Dir reden." „Gleich, gleich, Papa, aber zuvor mußt Du etwas genießen." „Bleib' ruhig sitzen", sagte der Rittmeister, „ich werde den Kerl schon wecken. Heda! Sie, stehen Sie 'mal auf und bringen Sie Herrn Wildau etwas zu essen und zu trinken." Der Wärter fuhr auf, murmelte einige entschuldigende Worte wegen seines Schlafens und ent-

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