Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Es heißt ‘1 ns”V n£DD nw\ „der Weisheit Anfang ist die Gottesfurcht," und diese innige, tiefe Gottesfurcht war der Stempel, der dem ganzen Leben Dr. Lehmami's aufgedrückt war; diese Gottesfurcht war c§, die ihn so leuchtend hervorhob, ihn so recht eignete, auf feine Gemeinde zu wirken, ihn als Muster eines echten, wahren Jehudi nicht nur seiner Gemeinde, sondern seinem ganzen Volke gelten zu lassen. Gar bald auch drang sein Ruf hinaus in die Ferne. Schüler eilten herbei und schaarten sich um ihn. Auch ich hatte das Glück, mebr als sieben Jahre seinen Unterricht zu genießen, an seinen hohen Eigenschaften mir ein Vorbild zu nehmen, seine Gottesbcgeisterung ans mich wirten zu lassen. Es tvar damals in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit, >vo er mit seinem ganzen jugendlichen Jeuereifer aus die Entwickelung seiner Gemeinde, auf die Ausbildung und Festigung ihrer Institutionen, auf die Erziehung der Jugend wirkte. Ta gab es angestrengte Thätigkeit, Wider, ivärtigkeiten aller Art zu begegnen. Aber sein Mnlh, seine Begeisterung wuchs von Tag zu Tag; je schwerer die Auf gäbe, je größer die Schwierigkeiten, um so mehr entwickelte sich seine Thatkraft; voll Hoffnung und Vertrauen war fein Herz, das sich bewußt tvar, der reinen, heiligen Wahrbeit unserer nn*n zu dienen und voll Zuversicht, siegreich diese schwere Aufgabe zu vollbringen. Bei dieser ernsten Arbeit fand, er doch Zeit, einen großen Theil des Tages seinen D'TCPP zu widmen, denen er nicht nur Lehrer, sondern auch Freund und Vater war. Das war ja ein Grundzug seines Eharakters, freund rich, ivoblwoliend, gütig gegen Jedermann zu sein, um wie viel mebr erst gegen Diejenigen, die ihm naher standen, deren Wohl ihm am Herzen lag. Taß ein so edel, warm und fein fühlender Mann im engeren Kreise seiner Famile seine edlen Eigenschaften erst recht ganz und voll entfaltete; daß er der liebevollste, aufmerksamste Gatte, der beste, gütigste aufopferungsvollste Vater war, der nur sanfte Worte hatte, nie böse sein konnte: davon war ich, der ich viel in seiner Umgebung tvar, oft genug Zeuge. Und wenn wir, seine Schüler, in ihm den Freund sind Vater bejammern , ist's zu verwundern, wenn Gattin und Kinder sich nicht fassen können; ist's zu verwundern, wenn, sie in die schmerzliche Klage ausbrechen: üe'NP nPDJ "in „ach, die Krone unseres Hauptes ist gefallen, izn^st* c*D chnz U1? SDP* ’D, groß, weit und tief, wie das Meer, ist unsere Wunde, wer wird sie heilen'?!" Es war ein selten gütiges, warm fühlendes Herz füralle seine Mitmenschen, besonders aber für die Bedrängten und Bedrückten, für die Betrübten und Bekümmerten. Rührend war feine Geduld und Sanftmuth Denen gegenüber, die seine Hilfe in Anspruch nahmen, von ihm erwarleten und verlangten, daß er in ausreichender Weise Unterstützung gewähre. Zwei- und dreimal hiiircrciuander reichst' er dcmststben armen Manne eine (stabe, wenn dieser mit der ersten und zweiten noch nicht zufrieden war. Tiefe Güte und Freundlichkeit verklärte und verschönte ja sein Antlitz. Das freundliche, milde Läckieln war ja der Abglanz seines weichen, warmen und milden Herzens. Wenn man ihn von dieser Seite kennen gelernt hatte, so tvar man ganz überrascht und erstaunt, das; auch der Ernst und die Energie in selten hohem Maße bei ihm vorvanden waren, die auch sehr bald in,den Vordergrund traten. Wie viele Andere tvären glücklich und stolz gewesen, ein so hohes Ziel erreicht zu haben, Rabbiner der altebrwürdigen jüdischen Gemeinde Mainz zu sein; wie viele Andere hätten sich begnügt, in der eigenen Gemeinde geehrt, geachtet und angesehen dazusteheu; wie viele Andere hätten sich gesagt: die Sorge um diese meine Gemeinde nimmt schon meine ganze Thätigkeit in Anspruch. Anders aber dachte und fühlte Dr. Lehmann. Ein hoher Gedanke beseelte ihn, nicht bloß für seine Psnst" rny, sondern für Pnp “TD Psn L' - nnp' zu wirken. Sein ganzes Innere drängte ihn zur Herausgabe des „Israelit". Dazu fühlte er nicht nur den Drang, nein, er erblickte darin seinen eigensten Beruf, seine wahre Lebensaufgabe. Und berufen, wie nur Wenige, war er dazu. In der nmn finden wir oft, daß Gott zu Moscheh sprach: PsntP' \D mj? Pd Ps nm „rede zur ganzen Gemeinde der Kinder Israel," und Dr. Lehmann besaß die seltene Gabe, in einer Alten verständlichen Sprache zu reden, zu schreiben. IIitb d a s gerade machte ihn so sehr geeignet, als Lehrer seines Volkes aufzutreten. Das war auch der leitende Gedanke bei Herausgabe des „Israelit." Dieser Gedanke ist ausgedrückt in dem Programm, das er vor 30 Jahren in die Welt hinaussandte. In erster Linie galt es, die Z c r ft r e n t e n in Israel, die sich verwaist und verlassen fühlten, zu sammeln; das religiöse G e f ü h l und (st e m ü tb zu wecken und zu beleben; A n fechtungen gegen die Wahrheit des Judenthums und unsere heilige Lehre mit Ernst u nd Würde zurückzuweifen und durch Belehrung und Ermahnung das durch die damaligen Zeitverhältliifse g e s ch w u n d e u e G o t t v e r t ra u e n zu heben. Tamals war der allgemeine Glaube, daß ein echter Je hudi und Bildung und Wissenschaft unvereinbar seien. Viele fromme Juden waren auch dieser Ansicht und hielten sich, nur um fromme Juden bleiben zu können, fern von jeder Berührung mir der modernen Bildung, obgleich doch echte Bildung, wahre Wissenschaft in unserer heiligen Lehre nicht nur keinen Gegner, sondern geradezu eine Stütze finden. Da tvar es besonders Tr. Lehmann's großes Verdienst, sowolst in seiner eigenen Person, wie durch seine öffentliche Wirksamkeit zu zeigen, daß Beides vereinbar ist, und hat auf diese Weife C'DPD C5S*n K'PpQ gewesen. Gegncrischerseits wollte man anfangs diesen neuen, jungen Kämpfer, diesen „modernen" echten Israeliten nicht ernst nehmen. Und wer den feinen Weltmann sah, wollte es nicht glauben, daß das der Redacteur der „Israelit" sei. der so ernst und begeistert für das alte Judenthum und feilt heiliges Gesetz eintrat. Gar bald aber überzeugte man sich, daß dieser freundliche, im Verkehr mit den Menschen so liebenswürdige Mann ebenso ernst sein konnte, wo es die Wahrheit des Judenthums galt. Die heilige Schrift beginnt mit den Worten: P’E'SPD pisn PN* ü'DLMn ns D’pPs SPD „Gort als Richter schuf am Anfänge Himmel, und Erde." Eine weitere Stelle lautet: L'Dst'i pPS D'pPs *“ P'L'st E'*D, „am Tage als der gütige Gott Erde und Himmel schuf." — Wo es die oberste Wahrheit, das Heilige und Himmlische betraf, da trat Dr. Lehmann mit dem Ernste und der Strenge eines Richters auf; wo aber die irdischen Angelegenheiten in den Vordergrund gestellt waren, da war er voll (stäke, Milde und Nachsicht. Diese zwei wahren, großen Gedanken erfüllten sein ganzes Wesen, gaben seinem Charakter das Gepräge. Er tvar der echte, wahre M e it f ch e u f r c u n b, der echte, w a h r e Gotte s m a u u. Es wird llus berichtet, als ln*Ps, der C’pPsn tTS, von seinem Schüler z,'L"Ps 'Abschied nahm, da sprach m*Ps: Ps P*D “V LPPL* P *D nr NJ dl**, „Bleibe hier, denn Gott hat mich bis Beth et geschickt. Aber sein Schüler wollte ihn nicht verlassen, denn er wußte, daß.noch am selben Tage feilt Lehrer von ihm scheiden werde. In Ps P'D angekommen, sprach Elijahu: „Bleibe hier, denn ich muß bis ’P’P' gehen." Aber Elischa konnte und tvollte seinen Lehrer noch nicht verlassen und begleitete ihn bis Jericho. Dort angekommen, sagte Elijalur zu ihm: „Bleibe liier, denn ich muß au deu Jordan." Aber immer noch begleitete er scineu Lehrer. Als sie am Jordan augelangl waren, da theilte Elijahu mit seinem Mailtet den Fluß und sie schritten trockenen Fußes durch. Am anderen User sprach Elijahu zu Elischah: P£J.'C PpPs EPüD pp P'BF'S HD Psc, „Verlange, was ich