Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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664 verhilf uns, da wir Alle, Alle es vollauf erkennen und begreifen, welch' ein Geistesheros, welch' ein Tugendheld UHNO 7p7 von uns ist hinwcggcnommen worden, vergönne uns, seinem hellstrahlenden 'Vorbilde nachzustreben, wahrer Frömmigkeit uns zu befleißigen, das Wohl und Heil unseres Volkes zu wahren unb wirksam zu fördern, stets und immerdar; Dir aber, (verklärter Geist) der du in dem engen Bretterhause vor uns aufgebahrt liegst, rufen wir allesammt in dankbarer 'Anerkennung alles dessen, was du hinieden geleistet, rufen wir aUesammt aus gramzermartertem Herzen Di^EO -]3 zu. Zieh' hin in Frieden, im Besitze all der Tugenden und Vollkommenheiten, die dein verklärtes Haupt zieren und schmücken; "j’JiDb "371 pEDN’ '1 707 7pT* „Es gehe vor dir her deine Frömmigkeit und die Herrlichkeit Gottes nehme dich auf in die Gefilden ewiger Seligkeit." Amen. XV. Trauerreden, gehalten in der Synagoge der imellt. Religions-Gesellschaft zu MM;. vr. H. Sänger: Geehrte Trauerversammlung! 02737 rmny3 7JJ3 77’ nn „Mein Freund ging hinab in seinen Garten zu den würzigen Beeten" moto £7iy73 Eip77l „zu weilen in den Gärten und Rosen zu sammeln" 7"3p7 7* ’in „Mein Freund" das ist der Heilige gelobt sei er, D?iyn '' 703 „in Seinen Garten" das ist die Welt mmE" 13N DE737 rvuny3 „zu Seinen würzigen Beeten" das ist Israel, tot moo TO rx C3’JJ3 roy7 niEn7C „zu weiden in den Gärten" das sind die Bet- und Lehrhäuser, 7X7E"7E' £'P'7L7 7X ,77CT D'JE'lE' £ip331 „und Rosen zu sammeln," um fortzuführen die Frommen in Israel. Seit einiger Zeit scheint es, als lvollte der Gärtner der Welt alle herrlichen, duftigen Blumen in Seinen Garten samm eln, um sich an ihrem Anblick zu erfreuen. Von den Großen Israels in unseren Tagen sind in kurzer Reihenfolge die Größten, unter den Blumen die duftigen Rosen gepflückt worden, freilich um weiter zu blühen py p7 im Garten Gottes, im Jenseits. Aber ach, wie sicht es so öde, so einsam, so verlassen und traurig in unserem Garten aus! mm 7>3 ,717 7>7 ,7717 7J3. Geschwunden ist der Schmuck, der Glanz, die Zierde! - Und so sind wir jetzt liier versammelt, um zu trauern und zu klagen um die jüngste herrliche Rose, die von Gottes Hand gepflückt, unserem Garten entführt wurde. 70^ Tv mn Mein Freund.77 TN» 7"0 '701 07 3"pO* pNC7y?, der mir mehr denn 30 Jahre Lehrer und Freund war, er ging fort von uns nach seinem Garten P'3y.7 d3ijd, den er sich schon hier angelegt; £E'07 nunyp zu den würzigen Beeten, die er schon hier vorbereitet durch sein edles und herrliches Wirken und Streben für ^X7E" 37; □'07 niy73 zu weilen in den Gärten, »vo die Frommen aller Zeiten als unverwelkliche Blumen blühen; E'jE'.E' £'p33 um Rosen zu sammeln, die er er schon hier gepflanzt und gepflegt, um die Früchte seiner EOO E’E'yc, seiner edlen, guten Handlungen, zu genießen. Und wahrlich! Es ist ein herrlicher, farbenprächtiger, duftiger Blumerkranz, den sich Dr. Lehmann als Schmuck und Krone um's Haupt gewunden! st7£X X77p 777 7'77X 77 N'IN 73 X"7 '7 *p7 73 7’7»»3n im E"p3 E"7 3iy p3 7»n '13'y 7edni 3iy pro’ '73 UJ7 77' y’7l7 :’l3y 7B£W E"p3 u/n 3xy .7'^"7 yT Niro •D^yn p ip3oi x’ix 77 X"7 '7 bw *rtt'y»7 ynr n'opn „Als Rabbi Chija bar Awiah, Schwestersohn des Bar Kepora, gestorben war, wurde R. Jochanan aufgefordert, die Trauerrede um ihn zu halten. Da sprach er: möge Resch Lakisch es thun, er ist sein Schüler, er kennt seine Verdienste, seine Tugenden. Da trat Resch Lakisch hin und fing also an: „Mein Freund ging in seinen Garten, der Heilige, gelobt sei Er, kennt allein seine guten Thateu, das ganze große Verdienst von Rabbi Chija und Er hat ihn von der Welt entführt." Geehrte Trauerversammlung! Auch mir, dem langjährigen Schüler von Rabbi Dr. Lehmann, ist dic ehrenvolle Aufgabe geworden, ihm hier eine Trauerrede zu halten, sein Lob ihm nachzusagen. Und auch ich beginne mit den Worten: jnv 7"7p.7 E'P’iE* Lvp33 103 77' ’7i7. Dpyn p Tp7DT px»7y3 7’xo 07 3ty veoeo „Mein Freund ging in seinen Garten, um Rosen zu sammeln," der Hei lige, gelobt sei Er, kennt allein die großen Verdienste und Tugenden von Rabbi Mc'ir Lehmann und nahm in fort von dieser Welt; Er hat ihn würdig befunden, ihn frühzeitig dem Leid dieser Welt zu entreißen py p3 17\373i und in Seinen Garten zu führen. Verstummen muß daher die Klage und die Trauer, daß Dr. Lehmann so früh dahinging, Aber, wie am Tage, als 1V7X E777X von dieser Welt schied 771EO I7»y 7177 Pnj 37 777NE' nj’ED^ 7^ '1X7 UTi:» 77XE' C7iy3 l3 7X :17CN1 TE'J77p „alle großen Männer jener Zeit in einer Reihe standen und ausriefen: Wehe, der Welt, die da ihren Führer verloren, webe dem Schiffe, das da den Steuermann verloren! so haben auch am Grabe von pNC7y3 7’XD '7 dic gro ßen Männer unserer Zeit sich hingestellt und gemeinsam den Klageruf ausgesloßen: Wehe! Unser Führer, unser Steuermann ist uns entrissen! Ja, wir Alle, seine Gemeinde, seine Familie, das ganze Volk Israel, wir haben zu klagen, zu trauern um unseren Verlust. Die Gemeinde Mainz, von jeher der Sitz von '3.7.; 3X7E", hat in Dr. Lehmann einen Rabbiner besessen, der sich würdig jenen großen Männern anrcihte. Erst 23 Jahre alt, wurde er hierher berufen, um sich an die Spitze der gesetzestrcnen Juden zu stellen, um der 7717 hier eine Statte zu erhalten. Wenn auch bedeutende Männer £0770 £077 '7037, wie 3”pla* ’7JX7 3XOE' '7, ''3 7py '7 und Andere, als Erste und Vornehmste, als Zierden ihrer Gemeinde obenan standen; aber der Steuer mann, der das Schiss durch die damals sturmbewegte Zeit, durch das damals Hohe Wellen schlagende Meer der Meinungen ttnd Ansichten ungefährdet mit starker, kundiger Hand lenken und an's Ziel führen konnte, der mußte mit allen Erfahrungen der Neuzeit, mit dem modernen Wissen ausgerüstet sein. Und das war Dr. Lehmann in ganz sei teuer Weise. Er beherrschte das 70777 £’, das talmudische Meer, die rabbinische Wissenschaft in hohem Maße ebenso, wie er erfüllt war von modernem Wissen, von philosopischer Bil düng. Staunenstverth war. sein Scharfsinn, mit welchem er schwierige Stellen des 7037 klar legte; bewundcrnswerth, wie er die oft orakelhaft dunklen £'E'772 so herrlich deutete, die Perlen zeigte, die darin verborgen lagen und die tiefen, schönen Gedanken hcrausschältc. Mit Recht tarnt man von ihm sagen: 170 -OE" £77 77 „Des Weisen Herz macht seinen Mund beredt," p'DV i’73E'i np3 „und legt Belehrung auf seine Lippen." Hier an dieser heiligen Stelle, wo wir jetzt voll tiefer Trauer den großen Verlust beklagen, hier an dieser Stelle floß sein Mund über von herrlicher Bcredtsamkeit. Wie sahen wir ihn da voll tiefen, heiligen Ernstes der andächtig lauschenden Gemeiilde Gottes Wort, Gottes Gesetz erklären und erläutern, sie belehren, ermahnen, ermuntern und begeistern.