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Der Israelit · 1890-05-08 · Heft 36 (8.5.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 36 (8.5.1890)
Date
1890-05-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Mit glücklichem Lächeln lauschte der Kranke seinen Worten oder vielmehr dem Tonfall der ihm so theuren Stimme, bis ihm die Augen zufielen. Alle im Zimmer verhielten sich regungslos. Nachdem der Arzt sich von dem ruhigen Schlummer des Patienten überzeugt hatte, verließ er lautlos grüßend das Zimmer. Der Rittmeister begleitete ihn. „Sagen Sie mir aufrichtig, Herr Doctor", bat er draußen, „wie steht es mit meinem Freundes" Der Arzt zuckte die Achseln. „Mein lieber Herr Rittmeister, es thut mir sehr leid — aber es ist ein halbes Wunder, daß Sie ihn noch getroffen haben." Dem Rittmeister versagte im Moment die Sprache. „Also gar keine Hoffnung?" flüsterte er endlich mit heiserer Stimme, „gar keine? —" „Wenig, sehr wenig. Seit die Depesche von dem Sohne eingetroffen, daß derselbe bereits unterwegs ist und Abends eintreffen werde, seitdem ist allerdings scheinbar eine bedeutende Besserung eingetreten — ich fürchte jedoch, daß dieselbe nur scheinbar ist. Doch ich muß um Entschuldigung bitten, ich werde erwartet. — Sollte die geringste Veränderung eintreten, so hat der Wärter bereits Auftrag, mich rufen zu lassen. Ergebener Diener!" Der Rittmeister war kaum im Stande, den Gruß des Arztes zu erwidern; daß es so ernst mit seinem Freunde stehe, das hatte er nicht erwartet. Er bedurfte einiger Zeit, seine Fassung wieder zu erringen, bevor er es wagte, sich zurückzubegeben in das Krankenzimmer. Wildau schlief noch immer, Hugo saß regungslos an seinem Bette, denn der Kranke hielt seine Hand. Der Krankenwärter ersuchte die Herren im Namen der alten Liesbeth, hinunterzukommen in das Speisezimmer, wo sie das Nachtessen aufgetragen hatte. Der Rittmeister blickte fragend nach Hugo, dieser bat ihn durch einen Wink, sich allein hinunterzubegeben, da er den Vater nicht verlassen könne. Werner nickte ihm verftändnißinnig zu und verließ das Zimmer, nach wenigen Minuten kam er jedoch zurück mit einer Platte, auf der eine in kleine Stücke geschnittene Fleischspeise, und einer Flasche Wein. Geräuschlos zog er einen Sessel dicht neben den des jungen Mannes und Mß sich auf demselben nieder. „Jetzt iß', mein Jnnge", sagte er leise, indem er ihm die Schüssel vorhielt. „Sobald Du gegessen und getrunken hast, werde ich deßgteichen thnn, früher nicht." Hugo drückte ihm gerührt die Hand und zwang sich dem Wunsche des alten Herrn zu entsprechen. Als er fertig war, erhob sich der Rittmeister. „Brav, mein Sohn", flüsterte er, „jetzt werde ich Deinem Beispiele folgen." Lautlosen Schrittes entfernte er sich. Der Kranke schlief noch immer, auch der Wärter, der sich durch den Sohn vertreten wußte, hatte sich am andern Ende des Zimmers in einen Sessel gelehnt und war eingeschlummert. Hugo saß noch immer, ohne sich zu regen, denn der Vater hielt seine Hand. Seine weit geöffneten Augen hafteten in namenloser Herzensangst all dem bleichen Angesichte des anscheinend ruhig Schlummernden, und heiße Gebete stiegen lautlos empor aus feinem schmerzerfülltell Herzen. „O, mein Gott! niein Gott! errette mir meinen Vater! — o, mein Gott! mein Gott! — lasse ihn mir! —" und Thräne auf Thräne glitt langsam aus seinen weitgeöffneten Augen — der Kranke regte sich noch immer nicht. (Fortsetzung folgt.) „Jsraelir" und „Jeschnrun" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Tonuerstagv, jedesmal in mindepens a Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel bestehen bei E. F. Kleinacker. Leipzig. Noßptah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Pctitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für’S Ausland 16 Reichs-Mark au die Expedition franco einzufenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 4mal Berlin. Nürnberg. Lörrach. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Pesth. — Frankreich: Paris. — England: London. Gibraltar. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Waltungen. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Brief des Frl. v. Schmidt vor der Berliner Stadtverordneten- Lersammlung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Schweiz: Basel. — Inhalt der Zweiten Beilage: Leitender Artikel: Der Brief des Frl. v. Schmidt vor der Berliner Stadtverordneten- Bersammlung. — Zeitungsnachrichten und Correspordenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. —England : London. — Amerika: New-?)ork. Inhalt der ELlra - Beilagen : Stenographischer Bericht der im Hause vr. Lehmann's gehaltenen Trauer-Rede.— Zwei in der Synagoge der Israel. Religionsgesellschaft zu Mainz gehaltene Trauerreden. — Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit und Jeschurun" Schottstr. Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierz« vier Beilagen.

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