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Der Israelit · 1890-05-08 · Heft 36 (8.5.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 36 (8.5.1890)
Date
1890-05-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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651 *».?! 'i JJ l 'S~ ~.*»*,'“t yafriJ^Wr W a l' 1 u « g e n. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Kühn eilte die Stiegen hinan, Hugo und der Nittmeister folgten ihm ans dem Fuße, hielten sich jedoch zurück, als er die Thür des Krankenzimmers leise öffnete und deni Arzte, der in der That dort weilte, mit den Augen winkte. Aber der Kranke, dessen Blick unablässig an der Thür gehaftet, hatte gleichfalls den Blick wahrgenommen. „Ist er schon da':'" fragte er lebhaft, „ist Hugo schon angekommen?" „Ruhig! ruhig! lieber Herr Wildau, Sie müssen sich vollkommen ruhig verhalten", mahnte der Arzt, „Ihr Sohn scheint allerdings bereits augekommen zu sein, er ist vermuthlich unten im Speisezimmer; wenn Sie mir versprechen, sich ganz ruhig zu verhalten, so bringe ich ihn Ihnen herein." „Seien Sie unbesorgt", flüsterte der Kranke mit glücklichem Lächeln, „ich werde mich nicht aufregen, nur lassen Sie mich nicht zu lange warten." „Geduld, Geduld, mein lieber Herr Wildau, gleich führe ich ihn Ihnen zu. Bleiben Sie vielleicht einige Minuten hier, Herr Kolm? ich habe den Wärter in die Apotheke geschickt." Kohn ließ sich an dem Bette nieder und erzählendem Kranken von dem frischen Aussehen seines Lohnes und daß auch der Rittmeister von Werner mitgckommen, während der Arzt sich hinaus zu den draußen Wartenden begab. Er drückte Hugo, der nahe zur Thür des Krankenzimmers stand, schweigend die Hand und zog ihn mit sich gegen das andere Ende des Eorridors. „Seien Sie herzlichst willkommen, Herr Wildau, aber bevor ich Sie hineiulasse zu Ihrem Papa, müssen Sie mir Ihr Wort geben, daß Sie keinerlei Aufregung verrathen, obgleich ich es mir sehr gut denken kann, daß Sie es erschüttern wird, den sonst so kräftigen Mann so wieder zu sehen." „Ist Gefahr vorhanden?" fragte Hugo und bemühte sich vergebens seiner Stimme Festigkeit zu verleihen. Der Arzt zögerte einen Augenblick, dann sagte er: „Der Zustand Ihres Vaters hat sich allerdings bedeutend gebessert, in der verwichenen Nacht hatte ich sehr wenig Hoffnung." „Und jetzt", fragte Hugo mit angehaltenem Athem. „Ich kann es Ihnen nicht verhehlen, daß die Gefahr auch jetzt noch nicht vollständig geschwunden ist — hoffen wir jedoch das Beste und vor allem, schützen wir unfern theueren Patienten vor jeder Aufregung. — Vermuthlich Herr v. Werner?" wandte er sich an den Rittmeister. Dieser verneigte sich leicht. „Ich muß um Entschuldigung bitten," flüsterte Hugo, „daß ich vergessen habe, die Herren einander vorzustellen. Herr Doctor Bauer, Herr Rittmeister v. Werner." „Also wenn esden Herren gefällig ist, gehen wir hinein; ich möchte jedoch auch den Herrn Rittmeister ersuchen, jedes aufregende Wort vermeiden zu wollen." „Unbesorgt," brummte der Rittmeister, „lieber würde ich gar nichts reden." Der Arzt ging voran, die beiden andern folgten, Hugo trat zuletzt in das Zimmer, Wildau's Blick hatte ihn jedoch sofort bemerkt. „Hugo!" rief er mit glücklichem Lächeln, „mein Kind! — mein lieber, lieber Sohn!" Hugo eilte zum Bette und zog die ihm entgegcngestreckte Hand des Vaters an seine Lippen, zu sprechen war er nicht im Stande, und nur mit übergroßer Anstrengung hielt er die sich hervordrängenden Thränen zurück. Wildau streichelte liebkosend die Wangen des vor seinem Bette Knieenden, dann nickte er dem Rittmeister freundlich zu und reichte auch ihm die Hand. „Willkommen, lieber guter Freund — und Dank, daß Du meinen Jungen nicht hast allein reisen lassen." „Unsinn!" entgegncte der Nittmeister, die ihm dargebotene Hand leise drückend, „Dein Junge hätte eben so gut allein reisen tonnen — aber es hat sich zufällig so getroffen, daß ich ein Geschäft hier in der Nähe habe — da habe ich die Gelegenheit benützt, mich persönlich von Deinem Wohlsein überzeugen zu wollen." Wildau lächelte, er kannte die Art seines Freundes. Inzwischen war cs auch Hugo gelungen, seiner Erschütterung Herr zu werden, zuerst mit leiser, dann mit seiner gewöhnlichen Stimme sprach er zu dem Vater, der noch immer seine Hand hielt.

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