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Der Israelit · 1890-05-08 · Heft 36 (8.5.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 36 (8.5.1890)
Date
1890-05-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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650 ‘?7&JZtWT*y Ir.- '*£*i ’ Juden gerichtet waren und bewiesen, daß auch in Wagstadt die antisemitische Richtung leider einen nur zu fruchtbaren Boden gefunden habe. Die Petenten erbitten eine Entschädigung durch den Staat für den erlittenen Schaden, den sie in einer Specification mit 11,000 fl. berechnen. Die Daten der Petition erscheinen durch den k. k. Bezirkscommissär Adalbert Chmel in Betretung der Bezirkshauptmannschaft und durch den Bürgermeister Karl Hanisch amtlich bestätigt. Pesth. Herr B. Ungar in O.-Morotwitza spendete ein Gut im Werthe von 34000 fl. zu wohlthätigen Zwecken; das Gut hat ein jährliches Erträgniß von 2150 fl. Hiervon sind jährlich 500 fl. für die Volksschule bestimmt, mit der Bedingung, daß in derselben gründlich Hebräisch unterrichtet werde. Der Spender ist ein Greis von 77 Jahren. Frankreich. Paris. Die hiesigen Kunstliebhaber, vor Allem die Sammler, haben am 23. v. M. eines ihrer Häupter verloren. Der bekannte Kunstsammlcr Friedrich Spitzer ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Er war der Besitzer einer der berühmtesten Sammlungen Frankreichs, vielleicht Europas, die noch auf der Weltausstellung 1889 allgemeines Aufsehen erregte, wo sie leider nur zum Theil ausgestellt war. In den letzten Jahren bereitete er einen Gesammtkatalog seiner Kunstschätze vor, welcher sechs Bände umfassen sollte, von denen nur der erste erschienen ist. Dieser Katalog würde sicherlich eines der interessantesten Dokumente für die Beurtheilung der Entstehung großer Privatsammlungen geworden sein. Spitzer, der im Jahre 1825 in Preßburg von armen jüdischen Eltern geboren wurde, war ursprünglich Handlungscommis in Wien. Man erzählt sich, er habe als solcher und ohne beträchtliche kulturhistorische Kenntnisse einen echten Dürer für einen niedrigen Preis erstanden und für eine beträchtlich höhere Summe verkauft. Seither sott er sich intensiver mit Gegenständen der Kunst befaßt und jene umfassenden Kenntnisse, verbunden mit der richtigen Intention, erworben haben, welche ihn weit über den gewöhnlichen Sammler emporhoben. Er kam frühzeitig nach Paris und wurde hier ein reicher Mann. Was in Oesterreich, Deutschland, Italien und England an Antiquitäten vorhanden war, wußte er aufzuspüren, und sein am Bois de Boulogne gelegenes Hotel wurde nach und nach eine Heimstätte für wahre Unika. Seine Sammlung von Waffen und Rüstungen hat einen europäischen Ruf. Als Gambetta an der Macht war, bot er alle Mittel auf, um eine Erwerbung der von Spitzer angehäuften Kunstschätze durch den Staat herbeizuführn. Er war indessen nicht im Stande, seine Absicht durchzusetzen. Die Sammlung, welche auf 14 Millionen Francs geschätzt wird, enthält keine Stücke, welche aus einer jüngeren Zeir als aus der Renaissance stammen. Unter den wundervollen Fayencen, die sie aufweist, befinden sich die schönsten Stücke der Fabrik in Oiron, von welcher angeblich nicht mehr als sechzig Stück noch in ganz Europa vorhanden sind. Ohne Zweifel werden nunmehr diese Schätze in alle Winde zerstreut werden. England. London, 27. April. Schon seit Jahren sind massenhaft jüdische Mädchen aus ihrer Heimath, namentlich aus Polen, unter irgend welchen Vorspiegelungen nach London gelockt worden, wo sie, nachdem man sie ausgeplündert, gezwungen wurden, einen unsittlichen Lebenswandel zu führen. Es hatte sich deßhalb, um diesem schändlichen Treiben zu steuern, vor einiger Zeit ein Comite gebildet, an dessen Spitze Lord Rothschild und andere hervorragende Personen stehen, welche mit gewissenhafter Strenge gegen jene Seelenverkäufer Vorgehen. Diese Woche sind nun zwei Haarschneider, Salomon Balbuski und Jakob Schlamowitsch, verhaftet worden, unter der Anklage, sich in der angedeuteten Weise vergangen zu haben. Gibraltar. Am 31. März starb der Oberrabbiner Samuel Lasry hiesiger Gemeinde in dem hohen Alter von 95 Jahren. Derselbe war ans Tetuau gebürtig und kam vor 55 Jahren nach Gibraltar. Er hat während langer Zeit das Amt eines Ehacham uncntgeldlich verwalter.Der Dahingeschiedcne sah sehr ehrwürdig aus, und wurde von Juden und Ehriften gleich verehrt. Die Beerdigung fand am Nachmittage seines Todestages statt. P a l ä st i n a. Jerusalem, dlaä) dem 10. Rechenschaftsbericht des Central-Eomitös der vereinigten Israel. — Aschkenasim - Gemeinden hatte diese Gemeinden von t\s‘ m v. I. bis Ende jwn d. I. eine Einnahme von 316287 Piaster, denen 342997 Piaster Ausgaben gcgenüberstehen.

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