Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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649 lich wirken. Da lobe ich mir den Mannesmuth des kühnen Gallier, der einen blühenden Stadtviertel in Schutt und Asche verwandeln will, um eines Dutzend Juden willen, der eigentlichen Beute seiner wallenden Zornesglnth. Was nützen ihm Stöckers Anträge, die in einem Parlamente nur auf einer Seite Beifall, und da eben nichts mehr als leere Zustimmung finden. Zum Massenmord in seiner scheußlichsten Gestalt ruft er alle Höllengeister, und sie sind bereit, Paris in einen Feuerhaufen zu verwandeln, denn sie haben der gesammten menschlichen Gesellschaft Rache geschworen. An diesem entsetzlichen Ende sind also die Stöckeriadcn angclangt. Unter der Firma des Antisemitismus wird der Bürgerkrieg, werden die scheußlichen Verbrechen der Commune geplant. Ein schwächerer, weniger umsichtiger Minister an der Spitze des Polizeiwesens, und die antisemitische Höllenbande hätte heute auf Leichcnhügeln triümphirt, und der moralische Urheber an der Spree hätte ob der Thränenströme, die seine Helfershelfer verursacht, Jubellieder angestimmt. Doch dem Herrn sei cs gedankt, cs kam anders. Der antisemitische Bannerträger wurde vom Arm der Gerechtigkeit ergriffen, und kann nunmehr innerhalb der kahlen Wände des Zuchthauses über Gottes- und Menschenrecht Nachdenken. Eine Vertiefung in unser Strafrecht könnte übrigens unserm Herrn Hofpredigcr auch frcundlichft empfohlen sein. Derselbe weigerte sich in jüngster Zeit einem Schiedsmannne jüdischer Confcssiou Rede zu stehen. Das mag ihm nach Menschengesetz gestattet sein, — vom Gottcsgesetz wollen wir aus bekannten Gründen schweigen. Doch ob die Beleidigung, die Herr St. dem Schiedsmanue ins Gesicht geschleudert, ihn nicht mit dem Reichsftrafgesetzbuch §. 185 in Conflikt bringen wird, das mag die Zukunft lehren. Doch wozu an diese kleinen Sünden mahnen. Der Schüler an der Seine hat den Meister verstanden, der hochgeborene Marquis greift zur unheilvollen That. Das Ziel wäre erreicht — wachte nicht ein allgercchter Gott in den Höhen! kreisen zur besonderen Bearbeitung in den nächsten fünf Jahren ausgewählt, darunter Stade, Kaiserslautern, Hagen, Bielefeld, Minden-Lübbecke, Lörrach, Bingen, während dem Dr. Böckel und seinen Genossen ganz Oberhefsen als ihr besonderes Agitationsgebiet überlassen ist. Auch in Elsaß-Lothringen, wo allerdings der Antisemitismus in vielen Gegenden ein wohlvorbereitetes Feld finden würde, will man die Judenhetze einbürgern. Die Partei, der früher nur geringe Geldmittel zur Verfügung gestanden, scheint mit einem Male förmlich in Geld zu schwimmen. Wer die unbekannten Geldgeber sein mögen, bleibt vorläufig in Dunkel gehüllt. Wohl nur, um den vorhergegangenen geheimen Kongreß zu maskiren und die Behörden zu täuschen. wurde am Abend eine öffentliche Versammlung im Concerthause abgehalten , in welcher vier hervorragende Redner der Partei merkwürdig „zahme" RedenWelten. Daß der Feldzug sich in erster Linie gegen die Wahlkreise der Parteiführer von Bennigsen und Miquel richten soll, wäre zwar ein kindisches Unterfangen, würde aber vermuthen lassen, woher der Wind weht. Wenn man für einen solchen Versuch viele Tausende wegwerfen kann, dann müssen iallcrdings ungeheure Mittel zur Verfügung stehen." Nürnberg. Die Wittwe des Abg. Frankenburger spendete zur Erinnerung an ihren Mann 20,000 Mark für eine Stiftung, welche zur Errichtung eines Heims für alte Leute ohne Unterschied der Konfession verwendet werden soll. Lörrach, 2. Mai. Der bekannte Antisemit Herr Liebermann v. Sonucnberg wollte auch am hiesigen Orte Jndchctze betreiben und erschien ans dem hiesigen Arbeiterfeft. Zugleich war aber der Dr. Rüdt erschienen, der durch eine wirkungsvolle Rede gegen den Antisemitismus von vornherein das Unternehmen des Hetzapoftels zu Fall brachte. Herr Liebermann v. Sonnenberg kam gar nicht znjWort und die Versammlung wurde nach halbstündiger Dauer schließlich polizeilich aufgelöst. Berlin, 27. April. Am vorigen Sonntag fand in Hannover ein von etwa zweihundert Mitgliedern aus Deutschland besuchter Antisemitentag statt, der in aller Stille vorbereitet war, und über den der „Köln. Ztg." von angeblich gut unterrichteter Seite Folgendes mitgetheilt wird: „Die Verhandlungen waren geheim. Wir wissen trotzdem, daß ein umfangreicher Feldzugsplan für die nächsten Reichstagswahlen ausgearbeitet worden ist. Die Herren haben eine größere Reihe von Wahl¬ Oefterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 29. April. In einer vom Abg. Dr. v. Plener heute überreichten Petition der Firma Gebrüder Eisler und des Wilhelm Eisler in.Wagstadt wird die während der Arbeiter-Excesse erfolgte Plünderung des Getreidegeschäftes, der Bäckerei und des Wirthshauses dieser Firma geschildert. Die Petition führt überdies aus, daß die Excesse in Wagstadt nahezu ausschließlich gegen die dortigen