Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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647 ''-Ti'VSV* r •jTrr* :3r' rTn.~ Ein erfahrener Reisender, so erzählt der Talmud (Baba Bathra 74) wollte dem Rabba bar Bar-Ehana die versunkene Rotte Korach's zeigen, da führte er ihn an zwei Erdspalte, aus denen Rauch emporstieg, nahm ein Bündel Wolle, tauchte es in Wasser und steckte alsdann dieses Bündel an einen Spieß. Als er den Spieß über den Abgrund hielt, wurde das Bündel versengt. „Merke jetzt aus, was du hören wirst", sagte der Reisende zu Rabba bar Bar-Ehana und der Weise hörte die Worte: Sie sind Lügner, obgleich sie sagen, Moscheh und seine Lehre ist Wahrheit. Wir wollen im nächsten Kapitel versuchen, den Sinn dieser merkwürdigen Erzählung zu ergründen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Mai Die Religionsschule der Jsr. Gemeinde (Adaß-Jisroel) veröffentlichte zum Jahresschluß ihren 21. Bericht. Demselben entnehmen wir, daß die Anstalt im verflossenen Schuljahre von 408 Kindern (287 Knaben und 121 Mädchen) besucht wurde. Das Lehrercollegium besteht aus 11 Lehrern und 2 Lehrerinnen, die an 9 Knabenuud 5 Mädchenklassen und einer Selecta wirken. Am Quartalsschlüsse fand in Anwesenheit des Vorstandes eine eingehende Prüfung sämmtlicher Klassen in allen Lehrgegenstäudeu statt, welche ein zufriedenstellendes Resultat ergab. Im Schulplane trat nur auf dem Gebiete der Religionslehre eine durchgreifende Acnderung ein, indem sümmtliche n;n |CD nunnn mss für unsere Zeit verbindlichen Ge- und Verbote auf die Klassen VIII—-III vertheilt wurden. In der II. Klasse tritt omi und in der I. Klasse din ”n an Stelle des in der Muttersprache ertheilten Religionsunterrichtes. Auch auf die V Mädchenklassen wird der Unterrichtsstoff entsprechend vertheilt und die religiösen Vorschriften des Hauses einer ganz befondern Beachtung gewürdigt. Diese Aufgabe konnte sich die Schulleitung im verflossenen Jahre ganz besonders darum stellen, weil ihr die willfährigen und gründlich vorgebildeten Kräfte zur Verfügung stunden^ welche sümmtliche Mizwos in einer dem Fassungsvermögender verschiedenen Altersstufen angemessene Form bearbeiteten. Der günstige Erfolg, den diese Unterrichtsweise erzielte, veranlaßt die Schule auf der betretenen Bahn fortzuschreiten und, ohne Rücksicht auf die Wünsche fernstehender Kreise und den Beifall der Mode, die Gesetze Gottes so zu lehren, wie sie schriftliche und mündliche Thora fordern. Die Zuversicht, daß die ausgestreute Saat in den Herzen der Zöglinge reichlichen Ertrag zeitigen wird, ist nach den bisherigen Erfahrungen keine unberechtigte, — denn der seit März 1889 bestehende „Verband ehemaliger Schüdcr und Schülerinnen", der nunmehr 127 Mitglieder zählt, hat sein Grundgesetz der Richtung und dem Ziel der Schule, aus welcher er hervorgegangen, angepaßt, und steht derselben mit einer tiefinnigen Sympathie gegenüber. — Erfreulich ist auch die erfolgte Gründung einer Schulbibliothek, die bereits 186 Bände — in 8 Abtheilungen — zählt. Den hochherzigen Spendern von Büchern und Geldmitteln wird herzlich gedankt und damit die Bitte verbunden durch Geldbeiträge die Bildung eines Vibliothekfonds zu ermöglichen. — An 6 Tagen der Woche hatten die Kinder Gelegenheit an dem gemeinsamen Jugendgottesdienste theilzunehmen und die öffentlichen Funktionen auszuüben. Am Sabbat und an Festtagen wurden auch Predigten gehalten. Die Nationalgedeuktage wurden durch Kaisergebet und Anrede festlich begangen und ein Purimkinderfeft gefeiert. Am Chanuka wurden 25 fleißige und bedürftige Schüler durch den „Verband ehemaliger Schüler und Schülerinnen" mit Kleidungsstücken und Schulbüchern reich beschenkt. Die öffentliche Prüfung, die seit 20 Jahren alljährlich iabgehalten wurde, mußte diesmal, — äußerer Umständen willen — unterbleiben. Dem Bericht geht eine Ansprache an die Eltern voraus, welcher dem Unterricht in der öffentlichen Religionsschule das Wort redet. Das Lehrziel der Religionsschule sei nicht einzig und ausschließlich die Ken nt n iß der heiligen Sprache und der Religiousgesetze, diese soll vielmehr zugleich für ein sittliches und gottgefälliges Leben, sowie für ein freudiges Wirken innerhalb der Gemeinde vorbereiten. „Das Schulleben muß eine religiöse Gemeinde im Kleinen darstellen." „Die gemeinsame Andacht ist die erste Stufe der Gottesverehrung, auf welche die Kinder geleitet werden." „Wie die weltliche Schule den Bürger, den Vatcrlandsvertheidiger erzieht, so ist die Religionsschule berufen den Urquell des sittlichen Lebens, den Born aller menschlichen Tugenden zu pflegen, die treue Liebe zu Gott zu erwecken, die demüthige Ergebung in die göttlichen Fügungen ins Herz zu pflanzen." Allerdings könnte diese Aufgabe nur vollendet werden, wenn das Leben der Lehrenden mit ihren Worten in vollstem Einklänge stehe, wenn mit dem erbauenden Vortrage die Pein-