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Der Israelit · 1890-05-05 · Heft 35 (5.5.1890) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 35 (5.5.1890)
Date
1890-05-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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642 an das Herz ihrer Mutier der INH?’ DDJD zurückzuführen. Weinet, meine Brüder, um den Tod von Dr. Lehmann, mit ihm ging uns eine Sonne unter zu ihrer Mittagsstunde gleichsam wie zur Zeit des geliebten Königs Joschia. Wie diesen so hat auch Jenen inmitten seines segensreichen Schaffens und ruhmvollen Wirkens im schönsten Mannesalter der Tod dahingerafft. Bei Beiden läßt die allgemeine Klage und der überall hin verbreitete Schmerz über ihr Hinscheiden die. Wahrheit des Wortes unseres Weisen ahnen, 'Di DIN ^KMISDno die allgemeine Trauer beim Hingange eines Menschen läßt auf seine ewige Glückseligkeit schließen. Ja, teurer Freund, 13p r6:o NDn Du gehst reif an Thaten zur Glückseligkeit in jenes Reich ein, wo Du erntest die Frucht Deiner vollendeten, gesegneten Aussaat. ri/D3 NDn Mit deinen 58 Jahren (58-N'PP) hast Du Dir Unsterblichkeit errungen. Dr. Lehmann, meine Freunde, war einer der glücklichsten Menschen unserer Zeit, denn glücklich sind die Männer zu preisen, welche am Ende ihrer irdischen Laufbahn angelangt, auf ein thatenreiches gottgefälliges Leben zurückblickend ihre geistige Aussaat segensreich aufgehen sahen; die mit einem Worte ihr Lebensziel und ihren Lebenszweck erreicht haben. Dr. Lehmann war der rechte Mann am rechten Platze. Sein Auftreten mit und unter andern Großen, war eine Nothwendigkeit, weil Gott auf die Dauer den Abfall von seinem Gesetze nicht duldete. Die mm ist stets eine und dieselbe; aber die Art und Weise, für dieselbe zu kämpfen ist im Laufe der Zeiten verschieden. Wie ein zielbewußter, glücklicher Feldherr hat Dr. Lehmann, die Schäden richtig erkennend, mit Hilfe seiner .ungewöhnlichen Begabung sich in die Bresche gestellt und in seiner Weise mit sicherem Blick siegreich gekämpft. Der ('KP TIP) lehrt: „Vier wichtige Dinge sind ersetzlich: Silber, Gold, Eisen und Gestein. Der dahingeschiedene rrn dagegen ist unersetzlich." Die Welt hat zwar stets Männer aufznweisen, welche durch die eine oder andere Eigenschaft sich auszeichnen, welche auf dem einen oder andern Gebiet Großes leisten, aber wahrhaft groß steht vor unserm geistigen Auge Dr. Lehmann, dessen Name auch bei seinen Gegnern, wovon wir uns gestern wiederum überzeugt, einen seltenen Silberklang hatte, dessen Geistesadel dem gediegenen Golde vergleichbar, dessen Charakter und dessen erhabene Grundsätze eisenfest und der mit rastlos feurigem Eifer und seltenem Geiste und Geschick zum Schrecken seiner Gegner die Bausteine zusammentrug, um das vom Belagerungssturm unausgesetzt bedrohte jüdische Nationalheiligthum mit einer Schutzmauer zu umgeben. Eines aber, meine Freunde, muß uns im Wesen dieses großen Mannes unbegreiflich erscheinen. Wie war es möglich, daß diese so sehr zur Friedfertigkeit und Bescheidenheit angelegte Natur, daß dieser Mann, der das Wort Schamais nie . . . llpQ 'in in seltener Weise bethätigend, mit einer Leutseligkeit, die auf Jeden, der sich ihm nahte, einen fesselnden Zauber ausüble, wie war's möglich, daß dieser Mann ein Mann des Kampfes wurde derart, daß man von ihm sagen darf, wenn Gegner groß machen, so war Dr. Lehmann unstreitbar einer unserer größten Männer. Das Räthsel löst sich, wenn wir wissen, daß das Grundwesen seines Seins die HN1’ war. All' sein Thun geschah lVuvh. Ter Gottesfurcht ordnete er alles Andere unter; vruvh bezwang er seine Natur. .Gleichwie onrs wurde er, obgleich ein pnN p, d. h. ein iniN zu einem feurigen Gotteskämpfer, der gleich i"a im Lager Israel verkündete Pn P1? '□ Und es sammelten sich unter seiner Fahne alle die, welche Klagen und Beschwerden vorzubringen hatten über religiöse Bedrückungen und Gewissenszwang. „Es ist wahr", so sprach er einst mit der ihm eigenen Begeisterung das denkwürdige Wort, „es ist wahr, der Friede ist ein hohes unschätzbares Gut, und fern sei es von mir, das zu bestreiten. Lehren doch unsere Weisen ’^D n'Dpn N3D N^> 'i^EP n^n rD"D P’TI-ID Gott hat kein Gefäß gefunden, das des Segens so viel fassen könnte, wie der Friede. Aber, merket wohl auf, m. Fr., der Friede ist nur ein Gefäß für das Gute. Und uns will man zumuthen, den kostbaren Inhalt herzugeben, um das Gefäß zu erhalten. Nein, das wollen wir nicht. Um die erhabenen Wahrheiten unserer heiligen Religion uns und unfern Kindern zu erhalten, wollen wir kämpfen und streiten." Ja, Dr. Lehmann war ein Mann des Kampfes, aber dieser Kampf hat seinem Rufe nicht Eintrag gethan. Sein Name ist und bleibt geachtet und geliebt. Auch ’ L?n heißt nvn^v ttf’N, aber unmittelbar dabei heißt es OtfP und P bedeutet D'omn niD. Ja die Liebe zu Gott ging Dr. Lehmann über alles, darum werden auch die, welche seinen Namen und sein Andenken lieben und ehren sich mehren, wie sich stärken und immer mehr leuchten und erwärmen die Strahlen der aufgehenden Sonne. Was Dr. Lehmann im Einzelnen von dieser uralten Gemeinde Mainz aus, von der so viele Jahrhunderte hindurch HNI’l mm in Israel verbreitet wurde, und insbesondere was er für die Gründung gesetzestreuer Religionsgesellschaften geleistet, haben wir wie das Lob seiner besonderen Tugenden bereits vernommen. . Nur eines möchten wir noch erwähnen, daß selbst das ]Pin ntTttf dieses pns, wir meinen die Erzählungen im „Israelit", segensreich gewirkt haben, mehr als wir es uns denken. Die aus ihren Gräbern heraufbeschworenen Geister von Rabbi Bärmann und R. Joselmann, und wie sie alle heißen, haben die Herzen unserer Söhne und Töchter für nNm mm mehr entflammt, als ihnen selbst zum Bewußtsein gekommen. „Der Heilige, gelobt sei er" — sagt eine Stelle im tt'in Uip/' aus — „schreibt, und die in seiner Feder zurückgebliebene Tinte wischt er ab am Haupte der Frommen, bis kommt die Zeit ihres Scheidens aus der Welt." Die Thora ist Gottes, aber den letzten Tropfen Tinte verlieh er den Frommen, damit deren Feder für Gott und seine heilige Thora begeistere. Und so hat Dr. Lehmann geschrieben, bis in Folge der Todesnähe die Feder seiner kraftlosen Hand entfiel. Schließen wir mit den Worten eines ebenso seltsamen PDiNTPipl’. Dort heißt es auf den Vers: Siehe es nahen sich Deine Tage zum Sterben. Tie Tage gehen dahin, nicht aber die Frommen, sie sind unsterblich, wetzhalb? weil sie beim Sonnenaufgang beten nniNDn ist ... PN 121'", Ja die Zaddikim sind unsterblich, weil sie Lob und Preis geben ihrem Schöpfer, weil sie beim Beginn ihrer Laufbahn dem Alles überstrahlenden und Alles belebenden Urlichte Gottes, der Thora, sich zuwenden, ohne welches sie eben so wenig leben können, wie ohne das Licht der Tagessonne, und weil sie am Ende ihrer Laufbahn selber sind geworden zu nniNp zu Lichtträgern, und Lichtverbreitern, und als solche die Herzen ihres Volkes erleuchtet und für Thora und Gottesfurcht begeistert haben. Und nun noch ein Wort an Euch, meine innigstgeliebten trauernde Freunde! Ein Wort von eurem unvergeßlichen Vater: "Dtp NBP nannte er einmal den Vater. Das höchste Pfand, das Gott diesem anvertraut, sind die Kinder. Unverbrüchlich werdet Ihr stets halten euer Wort: „Wir leben

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