Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1890)
- Date
- 1890-05-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448058--29959-2477714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
v S*tw*■"■?; ■"rs'Pj'wjijjar® yu,- ■^•r--., XXXI. IadrstüNfl. Extra- Keilllge)U^r35 i>es„JsrllM"L.,Jelchurlln Slrnographischer Bericht der im Haufe Dr. Lehman n s y'^r gehaltenen Trauer-Reden (Fortsetzung aus 'Jir. .''.4.) XII. Dr. Kahk, Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschasr zu Wiesbaden. Geliebte Trauernde.' Geehrte Trauerversammlung! In r\"2 p vic erzählt die jooj 'D* v7y nn£, jjrr '~n mrsi n; t „Als R. Jochanan seine reine Seele ausgehaucht hatte, da begann R. Jizchak b. Elasarseine Trauerrede mit folgenden Worten: Hart und verhängnisvoll ist dieser Tag für Israel, wie der Tag, an welchem die Sonne unterging zur Mittagsstunde, denn so steht es geschrieben: Und es wird geschehen an jenem Tage, da werde ich untergehen lassen die Sonne am Mittag. R. Jochanan hatte diesen Vers auf den Todestag des Königs Joschia gedeutet". Gestatten Sie, meine Verehrten, dieser Talmudstelle zunächst eine miDC anznreihen. Viermal, heißt es daselbst, findet sich in der Thora das Wort mbb. Einmal steht (Gen. 4) nnPb rpirn und sie fuhr fort zu gebären. Dann (Gen. 25) in^C” und es waren voll ihre Tage zu gebären. Ferner _ (Jes. 26.) mb1? „ mH TC2, wie eine Schwangere, die sich nähert dem Gebären. Schließlich (Koh. 3) '121 rnbb ny. Cs ist eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben. Vielleicht dürfte es nicht zu gewagt scheinen, diese miDC auf die vier Zeitepochen und Perioden in der jüdischen Geschichte anzuwenden, in welchen die Macht des Thorageistes nach Art und Grad verschieden sich geltend machte. Durch unfern Erzvater Abraham ward der Grundstein gelegt zu einem nbycblt' KHpD, welches nach der Bürgschaft der Thora selbst unverwüstlich, ewig dauernd werden sollte. mbb Fpim und zu diesem Zweck und Ziel fuhr die btottf’ nDJD fort, in ununterbrochener Reihenfolge Priester zu gebären für dieses Heiligthum, welche alle, im Geiste von wirkend, durchaus unerreichbar in ihrer Größe in der Geschichte dastehen. Und so stieg denn die Sonne höher am Firmamente des Thorageistes, immer mehr und mehr durch ihre lichten Strahlen die Geister erleuchtend und die Gemüther erwärmend, bis zum Zeitalter des Königs 71'p'N „Da hatte man gesucht und nachgeforscht, und siehe, da fand man von Dan bis Beer Scheba keinen p*lNn oy und, es ward nicht gefunden Knabe oder Mädchen, Mann oder Frau, die nicht bewandert waren in den Gesetzen über Reinheit und Unreinheit." Doch ach, als die jüdische Geistessonne auf immer Alles in Israel zu erleuchten versprach, da ging sie leider bald darauf mir dem Tode des Königs Joschia, auf den das Volk alle Hoffnung gebaut, am hellen Mittage plötzlich unter, 72' i!2v <n*. Tic heilige Bundeslade hatte dieser fromme König den Blicken Nngcwcihter entzogen, die nj’Dir hatte sich in das eigentliche nbyoba* 2'“po zurückgezogen, der heilige Tempel fiel in Asche, und die Propheten hörten aus. Aber trotz ihres beispiellosen Schmerzes tröstete die PN72" nrjr ihre Kinder, denn mb1? 'sbc" sie gebar von neuem: sie stellte von neuem Priester auf für das himmlische Heiligthum der Thora, Priester, die zwar an Größe und geistiger Kraft die Heroen der ersten Perioden keineswegs erreichten, die aber in solcher Fülle auftraten, daß von den letzten Propheten durch die Zeiten der Männer der großen Synode, der Mischna- und Gemaralehrer hindurch der echte jüdische Geist derart, sich Bahn brechend, immer weitere Kreise umfaßte, daß wir das ganze jüdische Volk von damals nur aus Lehrern und Schülern bestehend, uns gern denken. Alles „lernte", und wer nicht Lehrer sein konnte, wollte wenigstens Schüler sein. Ein einziger Lehrer hatte 24.000 Schüler um sich gesammelt. Aber leider mußte die nDJD mit der immer mehr zunehmenden Zerstreuung ihrer Kinder, durch das immer schwerer lastende Joch ihres immer mehr die Sonne ihrem Untergang sich zuneigen sehen. Doch am Abendhimmel des jüdischen Thorageistes zogen Sterne herauf, Sterne von solchem, nur von den Sonnen der aus dem Urlichte der Thora erleuchteten Größen der ersten und zweiten Periode geliehenen Glanze und Lichte, Sterne mit deren Hilfe die hr<72" riDJD ihre beklagenswerthen Söhne und Töchter in der sonst gänzlich finsteren Nacht des nibg den Pfad zum nbyobttf tenpe nicht verlieren ließ. Leider jedoch erglänzte der Nachthimmel des N172 nicht von Myriaden von solchen pfadweisenden Sternen, denn mb/ . . mn es dauerte immer eine Zeit bis die geistesschwangere 7102" PDJD sich allmählich näherte, 2’”!pn, dem Gebären großer das!717^I erleuchtender Geistesheroen. Und heute, ach, meine Freude, schwer haben wir gesündigt mob mbb ny unsere an Geistesheroen arme Zeit, welche keine Sterne erster Größe, welche keine ’"t£H, keine hervorbringt, kaum hatte sie unter anderen vor einigen Jahrzehnten wieder einen solchen hellleuchtenden, und in dem von unseren eigenen Brüdern heraufbeschworenen religiösen m;\J pfadweisenden Stern aufgehen lasten und schon standen wir an der Bahre dieses Heroen, welcher wie kaum ein zweiter es verstanden hatte, mit unbeschreiblichem Zauber zu den Herzen der Söhne und Töchter seines Volkes zu reden und viele von Thora und Gottesfurcht abgewichene Kinder Israels in allen fünf Welttheilen in die Arme und