Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1890)
- Date
- 1890-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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KSOgJJ' ' 630 wilden und fanatischen Bevölkerung leiden! Ich, der ich bei den Gewaltthätigkeiten in Bagdad zugegen war, kann mir das Grausame ihrer Lage leicht vorftellen. Indem ich ihnen einige Hilfe zukommen ließ, verschaffte ich ihnen einen Schimmer von Hoffnung; sie werden sich weniger verlassen fühlen als ehedem, und dieser Gedanke wird sie trösten. Afrika. Tripolis. In hohem Grade traurig ist die Lage der Juden von Tripolis sowohl in wirthschaftlicher, wie in politischer Beziehung. Der einzige noch unmittelbare Besitz der Pforte in Nordafrika befindet sich in stärkster Vernachlässigung und leidet noch mehr wie die anderen Provinzen unter den schlechten Verwaltungs-Maximen sowohl, wie unter der unverbesserlichen Habsucht gewissenloser Beamten; die Zustände grenzen in vielen Theilen der Provinz ans Anarchische. Handel und Verkehr, die mit Leichtigkeit auf eine erfreuliche Höhe gebracht werden könnten, um so leichter als die geographische Lage des Landes solchen Bemühungen sehr zu statten käme, liegen darnieder. Sowohl den Handel mit den benachbarten Mittelmeerstaaten, wie nach dem Süden mit dem Sudan wären reiche Hilfsquellen für die Finanzen des Landes; so aber wird nach der einen wie der anderen Seite nichts gethan um dem Prestige des Landes aufzuhelfen. Auf beschränkte Erwerbszweige wie Handel und Gewerbe angewiesen, sie sind Kaufleute und Handwerker in den verschiedenen Branchen, befinden sich unsere Glaubensgenossen demzufolge in äußerst bedrängter Lage. In der Hauptstadt Tripolis, wo sie in großer Anzahl ansäßig, sie machen mehr als ein Drittel der Bevölkerung aus, ist das Elend auch am größten. Eine Seelenzahl von mehr als 6000 Mann finden dort nur mit verschwindenden Ausnahmen ein gutes oder einigermaßen leidliches Auskommen. In wenigen Familien, deren Zahl höher als 12 nicht zu bemessen dürfte, befindet sich ein Vermögen, welches sie in ein reiches oder wohlhabendes materielles Verhältniß bringt, ein weiterer kleiner Theil lebt so zu sagen von der Hand in den Mund, der Rest aber nagt am Hungertuche, sobald die Spenden der wohlhabenden Glieder der Gemeinde für die geringen Bedürfnisse der Armen nicht ausreichend sind. Zu solchen unglücklichen materiellen Verhältnissen gesellen sich die Folgen politischen Drucks. Wohl sind die Absichten des Sultan selbst auch seinen jüdischen Unterthanen gegenüber die besten, verheißt er ihnen seinen kaiserlichen Schutz, man bedenke aber, wie viel von der Ausführung des Willens abhängt, wie häufig derselbe überhaupt nicht zur Ausführung gelangt und man wird zu der Ueberzeugung kommen, daß dieser gute Wille in einem Lande, in welchem die Türken selbst kaum der Unbotmäßigkeit der herrschenden Araber Herr werden, illusorisch werden muß. Fast nirgends in dem Maaße, wie hier hat sich der religiöse Fanatismus des arabischen Muhamedaners entfaltet, welche den politisch Schwächeren in seinen bürgerlichen Rechten entwürdigt. In solch trauriger Lage liegt die drohende Gefahr, daß zahlreiche Mitglieder unseres Glaubens elend verkommen, wenn die Hilfe derjenigen unter uns ausbleibt, welche die Einsicht besitzen helfend einzugreifen. Die Landesverhältnisse sind für eine in Aussicht genommene Begründung von Colonieen zur Pflege des Ackerbaues und der verwandten Berufszweige außerordentlich günstige und stellen einem solchen Unternehmen das erfreuliche Prognosticon. Die Landschaft Barka mit einer in jenen Strichen selten üppigen Vegetation gleicht einem Paradies und wartet nur der schaffenden Hände, deren Fleiß mit den herrlichsten Gaben der Natur belohnt sein würden. Von welch' vorteilhafter Wirkung die ländliche Beschäftigung auf eine in Armuth und Elend dahinsiechenden Bevölkerung sein muß, ist in die Augen springend. Soll hier geholfen werden, so muß ganz geholfen werden. Das würde sich am besten bewirken lassen, wenn ein Unternehmen für Colonisation durch Gewährung von Darlehen aus eine feste Basis gestellt wird, deren Sicherheit durch die überaus günstigen Voraussetzungen garantirt ist. Feuilleton. Wattu «gen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Es lag solch' furchtbare Seelenangst in den Zügen des jungen Mannes, daß der alte Herr die Erfolglosigkeit seines Versuches erkannte, ihn durch sein Poltern wenigstens vorläufig beschwichtigen zu wollen. Er brummte einige unverständliche Worte in den Bart, griff dann seufzend in die Brusttasche und zog ein zusammengefaltetes Papier hervor. „Ich habe es gut mit Dir gemeint", sagte er, das Papier Hugo zuwerfend, „zu was Du das jetzt schon wissen mußt — Zweck hat es keinen."